Von Henrik Bork

In Chinas Provinz Henan ist ein belgisches TV-Team brutal überfallen und beraubt worden - Drahtzieher sollen lokale Beamte sein.

Die chinesische Regierung hat angekündigt, einen brutalen Übergriff gegen ein belgisches Fernsehteam in China untersuchen zu wollen. Sein Ministerium werde sich bei den lokalen Behörden erkundigen, was passiert sei, sagte Außenamtssprecher Liu Jianchao in Peking.

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Hartes Durchgreifen: Polizisten gehen beim Kartenverkauf für die Olympischen Spiele gegen einen Reporter vor, der über den Ansturm berichten wollte. (© Foto: AFP)

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Der TV-Journalist Tom Van de Weghe vom flämischen Sender VRT, sein Kameramann und ein Assistent waren nach eigenen Angaben am vergangenen Donnerstag während einer Recherche in der chinesischen Provinz Henan aus ihrem Auto gezerrt, brutal geschlagen und ausgeraubt worden. Sie hatten einen Dokumentarfilm über Aidskranke in Henan drehen wollen und vermuten einen politischen Hintergrund für den Überfall.

"Acht Schläger hielten ihren Kleinbus an, griffen hinein, um die Türen zu öffnen, zerrten die TV-Crew auf die Straße und machten sie mit Faustschlägen gefügig", heißt es in einer Mitteilung des Clubs der Auslandskorrespondenten in China (FCCC). "Ich dachte, sie würden uns umbringen", sagt Tom Van de Weghe. "Einer gab mir einen heftigen Schlag auf den Kopf. Sie benahmen sich wie Tiere", so Van de Weghe, der Tage nach dem Überfall noch an starken Kopfschmerzen litt.

Berichterstattung zum Welt-Aidstag

Sein Team hatte zum Welt-Aidstag über die Situation der vielen Aidskranken in der chinesischen Provinz berichten wollen. Am Tag des Überfalls waren sie zunächst von einem Polizisten angehalten und befragt worden. Dann wurden sie von zwei Autos ohne Nummernschild verfolgt und Stunden später wieder angehalten und von mehreren Männern gezwungen, eines ihrer Bänder auszuhändigen. "Anwohner sagen, die Schläger in diesem Zwischenfall waren lokale Beamte aus den Orten Zhoukou und Gangshan", so der FCCC.

Auf dem Weg zum Flughafen wurden die Journalisten erneut auf einer Landstraße gestoppt. Erst dann wurden sie zusammengeschlagen. Die Schläger stahlen alle Videobänder, die Kamera, Speicherkarten, das Handy sowie Geld.

In den vergangenen Jahren waren ausländische Reporter oft am Versuch gehindert worden, Aidskranke in Henan zu interviewen. Die hohe Zahl der Erkrankten in einigen Dörfern dort geht auf einen Blutspendeskandal zurück, bei dem Bauern mit unsauberen Nadeln infiziert wurden. Örtliche Beamte sollen an den Blutspenden mitverdient haben und fürchten nun eine restlose Aufklärung des Falles.

Kürzlich sollen in der Nähe der Ortschaft, wo nun das belgische Team überfallen wurde, mehrere chinesische Journalisten und der Aids-Aktivist Li Dan geschlagen worden sein. Eine örtliche Quelle habe in dem Fall Beamte aus dem Dorf Shuangmiao und dem Landkreis Shangqiu unter den Schlägern identifiziert, berichtet das belgische TV-Team.

"Der brutalste Überfall seit fünf Jahren"

Der Auslandskorrespondenten-Club forderte die Regierung in Peking auf, den Übergriff auf die Journalisten restlos aufzuklären. "Das ist der brutalste Überfall, von dem ich in meinen fünf Jahren in China gehört habe", so FCCC-Präsident Jonathan Watts vom britischen Guardian. In der Vergangenheit war es wiederholt zu Handgemengen zwischen Sicherheitskräften oder angeheuerten Schlägern mit Korrespondenten gekommen, noch nie jedoch zu gezielten Verfolgungen, Schlägen auf den Kopf oder Diebstahl von Material.

Dass China an einer ernsthaften Aufklärung des Falls interessiert ist, darf man angesichts der Worte von Regierungssprecher Liu Jianchao bezweifeln. Man werde sich vor Ort erkundigen, sagte er. "Andererseits können wir nicht einfach blindlings örtliche Behörden beschuldigen."

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(SZ vom 03.12.2008/age)