Von Von Eike Schrimm

34, weiblich, verheiratet, keine Kinder: Passend zum Muttertag will wieder jedermann wissen, warum die Schmetterlinge im Bauch keine Früchte tragen.

Weil es Deutschland schlecht geht, werden Schuldige gesucht. Ich fühle mich schuldig, denn ich halte mich nicht an den Generationenvertrag. Dieses virtuelle Konstrukt will, dass die Jungen für die Alten die Rente zahlen. Aber es werden immer weniger Junge, denn die deutschen Frauen bringen statistisch nur noch 1,29 Kinder zur Welt. Europäischer Tiefststand.

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Die Politiker rätseln öffentlich und lautstark, warum das so ist: Weil Krippen-, Kindergartenplätze und Teilzeitjobs fehlen, posaunen die einen. Weil die Berufstätigen weder Karriere noch Wohlstand aufgeben wollen, wüten die anderen. Immerhin kostet ein Kind seine Eltern 100.000 Euro bis es auf eigenen Füßen stehen kann, haben Experten vorgerechnet.

Alles Quatsch. Die Menschen haben ihre Kinder bestimmt nicht in die Welt gesetzt, weil sie etwas für Deutschland und für die Rente tun wollen. Sie haben Wunsch-Kinder, oder es hat mit der Verhütung nicht geklappt. Und die Menschen ohne Kinder haben gute Gründe, die niemanden etwas angehen.

Weil Kinderlosigkeit aber zum Politikum geworden ist, traut sich wirklich jedermann über die intimste Grenze und fragt ungeniert nach.

Gebärfähige Kinderlose entwickeln verschiedene Taktiken, um Spekulationen "Ist sie schwanger? Ist sie es nicht?" im Keim zu ersticken. Im Restaurant oder auf einer Party wird sofort zum Bier gegriffen. Wenn aber kein Alkohol ins Spiel gebracht werden kann, wird ein enges Oberteil angezogen oder es wird sofort die Zweisamkeit hoch gepriesen. Ganz schön plump, aber die Wohlerzogenen lassen das Thema dann fallen, nur die ganz Direkten bohren weiter. Wer wagt, korrekt zu antworten "Das geht dich nichts an" riskiert die irrsten Gerüchte "Oje, da muss ja etwas Schlimmes vorgefallen sein".

Ist es aber nicht. Es ist nur so, dass man schon so viel gelesen, gehört, gesehen hat zum Thema. Angefangen von der Problematik, überhaupt zum richtigen Zeitpunkt schwanger zu werden: Früher sind die meisten Frauen bis Mitte 20 Mutter geworden, heutzutage kratzt man schon an der 30er Marke, um überhaupt Lehre und Studium abzuschließen. Dann vergehen nochmals ein paar Jährchen, um im Job Fuß zu fassen.

Währenddessen geht die Panik-Mache los: Ab 35 gilt die Frau als spätgebärend, die Eier würden den Sprung nicht mehr schaffen und im unfruchtbaren Nirwana landen. Oder lahme Spermien der älteren Männer würden schon auf dem Weg zur Zelle verrecken. Himmel, Sachen gibt es, da möchte man gar nicht wissen, dass es sie gibt.

Aber eine Frau zwischen 30 und 40 wird natürlich hellhörig und schnappt viel Pseudo-Wissen auf. Bevor also der innerliche Startschuss fällt, muss erst einmal die Angst überwunden werden, nicht zwangsläufig Stammgast auf Baby-Wunschstationen zu werden.

Wäre diese Hürde also mutig genommen und der Schwangerschaftstest fiele positiv aus, kreisen schon die Sorgen um das Ungeborene: Hoffentlich entwickelt sich das Embryo nach Schema F und wächst gesund heran. Wenn es dann da ist, gehen die regelmäßigen Body-Checks weiter: Was bloß tun, wenn nicht genügend weiße oder rote Blutkörperchen in den winzigen Adern schwimmen? Reichen die Abwehrkräfte später aus, um sich auch gegen Mobbing im Kindergarten, in der Schulen, am Arbeitsplatz durchzusetzen?

Eltern hören nie auf, sich viele Gedanken zu machen - und solche, die biologisch Eltern werden könnten, ebenso. Nicht nur, aber besonders am Muttertag.

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