Hamburg und Braunschweig Schlägereien in Flüchtlingsunterkünften

  • In Flüchtlingsunterkünften in Braunschweig und Hamburg ist es am Dienstagabend zu Massenschlägereien gekommen.
  • Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, wirft der Politik Verharmlosung solcher Vorfälle vor.
  • Innenminister Thomas de Maizière warnt vor einem Generalverdacht gegenüber Flüchtlingen.

Schlägereien in Flüchtlingsunterkünften

Am Dienstagabend ist es sowohl in Braunschweig als auch in Hamburg zu Gewaltausbrüchen in Flüchtlingsunterkünften gekommen. In der Landesaufnahmebehörde des Landes Niedersachsen in Braunschweig gab es eine Auseinandersetzung zwischen 300 bis 400 Menschen. Der Streit soll wegen gestohlener Gegenstände ausgebrochen sein, teilte die Polizei mit. Verletzte gab es keine. Nach anderthalb Stunden konnten etwa 60 Beamte die Situation beruhigen. Ein Mann wurde festgenommen.

In einem Erstaufnahmelager in Hamburg-Wilhelmsburg gab es eine Schlägerei zwischen etwa 60 Flüchtlingen. Einige seien mit Eisenstangen bewaffnet gewesen. Fünf Flüchtlinge seien verletzt worden, einer habe einen Messerstich in den Arm bekommen und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei sei mit einem Großaufgebot vor Ort gewesen, um die streitenden Menschen zu trennen, sagte der Sprecher. Drei Männer wurden in Gewahrsam genommen.

Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft wirft Politik Verharmlosung vor

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, wirft der Politik vor, Berichte über Gewalt und sexuelle Übergriffe in Asylunterkünften herunterzuspielen. "Mein Eindruck ist, dass insbesondere in den Ländern viel verharmlost wird", sagte Wendt der Nachrichtenagentur Reuters. Die Lage- und Ereignisberichte der Polizei sprächen eine eindeutige Sprache. Es sei zwar verständlich, dass die Politik versuche, die Lage zu beruhigen. "Aber da ist schon viel Verniedlichung dabei", monierte Wendt.

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Wenn Polizisten nachts auf der Straße stünden und beispielsweise Syrer und Afghanen aufeinander einschlügen, habe das "nichts mit Gerüchten zu tun", sagte Wendt. "Die Innenminister wären gut beraten, mal ihre eigenen Lageberichte zu lesen."

Der Gewerkschaftschef bezeichnete Äußerungen von Politikern als zynisch, bei sexuellen Übergriffen gegen Frauen und Mädchen in den Heimen handele es sich um Einzelfälle. Auch unter normalen Umständen gebe es bei diesen Delikten eine hohe Dunkelziffer, weil Frauen den Weg zu Polizei und Staatsanwaltschaft scheuten. Bei weiblichen Flüchtlingen komme womöglich hinzu, dass in ihren Herkunftsländern solche Straftaten meist nicht angezeigt würden. Wichtig sei, dass es für die Frauen eine Beratung gebe, in der sie Vertrauen zu unabhängigen Personen gewinnen könnten.

De Maizière warnt vor Generalverdacht

Innenminister Thomas de Maizière warnte unterdessen vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge. Es gebe in dem Feld "unglaublich viele Gerüchte", die sich massiv über soziale Netzwerke verbreiteten. Die Landesbehörden gingen diesen entschlossen nach: "Sehr oft sind die Gerüchte nicht wahr."

Unlängst hatten angebliche sexuelle Missbrauchsfälle in einer hessischen Erstaufnahmeeinrichtung bundesweit für Aufsehen gesorgt. Viele der Fälle sahen die Behörden aber nicht als belegt an. Eine Sprecherin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Hessen betonte jedoch: "Wir haben zahlreiche glaubhafte Berichte über sexualisierte Gewalt und Übergriffe." Wendt sagte, er könne sich nicht vorstellen, "dass verantwortungsbewusste Frauenverbände wie etwa in Hessen, sich das einfach aus den Fingern saugen".

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