Als Lara Mia stirbt, ist sie vollkommen abgemagert. Kurz zuvor hatte die betreuende Familienhelferin dem Baby noch einen guten Allgemeinzustand attestiert. Nun hat ein Richter die Sozialarbeiterin verurteilt.
Es ist ein Satz, der hängen bleibt. "Das Kind lacht und isst und macht einen guten Eindruck." So schildert die Familienhelferin ihren letzten Besuch bei Lara Mia. Acht Tage später ist das Kleinkind tot, abgemagert bis auf Haut und Knochen.
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Der Platz der Angeklagten im Hamburger Gerichtssaal blieb leer: Die Sozialarbeiterin, die die Familie der verstorbenen Lara Mia betreut hatte, nahm aus gesundheitlichen Gründen nicht am Prozess teil. (© dpa)
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Die 59-jährige Sozialarbeiterin, die Lara Mia nur eine Woche vor ihrem Tod einen guten Gesundheitszustand bescheinigte, hätte sich eigentlich an diesem Dienstag vor dem Amtsgericht Hamburg-Harburg verantworten müssen. Doch ihre eigene Gesundheit ist angeschlagen - beim Prozessauftakt fehlt sie.
In ihrer Abwesenheit entscheidet der Richter: Die Frau kommt aller Voraussicht nach mit einer Geldstrafe davon.
Im Gerichtssaal 257 geht alles ganz schnell. Der Zustand der Angeklagten wird kurz erörtert: Die Frau leidet an einer akuten Belastungsreaktion, sie ist seit längerem arbeitsunfähig und auf Krankengeld angewiesen.
Dann beantragt der Staatsanwalt auch schon den Erlass eines Strafbefehls über 2700 Euro. Das entspricht 90 Tagessätzen zu je 30 Euro. Wenn die Betreuerin dagegen keinen Einspruch einlegt, ist die Entscheidung rechtskräftig.
Die Anklage - sie lautet auf fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen - wird nicht einmal verlesen. Viele Fragen bleiben daher offen. Zum Beispiel warum die Familienhelferin über Monate hinweg nicht genug für das Kind tat. Warum sie noch wenige Tage vor dem quälenden Tod des kleinen Mädchens einen "guten Eindruck" haben konnte.
Enttäuschung nach dem Urteil
Lara Mia wog zum Schluss nur noch 4,8 Kilo. Das ist etwa die Hälfte von dem, was andere Kinder mit neun Monaten auf die Waage bringen. "Dieses Kind war ein Notfall, für jeden Laien erkennbar ein Notfall", hat der Vorsitzende Richter im Prozess gegen Lara Mias Mutter und deren früheren Lebensgefährten betont.
Die Betreuerin gilt gerade im Umgang mit kleinen Kindern als sehr erfahren. Was also ist schiefgelaufen?
Diese Fragen werden wohl nie mehr aufgeklärt. Die Enttäuschung darüber ist bei Zuschauern und Journalisten deutlich zu spüren. Der Amtsrichter wendet sich im Gerichtssaal daher eigens an die Presse - und mahnt, es gehe hier nur um "individuelle Strafzumessung", um die Schuld eines bestimmten Angeklagten. Auch der Gerichtssprecher springt ihm bei: "Die Verantwortung Dritter ist nicht das Hauptziel eines Strafverfahrens."
Doch genau diese Verantwortung hat der Richter in dem Prozess gegen Lara Mias Eltern - sowohl die 19-jährige Mutter als auch ihr Ex-Freund erhielten Bewährungsstrafen - auf den Tisch gebracht. In seiner Urteilsbegründung sparte er nicht mit Kritik an den Hamburger Behörden: "Es wurde eher an Hilfe als an Kontrolle gedacht, das war ein Fehler. Da hätte etwas anderes geschehen müssen."
Was bleibt, ist ein Geständnis der Sozialarbeiterin. Oder vielmehr: ein unterstelltes Geständnis. "Wenn ein Strafbefehl ergeht, dann ist Grundlage, dass die Angeklagte vollumfänglich gesteht", erklärt der Sprecher. Das Gericht geht also davon aus, dass die Frau die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft einräumt. Laut Anklage hat sie Lara Mias deutliche Gewichtsabnahme zwar bemerkt, "aber nicht die erforderlichen Maßnahmen gegen die das Leben des Kindes gefährdende Mangelernährung ergriffen".
