Gewalt gegen Polizei Randale und sexuelle Übergriffe bei Volksfest in Schorndorf

Der Oberbürgermeister von Schorndorf und der Polizeipräsident in Aalen beantworten auf einer Pressekonferenz Fragen.

(Foto: dpa)
  • Krawalle auf einem Volksfest in Schorndorf bei Stuttgart beschäftigen Polizei und Politik.
  • Über die Anzahl und die Rolle von Asylbewerbern bei den Ausschreitungen gab es zunächst unterschiedliche Darstellungen.
  • Das Innenministerium kündigte für den Nachmittag eine Stellungnahme an.
Von Josef Kelnberger, Stuttgart

Randale auf einem Volksfest im baden-württembergischen Schorndorf beschäftigen Polizei und Politik. In der Nacht zum Sonntag versammelten sich etwa tausend junge Leute im Schlosspark der Stadt, es kam zu Ausschreitungen. Zudem soll bereits am Samstag eine 17-Jährige von drei Asylbewerbern aus Afghanistan festgehalten und am Po begrapscht worden sein. Am Vorabend waren drei Fälle sexueller Belästigung gemeldet worden, Ermittlungen laufen gegen einen Iraker.

Vor allem die Gewalt gegen Polizeibeamte sei erschreckend gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Es sei üblich, dass sich während des Volksfests viele Jugendliche träfen, doch die Aggression gegenüber der Polizei sei neu gewesen. Einige seien mit Flaschen auf Beamte losgegangen. Als Hauptproblem nannte der Sprecher den Alkoholkonsum der Jugendlichen.

Über die Anzahl und die Rolle von Asylbewerbern bei den Ausschreitungen gab es zunächst unterschiedliche Darstellungen. Am Montag teilte die Polizei mit, der Anteil habe unter 50 Prozent gelegen. Sie bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei den Ermittlungen; auf einen entsprechenden Aufruf hätten sich bislang vergleichsweise wenige Menschen gemeldet. Das Innenministerium kündigte für den Nachmittag eine Stellungnahme an.

"Massives Aggressionspotenzial"

Matthias Klopfer, der Oberbürgermeister von Schorndorf, berichtete in einem Interview mit dem SWR, es habe sich nach seinen Erkenntnissen bei den Randalierern vorwiegend um Gymnasiasten und Realschüler gehandelt. Als zwei Gruppen aneinandergeraten seien, sei die Lage eskaliert. Asylbewerber seien später hinzugestoßen. Im weiteren Verlauf der Nacht zogen den Ermittlern zufolge mehrere Gruppe von jeweils 30 bis 50 Menschen durch die Innenstadt, einige sollen mit Messern bewaffnet gewesen sein.

Der Aalener Polizeipräsident räumte ein, dass die Polizei angesichts der unerwartet heftigen Gewaltausbrüche die Lage nicht immer im Griff gehabt habe. Die Einsatzkräfte hätten sich kurzzeitig zurückziehen und neu aufstellen müssen. Die Polizei musste nach eigenen Angaben zahlreiche Verstärkungskräfte aus den umliegenden Landkreisen in Schorndorf zusammenziehen, um dem "massiven Aggressionspotenzial" begegnen zu können. Oberbürgermeister Klopfer kritisierte, dass die Polizei anders als in den Vorjahren den Park am Abend nicht geräumt habe. Am Sonntag wurden zusätzliche Beamte nach Schorndorf entsandt, die Feuerwehr leuchtete das Festgelände aus. Es kam zu keinen weiteren Vorfällen mehr.

Schorndorf, eine Stadt mit 40 000 Einwohnern, liegt etwa 30 Kilometer östlich von Stuttgart und ist vor allem bekannt als Geburtsort von Gottlieb Daimler. Das Volksfest, auch als "Schowo" bekannt, endet am morgigen Dienstag. Das Polizeiaufgebot wurde für die letzten beiden Tage massiv aufgestockt.

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