Gerhart-Hauptmann-Schule Berlins bekannteste Flüchtlingsunterkunft soll geräumt werden

Ein Flüchtling auf dem Dach der Gerhart-Hauptmann-Schule im Jahr 2014

(Foto: imago/Olaf Wagner)
  • Seit fast fünf Jahren ist die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin von Flüchtlingen besetzt.
  • Jetzt haben die Bezirksbehörden eine Räumungsklage gewonnen und einen Gerichtsvollzieher eingeschaltet.
  • Doch auch gegen das nun geplante Wohnprojekt formiert sich bereits Widerstand.
Von Verena Mayer, Berlin

Roter Backstein, Bäume rundherum, auf eine Mauer hat jemand in großen schwarzen Buchstaben "Refugees Welcome" gesprayt. Ein Gebäude wie so viele in Berlin-Kreuzberg. Nur der hohe Zaun und der Wachmann, der erscheint, sobald man sich dem Tor nähert, deuten darauf hin, dass das kein gewöhnliches Gebäude ist. Und tatsächlich ist fast nichts mehr hier gewöhnlich. Hier ist einer der umstrittensten Orte Berlins: die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule.

Seit fast fünf Jahren ist sie von Flüchtlingen besetzt. Die weigern sich auszuziehen, damit auf dem Gelände ein alternatives Wohnprojekt für Flüchtlinge, Obdachlose und Studenten entstehen kann. Mehrere Versuche, die Schule räumen zu lassen, sind gescheitert. Bis jetzt. Die Bezirksbehörden haben eine Räumungsklage gewonnen und den Gerichtsvollzieher eingeschaltet. Der soll demnächst am Zaun stehen.

Einer größeren Öffentlichkeit ist das Gebäude bekannt, seit es im Jahr 2014 in die überregionalen Schlagzeilen katapultiert wurde. Damals lebten Hunderte Menschen in der aufgelassenen Schule, kampierten in alten Klassenzimmern, schliefen auf einem Matratzenlager in der Aula. Eigentlich sollte die leer stehende Schule nur als provisorische Unterkunft für Flüchtlinge dienen, die Ende 2012 bei einem Protestmarsch aus Würzburg nach Berlin gekommen waren. Der Bezirk hatte sie ihnen zur Verfügung gestellt, es war Winter.

Sollen sie doch kommen

Die besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin wird wohl bald geräumt. Wir können nicht anders, sagt die Bezirksbürgermeisterin. Sie hat ihr Versprechen gebrochen, sagen die Flüchtlinge. Über eine Situation, in der es nur Verlierer gibt. Von Hannah Beitzer mehr ... Report

Symbol für die Flüchtlingskrise in Deutschland

Nach und nach zogen immer mehr Leute in das Haus. Junge Männer aus Afrika, Roma-Familien, Obdachlose aus dem Görlitzer Park, Flüchtlinge aus Kriegsgebieten. Es gab nur rudimentäre Sanitäranlagen, die Bewohner waren sich selbst überlassen, zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam es immer wieder. Bis die Situation eskalierte - und ein Flüchtling einem anderen beim Streit um die einzige Dusche ein Messer in den Bauch rammte.

Daraufhin sollte die Schule geräumt werden, doch die Bewohner weigerten sich. Hunderte Polizisten marschierten auf, Tausende Berliner gingen aus Protest gegen die Räumung auf die Straße. Die Bilder der Männer, die auf das Dach der Schule kletterten und drohten, sich in die Tiefe zu stürzen, gingen um die Welt. Das war im Sommer 2014, lange bevor Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen und in den zuständigen Berliner Behörden das Chaos ausbrach. Und doch war die Berliner Schule ein erstes, frühes Symbol dafür, was passiert, wenn die Flüchtlingskrise die überforderten deutschen Kommunen trifft.

Seither ist einiges passiert. Oder auch gar nichts, je nachdem, welche Perspektive man einnimmt. Da sind einmal die Bewohner, die sich bis heute im Südflügel der Schule eingerichtet haben. 22 Männer sind dort noch gemeldet, zehn gehören zum harten Kern. Die meisten sind aus Afrika und haben in Berlin kleine Jobs oder Familie, ein Mann aus dem Senegal verkauft im angrenzenden Görlitzer Park Sandwiches. Die vergangenen Jahre wurden sie von Aktivisten unterstützt und haben Kunstprojekte gemacht.