Sie seien "glücklich gewesen wie Kinder, die Süßigkeiten aufsammeln": Nach dem Durchbruch der Rettungsbohrer sollen die verschütteten Bergleute in Chile ab Mittwoch an die Oberfläche geholt werden.

In Chile ist eine von drei Rettungsbohrungen bis zu den eingeschlossenen Bergleuten vorgedrungen. Der Tiefbohrer erreichte die Stelle in 624 Metern, an der die 33 Bergleute seit mehr als zwei Monaten auf ihre Rettung warten. Die letzten vier Meter Gestein durchstießen die Rettungskräfte mit besonderer Vorsicht, um einen Einsturz des Schachtes zu vermeiden.

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Die ersten Kumpels sollen nun nicht wie zunächst geplant am Dienstag über den Rettungsschacht an die Oberfläche geholt werden. "Wir stellen uns auf Mittwoch ein", sagte Bergbauminister Laurence Golborne bei der Mine in der Atacama- Wüste. "Wir haben immer noch niemanden gerettet", versuchte Golborne die Euphorie zunächst zu dämpfen. Er rief jedoch auch "Viva Chile" - es lebe Chile. Die Bergarbeiter seien "sehr ruhig", "viel ruhiger als die Presse", witzelte er.

Bevor der letzte Teil der Rettungsaktion beginnen kann, muss der obere Teil des Schachtes zunächst auf einer Länge von 96 Metern mit Stahlröhren stabilisiert werden. "Man kann durch eine Kamera sehen, dass der Schacht in einem sehr guten Zustand ist, das Gestein ist sehr, sehr hart", sagte der Chef der Firma Geotec, Pedro Buttazzoni dem chilenischen Fernsehsender TVN. Geologen waren zunächst davon ausgegangen, den Schacht über weite Strecken stützen zu müssen.

"Den Bergleuten geht es sehr gut", betonte Golborne. Der Ingenieur Jorge Camacho berichtete, die Männer hätten in der Tiefe die Nationalhymne angestimmt. Einer von ihnen habe gesagt, sie seien "glücklich gewesen wie Kinder, die Süßigkeiten einsammeln", als von der Decke des Schachtes Geröll im Augenblick des Durchbruchs des Bohrers herabfiel.

Auffahrt im Metallkäfig

Die Bohrexperten wurden indessen von der Mine San José verabschiedet. Hunderte Menschen, darunter viele Angehörige der Verschütteten, klatschten den Männern lange Beifall und ließen sie hochleben. Lastwagen, ein fahrbarer Bohrer und weitere Begleitfahrzeuge fuhren unter ohrenbetäubendem Hupen durch das Lager. "Cumplimos" (Wir haben die Aufgabe erfüllt) war auf die Kotflügel gemalt. Die Angehörigen riefen: "Vielen Dank, ihr seid Helden".

Während der Bergung sollen Bergleute für die Auffahrt in drei Gruppen aufgeteilt werden. Zuerst sollen die für die Auffahrt am besten geeigneten Männer in der Rettungsbombe hochgezogen werden. Dann folgen diejenigen mit Gesundheitsproblemen wie Diabetes oder Atembeschwerden und zum Schluss die stärksten Bergleute. Zunächst werden durch den Rettungsschacht aber Sanitäter in die Tiefe geschickt, die die Bergleute untersuchen und ihnen beim Einsteigen in die Rettungskapsel helfen sollen. Die Fahrt an die Oberfläche wird dann etwa 15 bis 20 Minuten dauern.

Die Kumpel - 32 Chilenen und ein Bolivianer - sitzen seit 5. August in der Mine fest. Nach Worten von Chiles Staatschef Sebastián Piñera will auch Boliviens Präsident Evo Morales bei der Rettung anwesend sein.

Nach ihrer Rettung sollen die Arbeiter zunächst in einem Feldkrankenhaus vor Ort untersucht werden, wo sie kurz drei ihrer Verwandten sehen dürfen. Dann werden die Männer in kleinen Gruppen in das nächstgelegene Krankenhaus in Copiapo geflogen, wo sie zur Beobachtung weitere 48 Stunden verbleiben sollen. Diejenigen, die physisch und psychisch stabil genug sind, dürfen dann nach Hause zu ihren Familien.

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(sueddeutsche.de/dpa/dapd/AFP/leja/woja)