Für den Absturz der Passagierflugzeugs über Griechenland soll nach Medienberichten neben der falschen Wartung auch das Versagen der Piloten verantwortlich gewesen sein.

Eine Serie von Fehlern hat offenbar zum Absturz der Urlaubermaschine der zyprischen Fluggesellschaft Helios geführt, bei dem Mitte August bei Athen 121 Menschen getötet wurden.

Trümmerteile AP

Eine Frau legt Blumen auf die Wrackteile des abgestürzten Flugzeuges. (© Foto: AP)

Anzeige

Vor dem Start in Larnaca auf Zypern habe die Besatzung nicht bemerkt, dass ein Druckventil und ein Luftaustrittsventil falsch eingestellt waren, berichtete die International Herald Tribune am Mittwoch unter Berufung auf die griechischen Ermittler.

Mehrere Alarmsignale wurden danach falsch interpretiert. Auch hätten der deutsche Pilot und sein unerfahrener zyprischer Kopilot Verständigungsprobleme gehabt.

Die griechischen Ermittler wollten die Angaben auf Anfrage am Mittwoch nicht kommentieren. Sie gaben aber bekannt, dass der Leiter des Teams, Akrivos Tsolakis, am Sonntag nach London reisen wird, um einen britischen Ingenieur zu vernehmen, der die Unglücksmaschine als Letzter überprüft und für den Start freigegeben haben soll.

Seine Aussage dürfte entscheidend für die Beantwortung der Frage sein, warum das Druckausgleichsystem für die Kabine der Boeing 737-300 auf manuell und nicht auf Automatik stand.

Alarmton falsch interpretiert

Wie die Herald Tribune zum Hergang der Tragödie berichtete, ging nach den griechischen Ermittlungen bei 10.000 Fuß (3000 Metern) Höhe ein automatischer Alarm los, der die Besatzung vor dem Druckabfall warnen sollte. Die Piloten hätten den Alarmton aber falsch interpretiert, weil derselbe Ton auch erklinge, wenn die Flugkontrollen vor dem Start nicht richtig eingestellt sind. Dies passiert der Zeitung zufolge aber nur am Boden und nicht im Flug.

Die Boeing stieg dann weiter auf 14.000 Fuß, wo die Sauerstoffmasken wegen des Druckabfalls automatisch aus ihren Halterungen gelöst wurden. Gleichzeitig ging eine Warnleuchte im Cockpit an.

Die Aufzeichnungen aus dem Sprachrekorder im Cockpit zeigten, dass die Warnungen große Verwirrung bei Pilot und Kopilot auslösten, hieß es in dem Bericht weiter, der sich auf mit den Ermittlung vertrauten Quellen berief, die nicht offen genannt werden wollten.

"Crew wahrscheinlich desorientiert"

Die Zeitung verwies darauf, dass der Kabinendruck in Flugzeugen normalerweise auf einem Niveau gehalten wird, der dem von 8000 Fuß entspricht. "Deshalb dürfte die Crew bei über 14.000 Fuß wegen des Sauerstoffmangels desorientiert gewesen sein." Zu dieser Zeit hätten Pilot und Kopilot auch festgestellt, dass sie nicht in der Lage waren, sich über die auftretenden komplexen technischen Probleme zu unterhalten, berichtete die Zeitung weiter.

Ihre Kenntnisse in Englisch, der weltweit genutzten Sprache in der Luftfahrt, hätten dazu nicht ausgereicht. Die Crew habe daraufhin die Instandhaltungstechniker auf Zypern angefunkt. Diese hätten ihnen mitgeteilt, dass sich der Knopf zum Ausschalten des Alarms in einem Schrank hinter dem Pilotensessel befinde. Der aus Berlin stammende Pilot sei daraufhin aufgestanden und habe den Schalter gesucht.

Als das Flugzeug weiter gestiegen sei, sank laut "Herald Tribune" zunächst der Pilot ohnmächtig auf den Boden, danach folgte der Kopilot, der in seinem Sitz geblieben war. Beide hätten den Sauerstoffmangel nicht bemerkt. Der Autopilot flog die Maschine weiter bis auf 34.000 Fuß in Richtung Athen. Dort begann das Flugzeug zu kreisen, bis eines der Triebwerke ausfiel, weil der Treibstoff ausging. Wegen der Instabilität schaltete sich der Autopilot aus. Das Flugzeug zerschellte am Boden.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/AFP)