Obwohl die Bundesländer ihre strengen Verordnungen loben, werden immer wieder Kinder Opfer von Kampfhunden.
Die gute Nachricht vorweg: Der dreijährige Junge, dem am Sonntag im niedersächsischen Celle ein Kampfhund das Gesicht zerbissen hat, schwebt nicht in Lebensgefahr. Er habe zwar laut geschrien, als die Ärzte am Abend zum ersten Mal seine Verbände gewechselt haben, sagte ein Sprecher der Medizinischen Hochschule Hannover am Montag der Süddeutschen Zeitung. Doch der Zustand des Kindes sei stabil. Es werde natürlich sein Leben lang eine Narbe behalten. Der Sprecher überlegt kurz, dann korrigiert er sich: "Narben."
Natürlich sind nicht alle "Kampfhunde", wie dieser Bullterrier, gefährlich. (© Foto: ddp)
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Was war passiert? Ein dreijähriger Junge besucht mit Vater und Oma den Spielplatz, als ein - bis dahin angeblich völlig unauffälliger - Staffordshire Terrier den Kleinen ohne Grund anspringt und sich in seinen Kopf verbeißt. Eine furchtbare Geschichte. Genau wie die von dem zweijährigen Mädchen, das im niedersächsischen Ovelgönne von zwei Pitbulls so oft ins Gesicht und die Leistengegend gebissen wird, dass die Ärzte ihren kleinen Körper sieben Mal operieren müssen. Oder die von der Achtjährigen aus Wolfenbüttel, der eine Dogge das Gesicht und die Arme zerfleischt. Oder die von dem 16-jährigen Magdeburger, der beim Fußballspielen auf dem Gehweg von einem Hund, vermutlich einem Pitbull, ins Gesicht gebissen wird. Oder die von der Elfjährigen aus Poing in Bayern...
Es ist nur eine Auswahl. Diese und andere Hunde-Attacken haben sich in den vergangenen zwei Monaten in Deutschland ereignet. Wer regelmäßig in die Zeitung schaut, wundert sich fast, wenn er mal eine Woche lang nichts über Kampfhunde liest.
Hektik nach dem Todesfall
Dabei sollte eigentlich alles ganz anders kommen. Acht Jahre ist es her, dass der sechsjährige Volkan in Hamburg von zwei American Staffordshire Terriern totgebissen wurde. Damals überschlugen sich die Ereignisse: Die Innenminister verabredeten sich zur Telefonkonferenz, es folgte eine Kabinettssitzung, eine Aktuelle Stunde im Bundestag, und binnen kürzester Zeit gab es neue Hunde-Verordnungen. "Diese Entschlusskraft ist einmalig in der deutschen Nachkriegsgeschichte", lobte selbst das kritische ARD-Magazin "Panorama".
Acht Jahre später gibt es in Deutschland ein Tierschutzgesetz, das für alle gilt. Darüber hinaus herrscht ein Wirrwarr von Regeln, etwa zum Leinen- oder Maulkorbzwang. Mal gibt es einen Index für sogenannte Listenhunde, da finden sich dann Rassen wie Pitbull, Staffordshire, Mastiff, Dogo Argentino oder Tosa Inu wieder. Diese dürfen meist nur noch unter strengen Auflagen und gegen eine hohe Hundesteuer gehalten werden.
Anderswo gelten Hunde ab 40 Zentimeter Höhe und 20 Kilogramm Gewicht als potentiell gefährlich. In Hamburg, wo Volkan ums Leben kam, rühmt man sich seit einem Jahr für das ,,härteste Hundegesetz'' der Republik. Den Vierbeinern werden fälschungssichere Mikrochips eingepflanzt, ihre Halter müssen sich im Hunderegister anmelden. Um vom Leinenzwang befreit zu werden, müssen beide, Hund und Herrchen, gemeinsam zur "Gehorsamkeitsprüfung". So weit, so streng.
Was die vielen verschiedenen Hundeverordnungen gebracht haben, weiß leider keiner so genau. Hunde sind Ländersache, erklärt ein Sprecher des Bundesinnenministeriums; eine bundesweite Auswertung der Angriffe auf Menschen gebe es nicht. Von den Ländern wiederum führen längst nicht alle Statistiken über Beißattacken, beziehungsweise veröffentlichen sie diese nicht.
Wo das doch passiert, ist oft von "Erfolgsmeldungen" die Rede. Wie vergangene Woche in Berlin, als die Senatsverwaltung für Gesundheit mitteilte, dass die Zahl der Angriffe von gefährlichen Hunden im Vergleich der Jahre 1999 und 2007 um mehr als die Hälfte zurückgegangen sei. Vor neun Jahren seien noch 1816 Menschen von gefährlichen Hunden angesprungen oder verletzt worden. Vergangenes Jahr habe es nur noch 859 Fälle gegeben.
