Gérard Depardieu Obelix flüchtet vor der Reichensteuer

Beim Teutates! Obelix-Darsteller Gérard Depardieu hat keine Lust, die Reichensteuern in seiner Heimat Frankreich zu bezahlen und zieht kurzerhand ins benachbarte Belgien um. So spart er Geld - und provoziert die Regierung und Präsident Hollande.

Von Michael Kläsgen

Es ist ein besonders hässliches Haus, das sich Gérard Depardieu gekauft hat: grau, heruntergekommen, mit kleinen Fenstern, direkt an einer Kreuzung gelegen. Aber aus Sicht des Weltstars hat es den unschlagbaren Vorteil, dass es genau einen Kilometer von Frankreich entfernt liegt, im belgischen Dorf Néchin und damit außerhalb des Einflussbereichs des französischen Fiskus. Gibt der bestbezahlte Schauspieler Frankreichs künftig an, dort mehr als die Hälfte des Jahres zu wohnen, zahlt er wesentlich weniger Steuern als in seiner Heimat. Und dazu muss der Darsteller der französischen Galionsfigur Obelix nicht einmal Belgier werden.

Der 63-Jährige darf sich in Néchin sogar ganz zu Hause fühlen. Jeder vierte der 2053 Einwohner ist Franzose. Depardieu ist somit nicht der erste, wohl aber der prominenteste französische Steuerflüchtling. Für ihn gilt zudem, dass ihn unzweifelhaft die neue sozialistische Regierung mit ihren Reichensteuern ins Ausland getrieben hat. Depardieu hatte für den Konservativen Nicolas Sarkozy Wahlkampf gemacht, der im Mai aber gegen den jetzigen Präsidenten François Hollande verlor. Sein Umzug ist damit auch eine politische Aussage - und eine Provokation.

Andererseits ist Depardieu ein Nachzügler. Die hohe Steuerbelastung in Frankreich ließ schon zur Regierungszeit der Konservativen viele reiche Unternehmer, Künstler und Sportler ins Ausland abwandern. Depardieu gesellt sich nun zu Stars wie Charles Aznavour, Johnny Hallyday, Zinédine Zidane, Dany Boon und Yannick Noah, die seit Jahren oder Jahrzehnten keine Steuern mehr in Frankreich bezahlen.

Insofern ist die Schadenfreude der Opposition über das Abwandern Depardieus mit Vorsicht zu genießen. Bemerkenswert ist trotzdem, wie dessen Entscheidung sofort zum Politikum wurde. Wird Frankreich ein Land, in dem sich Reiche nicht mehr heimisch fühlen können, fragen die Selbstzweifler. Depardieu-Kritiker werfen ein, dass sich doch gerade Aufsteiger wie er solidarisch mit ihrer gebeutelten Heimat zeigen sollten.

Durch Zufall als Schauspieler entdeckt

Depardieus Karriere liest sich wie ein modernes Märchen. Sein Vater, ein Alkoholiker, konnte kaum schreiben. Depardieu selbst litt in seiner Jugend unter einem Sprachfehler und hatte Probleme auf der Hauptschule. Mit 13 Jahren begann er eine Druckerlehre, die er nicht abschloss. Dann wurde er durch Zufall entdeckt. In mehr als 180 Filmen wirkte er schließlich als wandlungsfähiger Schauspieler.

Im echten Leben spielte er zuletzt vor allem die Rolle des Rüpels. Bei einem Streit mit anderen Verkehrsteilnehmern wurde er neulich handgreiflich, Ende November stürzte der Hobby-Winzer und Weinliebhaber sturzbetrunken vom Motorroller, im Sommer urinierte er im Flugzeug in den Gang. Spötter unken, der große Schauspieler sei im Land des "Manneken Pis", des wasserlassenden, belgischen Männchens, vielleicht so schlecht nicht aufgehoben.