Die Schwester von Lara Mias Mutter ist nach dem angekündigten Strafbefehl "total enttäuscht": "Weil ich oft genug da angerufen hab und gesagt hab, dass es Lara Mia schlecht geht." Eine weitere Angehörige sagt, sie habe den Glauben an die Justiz verloren.
Mit den Fehlern, die sie gemacht habe, müsse sie sich ihr Leben lang auseinandersetzen, sagt dagegen der Verteidiger der angeklagten Betreuerin.
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(Julia Ranniko, dpa/jobr/jab)
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Erfahrene Mitarbeiterin hin oder her, wer nicht sieht, dass ein Kind nur die Hälfte des Normalgewichts auf die Waage bringt, bei dem kann´s mit Erfahrung und Fachwissen nicht weit her sein. Wir machen in unserer Gesellschaft leider einen entscheidenden Fehler: Wir geben eigene Verantwortung an Behördenmitarbeiter ab. Deren Fähigkeiten werden vom Bürger notorisch überschätzt. Hinzukommt, dass sich bei diesen Mitarbeitern mit der Zeit das Gefühl verfestigt, über die nötige Kompetenz in den unterschiedlichsten Bereichen zu verfügen, um selbst und allein Sachverhalte abschließend beurteilen zu können. Freundlich ausgedrückt könnte man dies Selbstüberschätzung nennen. Die Ergebnisse dürfen wir zu Hauf bestaunen. Ins eine, wie ins andere Extrem überwiegen die Fehlentscheidungen, mit verheerenden Folgen für die von ihnen Betroffenen, weil man anscheinend nicht in der Lage ist die Grenzen der eigenen Fähigkeiten zu erkennen und es versäumt sich an entsprechend Qualifizierte, z.B. Kinderärzte, zu wenden. Im Gegenteil, man darf sogar ebenso erstaunt darüber sein, mit welcher kaltschnäuzigen Überheblichkeit Beurteilungen von Fachärzten, speziell von Jugendamtsmitarbeitern ignoriert und angezweifelt werden. In erster Linie, wenn diese nicht dem Gusto dieser Herrschaften entsprechen. Ich habe selbst Kinder im Alter von einem, drei und vier Jahren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dieser letztendlich tödliche Zustand des Kindes nicht über längere Zeit entwickelt hat. Aber von regelmäßigen begleiteten Arztbesuchen, gerade auch aufgrund der Hinweise aus der Verwandtschaft hatte die Dame vom Amt wohl keine große Lust. Sie ist vielleicht Sozialpädagogin, da kann man das alles selbst?!?
2.700 € Geldstrafe, Bewährungsstrafen und alles geht weiter wie bisher, auf der anderen Seite ein so junges Leben ausgelöscht.
Wir sollten eine grundsätzliche Diskussion über die grassierende Inkompetenz innerhalb aller Arbeitsbereiche des Jugendamts öffentlich führen, denn schaut man sich die Fälle einmal genauer an, sie haben, wenn ich mich nicht sehr irre zwei Dinge gemeinsam: Erstens wurde ein Kind getötet und zweitens war immer bereits im Vorfeld das Jugendamt im Spiel. Ich frage mich, ob es trotz oder wegen dieser Behörde soweit kommt und ob es ohne diese "Familienhelfer" (der Name hat übrigens nichts mit dem Programm zu tun) überhaupt noch schlimmer kommen kann.
In Deutschland läuft mittlerweile so viel schief da weiß man gar nicht mehr was man sagen soll.
Das größte Verbrechen ist die Gleichgültigkeit der Menschen.
Die meisten denken wohl ne ne, bloß nicht einmischen bringt nur Ärger.
Aber die Polizei oder das Jugendamt anrufen das können wir doch noch oder?
Die meisten Deutschen würden noch nicht mal etwas mitbekommen haben wollen wenn in den Nachrichten über die toten Kinder der Nachbarn gesprochen wird
Erwarten sie keine Hilfe in Deutschland außer unter Aufgabe ihrer Menschenrechte und Würde.
Die Deutschen helfen gerne, im Ausland!
... wessen Recht wollen diese Gerichte eigentlich noch verteidigen?
Bewährungsstrafen und 2700 Euro? Also keiner hat so richtig was falsch gemacht? Sind sich die Sozialarbeiter/innen ihrer Verantwortung denn nicht bewusst? Für was haben wir sie denn? Vor allem wenn Hinweise von außen kamen! Echt übel was hier so passiert.
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