Großbritannien Hochzeitsfotografie aus der Hölle

Wofür man einen Hochzeitsfotografen eigentlich engagiert: Bilder vom Brautpaar.

(Foto: dpa)

Ein britisches Paar hat seinen Hochzeitsfotografen verklagt. Der hatte sich bei der Motivwahl zu sehr auf die Brautjungfern konzentriert - und den Bräutigam dafür größtenteils ausgespart.

Dass Hochzeitsfotografie schief gehen kann, weiß man spätestens seit dem Film "Love, actually": Weil die Bilder des Fotografen allesamt grünstichig sind, bittet Film-Braut Keira Knightley den besten Freund ihres frisch angetrauten Ehemannes, sein Material zur Verfügung zu stellen. Auf dem Video ist nur sie selbst zu sehen, was natürlich Fragen aufwirft. Am Ende geht die Geschichte gut aus: Ja, der Trauzeuge liebt sie tatsächlich, er bekommt dafür ein Küsschen, dann gehen beide getrennte Wege und werden glücklich.

Bei den Briten Steph und Paul Unwin, deren Fall gerade die britische Knallpresse bewegt, ist das Problem nicht, dass die Braut auf den Bildern zu sehr im Fokus steht. Stattdessen hat sich der Fotograf übermäßig auf die beiden Brautjungfern konzentriert. Von ihnen gibt es nach Angaben des Brautpaars 96 Bilder, von der Braut immerhin 70, vom Bräutigam nur elf. Wenn man einberechnet, dass ein Drittel aller Fotos unscharf ist, bleibt vom Mann der Stunde nicht mehr viel übrig. Im Vergleich zu seinen Eltern kommt er aber noch gut weg: Sie sind auf keinem einzigen Foto zu sehen.

Das allein wäre wohl empörend genug. Vor Gericht gezogen sind die Unwins aber vor allem, weil auf vielen Fotos sehr deutlich bestimmte Körperregionen der Brautjungfern abgebildet waren. "Ich weiß, Fotografie wird von verschiedenen Menschen unterschiedlich interpretiert, aber wenn er dreimal den Hintern von jemandem ablichtet, ist das kein Zufall mehr", zitiert die Daily Mail die unzufriedene Steph Unwin. Desweiteren habe der Fotograf die Aufnahmen nicht bearbeitet und kein Hochzeitsalbum erstellt, sondern lediglich eine CD-Rom mit 1636 größtenteils misslungenen Bildern geschickt.

Ihre Klage haben die Unwins bereits gewonnen und eine Entschädigung von 601 britischen Pfund erstritten - auch, weil der Fotograf nicht zum Gerichtstermin erschien. Der Mann behauptete gegenüber der Daily Mail, das schlechte Wetter sei Schuld an den miesen Aufnahmen gewesen. Er hat seine Arbeit als Hochzeitsfotograf mittlerweile aufgegeben.

Damit dürften nun auch die Unwins zufrieden sein. Sie waren an die Öffentlichkeit gegangen, um andere Paare vor ähnlich schlechten Erfahrungen zu warnen. Ein paar gute Aufnahmen von der Hochzeit haben sie übrigens doch: Jemand hat ein Video von der Veranstaltung gedreht. Bleibt zu hoffen, dass auch der Bräutigam zu sehen ist.

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