Gutachten des Klinikums Oldenburg Pfleger könnte zwölf weitere Patienten getötet haben

  • Ein Gutachten des Klinikums Oldenburg bringt einen Pfleger in Verdacht, für den Tod von zwölf Patienten verantwortlich zu sein.
  • Der 38-Jährige muss sich bereits wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs vor Gericht verantworten.
  • Zahlreiche weitere Fälle werden geprüft.

Gutachten in Oldenburg vorgestellt

Im Zusammenhang mit einem Mordprozess gegen einen Krankenpfleger hat das Klinikum im niedersächsischen Oldenburg ein Gutachten vorgestellt. Der Mann soll dort möglicherweise zwölf schwer kranke Menschen getötet haben.

Bei zwölf Sterbefällen in dem Krankenhaus gebe es Hinweise auf Fremdeinwirkung, sagte ein Gutachter am Dienstag in Oldenburg. In Delmenhorst untersucht eine Sonderkommission derzeit 174 Todesfälle im örtlichen Klinikum, auch dort hatte der Pfleger gearbeitet.

Der Vorwurf: Mord aus Langeweile

Der 38-Jährige wurde bereits 2008 wegen Mordversuchs zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt. Im Gefängnis prahlte er nach Zeugenaussagen mit seinen Taten. Bei 50 Toten habe er aufgehört zu zählen.

Seit September muss er sich nun vor dem Landgericht Oldenburg wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs verantworten. Er soll Patienten ein Medikament gespritzt haben, das tödliche Herz- und Kreislaufprobleme auslösen kann. Die Fälle, für die der Pfleger vor Gericht steht, ereigneten sich allesamt während seiner Zeit am Klinikum Delmenhorst.

Der Mann habe aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen gehandelt, hatte die Staatsanwältin zum Prozessauftakt erklärt. Er habe den Tod der auf der Intensivstation liegenden Patienten billigend in Kauf genommen, um dann im Kampf um Leben und Tod seine Fertigkeiten bei der Reanimation unter Beweis stellen zu können. Sein Motiv sei unter anderem Langeweile gewesen.

Ermittlungen in mehr als 100 Fällen

Krankenpfleger könnte in 100 Todesfälle verwickelt sein

Er steht bereits wegen des Vorwurfs des dreifachen Mordes vor Gericht. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg weitere Ermittlungen gegen einen ehemaligen Krankenpfleger aus Niedersachsen eingeleitet. Der Verdacht: Mord in mehr als 100 Fällen. mehr ...

Inzwischen ermittelt eine Sonderkommission in mehr als 100 Fällen. Ein Sachverständiger prüft alle Todesfälle an dem Krankenhaus in Delmenhorst in der Zeit von März 2003 bis Juni 2005, die in die Dienstzeit des 38-Jährigen fielen.

Zuvor war der Krankenpfleger von 1999 bis 2002 am Klinikum Oldenburg angestellt. Ein von der Klinik beauftragter medizinischer Gutachter hat alle Sterbefälle untersucht, die sich während dieser Zeit in dem Haus ereignet hatten. Die Ergebnisse, die nun vorgestellt wurden, zeigen: In zwölf Fällen ist auch hier von Fremdeinwirkung auszugehen. Nachgewiesen sind die Taten dem Mann jedoch noch nicht.

Warum die Sterbefälle erst jetzt untersucht wurden

Der Oldenburger Klinik-Geschäftsführer Dirk Tenzer sagte, es habe keine erhöhte Sterberate und keinen erhöhten Verbrauch des Herzmedikaments gegeben. Auffälligkeiten seien also nur durch die intensive Untersuchung erkennbar gewesen: "Es war undenkbar, dass jemand aus unseren Reihen solche Taten begehen könnte."

"Nirgendwo kann ein Serienmörder so unbehelligt sein Unwesen treiben wie im Krankenhaus oder Pflegeheim. Denn der Tod ist hier allgegenwärtig", sagte Eugen Brysch, Vorstand Deutsche Stiftung Patientenschutz. Oft könne nur das Team den Täter überführen. Bei toten Kindern und alten Menschen müsse es verpflichtende amtsärztliche Leichenschauen geben.