Großbritannien Intelligentes Kondom

Die Vermessung der Sexualität: Kommt bald das smarte Kondom mit Sensoren?

(Foto: British Condoms)

Eine britische Firma hat ein Produkt entwickelt, das mit Hilfe von Sensoren Daten über den Geschlechtsakt sammelt. Zehn Jahre nach der Erfindung des Smartphones ist das nur konsequent.

Von Oliver Klasen

Ob beim Geschlechtsakt alle Parteien auf ihre Kosten gekommen sind, ob, wie das neuerdings heißt, die Performance in Ordnung war, ob es sich also, schlichter gesprochen, um guten Sex handelte, wurde bisher zwischen den Partnern entweder gar nicht ausdiskutiert oder mit dem Satz: "Wie war ich?" abgefragt.

Glücklicherweise muss bald kein Mann mehr diesen schlimmen Satz sagen, der doch nur auf billige Art Selbstbestätigung einholen soll. Künftig soll die männliche Leistung beim Sex objektiv messbar sein. Sie soll sich in Zahlen ausdrücken, mit Statistiken belegen und mithilfe von Datensätzen analysieren lassen. Möglich ist das dank einer britischen Firma. Sie kündigt auf ihrer Website an, bald das erste "smarte Kondom" auf den Markt zu bringen. Selbst der Guardian ist angetan, obwohl noch niemand einen Prototyp gesehen hat.

Umgerechnet etwa 70 Euro, das gibt die Firma an, soll der intelligente Überzieher kosten. Strenggenommen sei es kein Kondom, sondern ein Ring aus Kautschuk, der mit Sensoren und speziellen Nano-Chips ausgestattet sei und über das eigentliche Kondom gestülpt werde. Alles völlig gefühlsecht, wie der Hersteller versichert.

Das smarte Kondom wird von der Firma als wahres Wunderinstrument angepriesen: Es können die beim Sex verbrannten Kalorien messen, Geschwindigkeit und Kraft der einzelnen Stöße und - warum auch immer - die durchschnittliche Hauttemperatur am Penis. Erfasst würden außerdem Häufigkeit und Dauer des Geschlechtsverkehrs und die Anzahl der verschiedenen Stellungen, wobei - das soll nicht unerwähnt bleiben - letztgenannte Funktion bisher nur in einer Beta-Version verfügbar sei.

Fast überflüssig zu erwähnen, dass man die mit dem neuen Gadget gewonnenen Daten per Bluetooth an eine App übertragen und in sozialen Medien teilen kann. In naher Zukunft solle das smarte Kondom sogar noch smarter werden. Es könne dann bei seinem Träger Geschlechtskrankheiten erkennen und Alarm schlagen.

Zehn Jahre nach der Erfindung des Smartphones ist das Smartkondom nur der nächste logische Schritt. Kein Zufall, dass die Firma ihr neues Produkt "i.Con" nennt - in Anlehnung an die Firma mit dem Apfel.

Zahlen über Sex haben schon immer interessiert

Bereits jetzt zählen Apps gemachte Schritte und bewältigte Treppenstufen. Sie überwachen, ob auch brav die empfohlenen zwei Liter Wasser getrunken werden. Sie ermitteln aufgrund der Körpervibrationen im Bett die ideale Aufstehzeit und geben rechtzeitig Alarm.

Jetzt kommt also angeblich die Vermessung der individuellen Sexualität dazu. Ein paar nüchterne Daten können bei diesem emotional aufgeladenen Thema nicht schaden. Zahlen haben in punkto Sex schließlich schon immer fasziniert. Wie sonst ist erklärbar, dass Umfragen über die durchschnittliche Penisgröße oder die durchschnittliche Sex-Häufigkeit so großes Interesse wecken?

Mit der Installation des "i.Con" besteht nun die Aussicht auf gehaltvollere "Gespräche danach". Künftig heißt es dann nicht mehr: "Wie war ich?", sondern "War ich diesmal schneller als im Durchschnitt der vergangenen sieben Wochen?" Oder: "Das waren 18 Prozent mehr verbrannte Kalorien als im dritten Quartal 2015."

Der österreichische Standard weist allerdings nicht zu Unrecht darauf hin, dass das Wort "Con", das die britische Firma in ihrem Produktnamen verwendet, im Englischen auch für Schwindeleien oder Tricks steht. Leistungsorientierte, technikaffine Männer können jetzt nur hoffen, dass sich die ganze Geschichte nicht doch als großer PR-Gag entpuppt. Aber wie das bei Kondomen eben so ist: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.

Update, 07.03.: Inzwischen scheint klar, dass die Aktion tatsächlich eine geschickte Marketing-Aktion war.