Von Von Markus C. Schulte v. Drach

Außer Borrelien und FSME-Viren können die Spinnentiere noch weitere Erreger übertragen.

Lyme-Borelliose

FSME-Viren

FSME-Viren (© Baxter)

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Die häufigste, weltweit von Zecken übertragene Krankheit ist die Lyme-Borreliose (Borreliose). In Deutschland gehen Schätzungen von bis zu 100.000 Neuerkrankungen pro Jahr aus. Hervorgerufen wird sie durch Bakterien mit Namen Borrelia burgdorferi, B. afzelii und B. garinii. Sie gehören zur gleichen Familie wie der Erreger der Syphilis (Treponema pallidum). Es handelt sich Spirochäten, große, bewegliche, schraubenförmige Organismen.

Antikörper gegen die Erreger, die auf eine frühere Infektion hindeuten, finden sich bei zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent der Bevölkerung.

Vorsicht bei der Entfernung von Zecken

Da die Bakterien sich im Mitteldarm der Blutsauger befinden, werden sie beim Zeckenstich nicht immer sofort übertragen. Zwar können bis zur Infektion bis zu 24 Stunden vergehen, während die Zecke sich vollsaugt. Die Übertragung ist jedoch auch schon innerhalb der ersten Stunden möglich.

Entdeckt man eine Zecke, die sich schon festgebissen hat, so kann man durch eine schnelle Entfernung des Tieres häufig eine Ansteckung mit Borrelien verhindern. Dabei sollte sie jedoch nicht gequetscht oder mit Zigaretten oder Öltropfen getötet werden.

In beiden Fällen erbricht die Zecke ihren Darminhalt in die Wunde - und damit auch die Bakterien. Die Tiere sollten deshalb mit einer Pinzette dicht über der Einstichstelle gefasst und mit einer vorsichtigen Drehung herausgezogen werden.

Stadien der Krankheit

Die Krankheit durchläuft mehrere Stadien: Zu Beginn befinden sich die Bakterien in der Haut und können dort eine Rötung hervorrufen, die sogenannte Erythema migrans (Wanderröte). Sie tritt einige Tage bis zu mehreren Wochen nach der Infektion auf - allerdings nicht bei allen Patienten.

Nach einigen Wochen breiten sich die Bakterien über die Blut- und Lymphbahnen im Körper aus. In dieser Zeit können Symptome wie bei einer Sommergrippe auftreten, zum Beispiel Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen.

Während diesen Phasen lässt sich die Krankheit relativ leicht mit Antibiotika behandeln.

Gefahr schwerer Schäden

Ohne Behandlung kann sie jedoch chronisch werden. Die Borrelien setzen sich im Bindegewege der Gelenke oder in Nervenzellen fest - Körperstellen, die das körpereigene Abwehrsystem schlecht erreicht. Es kann dann zu Arthritis, Muskelentzündungen, Knochenschmerzen, Entzündungen in Nerven und Gehirn kommen.

Im Gegensatz zu den USA gibt es in Europa noch keinen Impfstoff. Die Amerikaner haben es lediglich mit einer einzigen Bakterienart zu tun (Borrelia burgdorferi). Gegen die verschiedenen Bakterienarten in Europa wird zur Zeit ein Impfstoff-Cocktail entwickelt.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Im Gegensatz zur Borreliose kommt die von Viren ausgelöste Hirnhautentzündung nur in Gebieten vor, die eine mittlere Jahrestemperatur von mindestens 8 Grad haben. In Deutschland sind besonders Teile Baden-Württembergs (entlang des Rheins, des Neckars und im Schwarzwald um Freiburg) betroffen sowie Regionen in Bayern (etwa die Gegend um Passau, die Regionen Schrobenhausen und Mittelfranken).

Nach Schätzungen des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg muss aber möglicherweise damit gerechnet werden, dass das Virus weiter verbreitet ist, als bislang angenommen.

Regional begrenzt

Von unseren Nachbarn werden vor allem die Österreicher von den virentragenden Zecken bedroht. Die Viren wandern nach dem Biss schnell in den menschlichen Körper. In Deutschland werden jährlich 100 bis 200 Menschen befallen.

Etwa zwei Wochen kommt es bei etwa 30 Prozent der Infizierten zu grippeartigen Symptomen. Kurze Zeit darauf können Nervenentzündungen oder Lähmungen auftreten.

Bei etwa 10 Prozent der Patienten bleiben Schäden zurück, ein bis zwei Prozent sterben. Im Gegensatz zur Borreliose gibt es keine Therapie.

Impfschutz

Dafür steht jedoch eine Impfung zur Verfügung, Ein Vergleich der am stärksten bedrohten Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg deutet darauf, dass die größere Impfungsrate in Bayern zu einer Verringerung der Erkrankungen führte.

So meldet die Bayerische Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen für 1999 mit 20 Patienten die niedrigste Zahl in diesem Bundesland seit acht Jahren. In Baden-Württemberg schwankten die Zahlen in diesem Zeitraum zwischen 65 und 256.

Auch in Österreich konnte die Zahl der Erkrankungen in den letzten 15 Jahren um mehr als 90 Prozent verringert werden. Experten raten allerdings, sich nur impfen zu lassen, wen man in einem Hochrisikogebiet lebt oder sich dort vorübergehend aufhält.

Ehrlichiose

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass auch die kugelförmigen Bakterien der Gattung Ehrlichia von Zecken auf den Menschen übertragen werden. Welche Bedeutung die Erreger haben, ist noch nicht eindeutig geklärt.

In manchen Fällen scheint die Infektion Nieren- und Leberschäden verursacht zu haben, und etwa zwei Prozent der Infektionen - so wird geschätzt - verlaufen sogar tödlich. Bekannt ist, dass die Bakterien die Symptome der Borreliose oder der FSME verstärken können.

Da die Bakterien ebenfalls mit grippeähnlichen Symptomen einhergehen, können sie die typischen Zeichen dieser Krankheiten verschleiern.

Babesien

In seltenen Fällen kommt es bei Zeckenstichen zu Infektionen mit diesen einzelligen Parasiten Die Erreger befallen die roten Blutkörperchen und lösen malariaähnliche Symptome aus, Gliederschmerzen und Funktionsstörungen der Nieren.

Allerdings scheinen sie vor allem für Menschen gefährlich zu sein, denen die Milz entfernt wurde.

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