Hells Angels vs. Bandidos Lass uns Freunde sein

Pünktlich zur Innenminister-Konferenz haben die verfeindeten Rockerbanden Hells Angels und Bandidos erstmals einen Waffenstillstand erklärt.

Von Sebastian Beck

Es kommt in Deutschland selten vor, dass die Unterwelt zum Pressegespräch einlädt - noch dazu in das Büro eines Notars. Am Mittwoch haben sich Mitglieder der verfeindeten Rockerbanden Hells Angels und Bandidos in Hannover demonstrativ die Hand gereicht. Bereits am Tag zuvor hatten die Clubs eine gemeinsame Mitteilung veröffentlicht, in der sie ihren blutigen Konflikt der vergangenen Jahre offiziell für beendet erklärten. Von einem Friedensschluss ist darin zwar nicht die Rede, aber von einem "Weg zu einer künftigen Koexistenz".

(Foto: rtr)

Bei dem merkwürdigen Pakt gab der Hannoveraner Rechtsanwalt Götz von Fromberg den Paten. Fromberg, der sich sein Büro mit Alt-Kanzler Gerhard Schröder teilt, pflegt seit Jahren schon beste Kontakte ins Rotlichtmilieu - vor allem zu Frank Hanebuth. Der 45-Jährige ist Chef der Hells Angels, die das Vergnügungsviertel am Steintor kontrollieren. Hanebuth zählt zu den Unterzeichnern der Erklärung.

Der Zeitpunkt für den öffentlichen Händedruck ist bewusst gewählt, auch wenn Django, ein Sprecher der deutschen Hells Angels, versichert, man habe schon seit vergangenem Jahr miteinander verhandelt. Doch an diesem Donnerstag und Freitag werden sich die Innenminister der Länder mit den Rockerclubs beschäftigen. Vor allem Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt fordern ein Verbot von Hells Angels und Bandidos. Auch Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus drängt als Vorsitzender der Innenministerkonferenz auf eine schärfere Gangart. In der Hansestadt sind die Hells Angels bereits seit 1983 verboten.

Entsprechend kühl fiel am Mittwoch auch die Reaktion von Ahlhaus auf den Waffenstillstand aus: Der Pakt sei eine Nebelkerze, teilte er mit. Es gehe schließlich nicht nur um den Bandenkrieg, sonder auch darum, dass Rocker im Drogen- und Rotlichtmilieu schwerste Delikte begingen. Bandidos und Hells Angels eint ein krimineller Ehrenkodex, der sie zum Schweigen gegenüber Polizei und Justiz verpflichtet.

Doch auch so ist die Liste der Straftaten lang genug: Dass die Bandenmitglieder selbst vor Mord und Totschlag nicht zurückschrecken, zeigte sich erst wieder im März. Im rheinland-pfälzischen Anhausen wurde ein Polizist von einem Rocker der Hells Angels durch die Tür erschossen, als er dessen Wohnung durchsuchen wollte. Gegen den Schützen war wegen räuberischer Erpressung ermittelt worden. Er soll eine Prostituierte bedroht haben, unter Rockern ist das allenfalls ein Kavaliersdelikt.

Am vergangenen Freitag konnte die Polizei in Berliner Stadtteil Neukölln gerade noch verhindern, dass Hells Angels und Chicanos aufeinander losgingen - auch sie sind miteinander verfeindet, haben aber kein Friedensabkommen geschlossen. Bei der Durchsuchung der knapp 20 Rocker fanden die Beamten eine Machete, einen Baseballschläger sowie diverse Messer. Für die Berliner Polizei sind solche Einsätze mittlerweile alltäglich geworden.

Wie das friedliche Nebeneinander von Hells Angels und Bandidos im Rotlichtalltag aussehen soll, wusste auch Django am Mittwoch noch nicht so recht. Man werde sich künftig meiden, kündigte er an. Und, wenn es geht, nicht mehr aufeinander losgehen.