Hai-Fang in den USA Verschluckter Rekord

Es sollte der größte Hai sein, der je vom Ufer aus gefangen wurde. Doch der Angler nahm seine Beute mit nach Hause und verspeiste sie gemeinsam mit 250 engen Freunden. Damit ist der Weltrekord wohl dahin.

Der vermeintlich größte von Land aus gefangene Hai der Welt existiert nicht mehr - oder zumindest nur noch in den Mägen von 250 Menschen.

So viele - wohlgemerkt - enge Freunde luden der erfolgreiche Sportfischer Joey Polk und sein Cousin Earnie nach ihrem Angelausflug zum Lunch ein. Einen gut drei Meter langen Makohai hatten sie an der texanischen Küste gefangen und mit zurück nach Florida gebracht. Gemeinsam verspeisten sie den Fisch - und verzichteten damit auf einen Eintrag im Buch der Weltrekorde.

Bemerkenswerte 365 Kilogramm wog der Hai, den Polk vergangene Woche aus dem Golf von Mexiko zog. Dem erfahrenen Angler war damit der wohl größte Hai-Fang gelungen, der je vom Ufer aus vollbracht wurde.

Unschöner Tod

Die meisten Haie werden nach dem Kampf mit dem Angler wieder freigelassen. Eine Rückkehr in die Freiheit war diesem Exemplar aber nicht vergönnt. "Der Hai war so erschöpft, dass er ohnehin gestorben wäre, wenn wir ihn freigelassen hätten", sagte Joey Polk. Also wurde er ins Polks Heimat transportiert und aufgegessen. Damit war der Weltrekord dahin.

Die "International Land Based Shark Fishing Association" (ILSFA) erklärt auf ihrer Website, dass nur Auszeichnungen für Fänge verliehen würden, bei denen der Hai anschließend frei käme. "Wir lassen etwa 98 Prozent der Haie, die wir fangen, wieder frei. Nur jene, die zu schwach sind, um zu überleben, töten und essen wir", versicherte Earnie Polk. Weil das bei dem Rekord-Hai ja eigentlich auch der Fall gewesen wäre, glauben die Polks noch an eine Wendung der Geschichte.

"Förderung durch Forschung"

Joey Polk sagte dem Fernsehsender ABC in einer Morgensendung, er sei immer noch in Gesprächen mit der ILSFA und hoffe nach wie vor, die Angelegenheit zu seinen Gunsten klären zu können.

Die wachsender Kritik am Angelsport weist die ILSFA zurück. Auf der Homepage der Organisation ist von bewusstem Genuss und Verantwortung gegenüber der Meeres- und Küstenressourcen die Rede. Den Hai nach dem Fangen wieder frei zu lassen, gilt als tierfreundlicher.

Dieses Prinzip ist unter Tierschützern allerdings umstritten. Denn wenn Haie nur gefangen würden, um sie anschließend wieder frei zu lassen, anstatt sie zu essen, diene der vermeintliche Überlebenskampf der Meeresbewohner allein dem Spaß der Fischer, heißt es. Außerdem würden viele freigelassene Tiere ohnehin an dem Stress oder den Verletzungen sterben.

Gleichzeitig beteiligen sich Sportfischer mittels der "Tag and Release"-Technik an dem Hai-Markierungsprogramm der amerikanischen Fischereibehörde: Gefangene Fische werden markiert, ehe sie wieder in die Wildnis entlassen werden. So soll mehr über die Wanderrouten von Haien herausgefunden werden.

Ob der Rekord nun gewertet wird oder nicht - er bliebe ohnehin in der Familie. Insgesamt drei Weltrekorde halten die Polks, darunter auch den eines 674 Pfund schweren an Land gefangenen Makohais von Earnie Polk aus dem Jahr 2009. Auch dieser wurde übrigens aufgegessen; allerdings, bevor die neuen Regeln der ILSFA eingeführt wurden.