Großbritannien Jura-Student hat Gartenzwerg entführt

Der Fall um die mysteriöse Weltreise von Gartenzwerg Murphy ist gelöst: Ein 22-jähriger Student ging mit ihm auf Reisen. Simon Randles hat nun Murphys Besitzer besucht.

Der Vorfall hört sich an wie die Geschichte aus dem Film "Die fabelhafte Welt der Amelie". Darin sendet ein Gartenzwerg Bilder von seiner Weltreise nach Hause.

Das ist nun genau so in Großbritannien geschehen. Zunächst ist Gartenzwerg Murphy im westenglischen Gloucester spurlos verschwunden. Jetzt ist er zu seiner Besitzerin zurückgekehrt - mit einem Fotoalbum, das ihn in zwölf verschiedenen Ländern zeigt.

Die insgesamt 48 Fotos zeigen Murphy unter anderem beim Bergsteigen in Neuseeland, beim Baden in Thailand, auf Tempel-Besichtigungstour in Kambodscha und beim Motorradfahren. Der kleine Abenteurer kann zudem Stempel von Einwanderungsbehörden, darunter aus Südafrika, Swasiland, Australien und Vietnam, aufweisen. Insgesamt war er sieben Monate unterwegs.

Die Zeitung Daily Telegraph hat nun den Entführer enthüllt: Der Jura-Student Simon Randles habe den Zwerg kurz vor seiner Abreise gemopst und sei nun bei den Stuart-Kelsos vorstellig geworden. Es sei "unglaublich schwer gewesen, einen Gartenzwerg zu finden", berichtete der 22-Jährige. Als er Murphy von einem Bus aus gesehen habe, habe er gedacht, "das ist Schicksal". Er sei die Nacht vor seiner Reise zurückgekommen und habe ihn kurz vor Mitternacht mitgenommen.

Zwerg als Eisbrecher

"Ich bin nicht darauf stolz", sagte der Student. Das Fotoalbum habe er wegen seines schlechten Gewissens produziert. Er habe das Gefühl gehabt, er schulde Murphys Besitzer "nur das Beste". Denn während seiner Reise habe sich der Zwerg als regelrechter "Eisbrecher" erwiesen und ihm viele Freundschaften verschafft.

Die Stuart-Kelsos jedenfalls freuten sich über den Besuch von Murphys Entführer: "Danke fürs Vorbeischauen", sagte Eve Stuart-Kelso. "Es ist eine wunderbare Geschichte und Sie haben mich an diesem tristen Tag aufgeheitert."

Der Fall - so skurril er auch sein mag - gilt als gewöhnliches Verbrechen. Frau Stuart-Kelso aber betonte, sie wolle keine polizeilichen Ermittlungen. "Ich habe Simon gesagt, er soll es nicht wieder tun."

Die Britin hatte ihren Gartenzwerg schon ganz vergessen: "Der Heinzelmann ging vor vielen, vielen Monaten verloren", erzählte sie. "Dann habe ich die Tür aufgemacht und gesehen, dass er zurück war. Welch ein Schock!" Als sie das Päckchen neben dem Zwerg entdeckt habe, sei sie zuerst in Alarmstimmung gewesen. "Aber meine Neugierde hat letztendlich gesiegt, ich dachte erst, es explodiert vielleicht."

Wanderlust vorbei

Readles hatte bei der Mitnahme des Zwerges einen Brief hinterlassen - und machte darin Murphys "Fernweh" für sein plötzliches Verschwinden verantwortlich: "Es gibt mehr im Leben, als den täglichen Verkehr zu beobachten, und streunende Katzen an sich urinieren zu lassen." Nun ist er zurück - und die Wanderlust wird den Zwerg mutmaßlich nicht wieder packen.