Fragt sich bloß, ob die Zahl 859 ein echter Erfolg ist - bei etwa 6000 angemeldeten Kampfhunden. Das sind immer noch mehr als zwei Angriffe pro Tag. Und weshalb sollen Menschen überhaupt Tiere halten dürfen, die trotz aller Vorsicht immer wieder Menschen schwer verletzen und entstellen, wie am Sonntag in Celle.
Nicht die Hunde sind gefährlich, sondern die Halter, argumentieren Gruppen wie "Bullterrier in Not" oder "Kampfschmuser". Experten wie Hansjoachim Hackbarth von der Tierärztlichen Hochschule Hannover stimmen dem zu. Statt die Tiere in "Sippenhaft" zu nehmen, müssten Besitzer lernen, Herr ihrer Hunde zu sein, nicht andersrum. Das betonte Hackbarth bereits vor acht Jahren. Was sich seitdem nicht verändert hat, sind die Folgen der Attacken - gerade für Kinder.
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(SZ vom 30.07.2008/imm)
Trainer-Rauswurf in der Bundesliga
dann gibt es noch das Verhalten der Hundehalter und derer, die gebissen werden.
Bei den Hundehaltern gibt es sicherlich immer wieder welche, die ihren Hund als Waffe gebrauchen. Es müßte möglich sein, diese herauszufinden und ihnen den Hund wegzunehmen.
Und die große Masse derer, die keien Hund haben und potentielle Opfer von Hunden und ihren Bissen sind? Die müßten das kleine ABC lernen wie mit Hunden umzugehen ist. Vor allem die Kinder..
Man müßte lernen, mit Hunden so umzugehen, wie die Hunde miteinander auch umgehen. Treffen sich zwei Hunde das erste Mal, dann sagen die auch erst einmmal "Guten Tag" (oder "Grüß Gott") zueinander indem sie sich beschnuppern. Das dauert und braucht Zeit, so lange bis sie durch Schwanzwedeln ihr gegenseitiges o.k. sich sitteilen. Und diese Zeit nehmen sich die Menschen nicht.
Dem Hund fremde Menschen fahren mit ihren Händen dem Hund auf/über den Kopf (wo der Hund auch gar nicht hinsehen kann), und dann soll er es sich gefallen lassen (ob er will oder nicht), einfach so gestreichelt zu werden. Viel vernünftiger wäre es, erst einmal dem Hund Zeit zum Beschnuppern der flach hingehaltenen Hand zu geben und ihn zuerst unten am Hals zu kraulen, bevor man sich an die Oberseite des Kopfes hereinmacht. Verkehrt ist es dabei nicht, wenn man in die Knie geht, um auf gleicher Augenhöhe mit dem Hund zu sein - weil er dann einfach weniger Angst hat, und wenn der Hund nach dem Schnuppern weggeht, dann sollte man ihn weggehen lassen; es soll ja vorkommen, daß man einen Menschen nicht riechen kann oder kein Bedürfnis hat gestreichelt oder gekrault zu werden.
Hunde - egal welcher Rasse - beißen zu 95 % aus Angst und nicht aus Lust an Bösartigkeit. Wichtig ist, dem Hund die Angst zu nehmen. 'Und das ist eigentlich das ganze Geheimnis.
Mit Entsetzen muss ich feststellen, dass auch hier leichtfertig Dinge durcheinander geschmissen werden oder in einen falschen Zusammenhang gebracht werden. Sogenannte 40/20 (40 cm hoch oder 20 kilo schwer) Hunde sind nicht potenziell gefährlich! Ein mit Pralinen vollgestopfter Dackel kommt leicht auf über 20 Kilo, muss dann also an die Leine! Ob ein Hund grundsätzlich gefährlich ist, hat nichts mit Größe oder Gewicht des Hundes zu tun. In der Regel sind es die großen Hunde, die über Wesenstärke, Familiensinn und ein gelassenes Gemüt verfügen. Züchter und die entsprechenden Verbände werden das bestätigen, wenn man danach fragt! Die "Gehorsamsprügung" von der gesprochen wird heißt "Begleithundprüfung" und gilt übrigens nicht nur in Hamburg. Ich würde mich freuen, wenn beim Thema Kampfhunde nicht so fährlässig rescherchiert und unbekümmert alle Informationen durcheinander gemicht werden. Als Besitzerin einer Hündin mit den Maßen 70/40 habe ich es recht schwer, bemerke ich doch immer wieder, dass Menschen mich mißtrauisch beäugen, die Straßenseite wechseln oder mich sogar beschimpfen. Ein solcher Artikel wie Ihrer trägt leider nicht dazu bei, das Miteinader zwischen Hundehaltern und anderen Menschen zu entspannen. Er ist ungenau und wird dem traurigen und ernstem Thema Kampfhunde nicht gerecht.
das regelt gleichzeitig das grosse aussetzungs und tierheim problem...
bitte lest auch teil 2....!
das regelt gleichzeitig das grosse aussetzungs und tierheim problem...
bitte lest auch teil 2....!
Danke für den Link.
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