Alarmzustand im australischen Städtchen Rockingham: Polizisten patrouillieren an den Stränden. Ein riesiger Weißer Hai soll dort auf Menschenjagd gehen.
Der Bankangestellte Brian Guest, 51, und sein Sohn Daniel, 24, waren schon morgens um sieben am Strand, ihr Haus ist ja gleich um die Ecke. Sie wollten Krabben fangen und schnorchelten in seichtem Wasser.
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Angeschwemmt: Ein toter Hai am Queenscliff-Strand in Sidney. (© Foto: Reuters)
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Daniel berichtete nachher, dass er noch einen Schrei gehört habe, bevor das Meer keine fünf Meter neben ihm explodierte. Es war der Schrei seines Vaters. Einen Moment später färbte sich das Wasser rot von Blut, und Brian Guest war verschwunden.
Vor der westaustralischen Küste, knapp 30 Kilometer südlich der Millionenstadt Perth, läuft seit fünf Tagen die Suche. Niemand bezweifelt, dass Brian Guest Opfer einer Haiattacke geworden ist. Gesucht wird sein Leichnam. Gesucht wird aber auch das Tier, das ihn tötete.
Am Dienstagmorgen meldete ein Ehepaar die Sichtung eines aggressiven Großen Weißen Hais im Warnbro Sound, unweit der Stelle, an der Brian Guest angegriffen wurde. Der Hai soll das Schlauchboot des Paares gerammt haben und länger gewesen sein als das Boot selbst. Das misst vier Meter. Mitten im australischen Sommer ist das Städtchen Rockingham nun im Alarmzustand.
Die Verwaltung hat das Baden verboten, Polizisten und Lebensretter patrouillieren an den Stränden. Mit Booten wird nach dem Hai gesucht, auch ein Helikopter ist im Einsatz.
Ob tatsächlich das gleiche Tier Brian Guest und das Ehepaar attackierte, sei jedoch keineswegs sicher, mahnt die örtliche Fischereibehörde. Dieser obliegt die Entscheidung, den Hai zu töten oder nicht. "Uns geht es zunächst einmal darum, ihn wieder ins offene Meer zu bringen", sagte ein Sprecher der Behörde einer Lokalzeitung.
Haie galten in Australien lange als mordende Monster, doch in den vergangenen zwanzig Jahren hat sich das Bild gewandelt. Das Verständnis für die wichtige Rolle, die der Raubfisch als Spitze der Nahrungskette im Ökosystem der Meere spielt, ist gewachsen.
1997 stellte die Regierung den Weißen Hai offiziell unter Schutz. In Australien gibt es jährlich etwa 15 Haiangriffe, von denen ein bis zwei tödlich enden. Zuletzt starb im April ein junger Surfer. Die Gefahr ist allgegenwärtig, doch die meisten Australier begegnen ihr mit der Gelassenheit eines Volkes, das die Gesellschaft von allerlei tödlichem Getier gewohnt ist. Gern weisen sie darauf hin, dass pro Jahr mehr Landsleute in der Badewanne ertrinken als von Spinnen, Schlangen, Alligatoren oder Haien zu Tode gebissen werden.
Brian Guest, ein leidenschaftlicher Fischer, kannte die Risiken des Ozeans, und er respektierte sie. Er hat sich dafür eingesetzt, den Hai vor der Jagd durch den Menschen zu schützen. Seine Überzeugung kann man noch nach seinem Tod nachlesen, im Forum eines Internetportals für Angler. "Unser Platz auf der Welt ist nicht so heilig", schrieb Brian Guest da, "dass wir das Recht hätten, alles zu beseitigen, was uns bedroht".
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Kapitalabzug aus Südeuropa
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