Großbritannien ändert Thronfolge-Gesetze Jein zum Katholizismus

Prinz Charles heirate womöglich eine Katholikin, hieß es 1978 - die Insel war in heller Aufregung. Ist das britische Königshaus doch seit Jahrhunderten der anglikanischen Kirche verbunden und verpflichtet. Künftig dürfen Thronfolger nun auch Anhänger katholischen Glaubens ehelichen. Doch ein Tabu bleibt.

Von Bettina Dobe

Es tut sich was in Großbritannien: Gerade rechtzeitig zur Schwangerschaft von Herzogin Kate werden die Gesetze für die Thronfolge geändert. Schon im Oktober 2011 hatten die 16 Commonwealth-Staaten, deren Oberhaupt die Queen ist - die Commonwealth realms, eine Änderung der mehr als 300 Jahre alten Gesetze beschlossen: Nicht nur, dass Frauen in Zukunft gleichberechtigt Ansprüche auf den Thron anmelden dürfen. Erstmals wird ein möglicher Thronfolger auch einen Katholiken heiraten dürfen, ohne dadurch die Anwärterschaft auf die Krone zu verlieren.

Noch vor der Geburt der neuen Nummer Drei in der Thronfolge soll im britischen Parlament das Gesetz verabschiedet werden, das erstgeborene Mädchen gleichstellt und die Heirat mit Katholiken für die Royals erlaubt. Das ist keine kleine Revolution im Königshaus.

Noch 1978 hatte das Gerücht, dass Prinz Charles eine Frau katholischen Glaubens heiraten könnte, England in Aufregung versetzt. Und als 1994 die Duchess of Kent zum Katholizismus konvertierte, gab es hitzige Debatten, ob ihr Ehemann Prinz Edward seinen Platz in der Thronfolge verlieren würde. Die Angst vor Katholiken in der Nähe des Throns ist in England tief verwurzelt. Seit Heinrich VIII. sich 1531 vom Papst lossagte und zum Oberhaupt der Anglikanischen Kirche wurde, gibt es Streit zwischen den beiden Glaubensrichtungen.

Am Ende blieb der Skandal aus: Prinz Charles heiratete mit Diana und Camilla zwei Frauen, die wie er der anglikanischen Kirche angehören.

(Foto: AP)

Andere Religionen waren theoretisch erlaubt

Die Spaltung zwischen den Katholiken und den Anglikanern führte zu einem Umsturz und schließlich dem Gesetz, das Thronanwärtern die Hochzeit mit einem Katholiken verbot. Die "Glorious Revolution" von 1688 erschütterte England, weil der damalige König Jakob II., der aus dem katholischen Frankreich notgedrungen importiert worden war, einen katholischen Thronfolger zeugte. Kein weiterer Katholik mit englischer Krone!

Jakob II. wurde abgesetzt, floh nach Irland und bekriegte sich dort mit dem neuen König Wilhelm III. Den hatten die Engländer gekrönt, einen anderen Protestanten hatte man auf die Schnelle nicht finden können.

Wilhelm III. war leider keine sichere Bank: Er blieb kinderlos und man sorgte sich, dass die katholischen Erben des gestürzten Königs Jakob II. auf den Thron zurückkehren könnten. Also legte man 1701 im "Act of Settlement" fest, dass der Thronfolger seinen Anspruch auf die Krone verliert, wenn er "Gemeinschaft mit dem Sitz oder der Kirche von Rom hält oder sich zur päpstlichen Religion bekennt oder einen Papisten heiratet".

Da die nächsten 57 Thronanwärter in der Reihe alle katholisch waren, griff man auf einen sehr weit entfernten Verwandten zurück: König Georg I. aus Hannover, einen Vorfahren von Prinz Ernst August von Hannover.

Der "Act of Settlement" schrieb nur vor, dass der Thronfolger keinen Katholiken heiraten durfte. Andere Religionen wären theoretisch erlaubt gewesen, wohl weil man sie im 18. Jahrhundert nicht auf dem Schirm hatte. Das heißt: Einen Buddhisten hätten die Thronfolger durchaus heiraten dürfen. Die Diskriminierung von Katholiken wird nun nach drei Jahrhunderten aufgehoben.

Selbst zum Katholizismus zu konvertieren bleibt dem Thronfolger allerdings weiter untersagt: Der König ist auch Oberhaupt der Anglikanischen Kirche und ernennt somit die Bischöfe.