Gesellschaft Schluss mit Süß!

Ein paar Zahlen für Bambi: Wenn beide arbeiten, erledigt die Frau 70 Prozent der Hausarbeit. Kommt ein Kind, bleibt sie in 95 Prozent der Fälle daheim. An deutschen Hochschulen stellen Frauen die Hälfte der Absolventen, aber nur 13 Prozent der Professoren. Selbst in der Türkei liegt der Frauenanteil mit 21,5 Prozent höher.

SZ-Magazin

Weibliche Angestellte verdienen im Durchschnitt 70 Prozent des Gehalts ihrer Kollegen - bei gleicher Arbeit wohlgemerkt. In den Vorständen der 30 deutschen DAX-Firmen sitzt genau eine Frau. Und die kommt auch noch aus Holland. Insgesamt haben es nicht einmal sieben Prozent in die Führungsetagen der deutschen Unternehmen geschafft - das entspricht ziemlich genau dem Frauenanteil in den Parlamenten der arabischen Welt.

"Wo bleiben die Frauen?"

Und in den Medien, wo FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher eine "noch nie da gewesene Akkumulation weiblicher Macht", eine Art Medusa(lem)-Komplott, konstatiert? Moderatorinnen, Kommissarinnen, Nonnen, Hausfrauen und Anwältinnen bevölkern die Bildschirme, so viele wie nie zuvor.

Aber unter den 13 ARD-Intendanten gibt es nur eine Frau. Und in die Führung des ZDF hat sich gar kein weibliches Wesen verirrt. Das Autorinnenteam Barbara Sichtermann und Andrea Kaiser (Frauen sehen besser aus. Frauen und Fernsehen) zitiert den ehemaligen ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser mit dem schönen Satz: "Seit ich zu den Entscheidern gehöre, gucke ich mich immer um: Wo bleiben die Frauen, die unsere Jobs wollen?"

Was war das für eine Aufregung, als vor der Bundestagswahl 2002 Sabine Christiansen und Maybritt Illner die Kanzlerkandidaten Schröder und Stoiber zum Wahlkampf-Duell baten. Doch all jene, die darin die endgültige Machtübernahme der Fernsehfrauen wähnten, übersahen ein kleines Detail.

Im deutschen Fernsehen dürfen die Maischbergers, Illners und Christiansens zwar jetzt auch die wichtigen Fragen stellen. Aber die Antworten gibt noch immer ein Mann. Im Verhältnis zwischen der Moderatorin und ihren - zu gefühlten 95 Prozent - männlichen Polittalk-Gästen spiegelt sich so auf subtile Weise das Verhältnis zwischen kleiner, neugieriger Tochter im Fragealter und väterlicher Deutungsmacht.

Im vergangenen Herbst sahen beinahe eine Million Menschen in Deutschland den Film 30 über Nacht; die Geschichte der unglücklichen, unbeliebten 13-jährigen Jenna, die sich danach sehnt, endlich erwachsen zu sein.

Eines Morgens erwacht sie im Körper und im Leben ihres 30-jährigen Ebenbildes. Jenna hat als Modejournalistin Karriere gemacht. Eiskalt, mit miesen Tricks, sexuell skrupellos, wie Frauen eben angeblich so sind, die im Hollywood-Kino nach oben kommen.

Sex statt Liebe

Doch jetzt schlägt das reine Herz eines Teenagers in der Business-Zicke. Und Jenna, von einer dauerstrahlenden Jennifer Garner, 33, gespielt wie Julia Roberts auf Prozac, erträgt das erwachsene Leben nicht.

Männer wollen Sex statt Liebe. Ihre besten Ideen werden geklaut. Und die vermeintliche Kolleginnen-Freundin entpuppt sich als herzlose Intrigantin. Macht macht keinen Spaß.

"Ich möchte doch nur ein netter Mensch sein", sagt sie und weint. Jenna schmeißt den Job und heiratet den Mann, der ihr damals, zum 13. Geburtstag, ein supersüßes Traumhaus gebastelt hat.

Am Ende ist sie, die 30-jährige Frau, die alle Chancen hatte, im Herzen wieder 13 Jahre alt. Ein Kind, das keinem wehtut. Es ist ein Happy End. Vielleicht sollte man auch diesen Film nicht so ernst nehmen. Er passt nur so gut.