Von Felix Berth

Das Elterngeld scheint keinen Babyboom auszulösen: Die Zahl der Geburten war im ersten Halbjahr des Jahres 2007 fast exakt so hoch wie im Jahr zuvor.

Die Zahl der Geburten in der Bundesrepublik war in den ersten sechs Monaten des Jahres 2007 fast exakt so hoch wie im ersten Halbjahr 2006. Das zeigen neue Daten des Statistischen Bundesamts, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen und am Dienstag veröffentlicht werden sollen.

Babyboom dpa

Trotz Elterngeld bleibt der erwartete Babyboom aus. (© Foto: dpa)

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Das Elterngeld, das seit Januar 2007 gezahlt wird, scheint also keinen Geburtenboom auszulösen. Allerdings sinkt die Zahl der Frauen, die Kinder bekommen können, seit langem kontinuierlich, weshalb die deutsche Geburtenrate im Jahr 2007 insgesamt leicht steigen dürfte.

Die Veränderung der Geburtenzahlen zwischen 2006 und 2007 ist so gering, dass sie in den Statistiken kaum auffällt. Zwischen Januar und Juni 2007 kamen in Deutschland 313.079 Kinder zur Welt; im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 313.896. Dies entspricht einem Rückgang um 0,2 Prozent, also einer minimalen Veränderung.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge sind diese Angaben vorläufig; kleinere Korrekturen sind wahrscheinlich. Letztlich aber dürfte das Ergebnis lauten, dass sich an der Gesamtzahl der Geburten zwischen 2006 und 2007 kaum etwas geändert hat.

Neigung zum Kinderkriegen scheint sich gewandelt zu haben

Gleichwohl lassen die Daten die Interpretation zu, dass sich die Neigung zum Kinderkriegen ein wenig gewandelt hat. Das vorangegangene Jahrzehnt war geprägt durch einen stetigen Rückgang der Geburten; wenn nun die Zahl der Babys konstant bleibt, gleicht das immerhin einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau.

Dieser Erfolg, den auch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen gerne betont, wirkt noch etwas überzeugender, wenn man die sinkende Zahl der potentiellen Mütter dagegenhält. Denn die Gruppe der Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 44 schrumpft seit langem kontinuierlich; hier macht sich der "Pillenknick" der siebziger Jahre inzwischen stark bemerkbar.

Die Kombination beider Effekte - konstante Geburtenzahl bei sinkender Zahl potentieller Mütter - dürfte dazu führen, dass die deutsche Geburtenrate wieder leicht steigt. Präzise lässt sich dies allerdings erst sagen, wenn in einigen Monaten die endgültigen Daten für das gesamte Jahr 2007 vorliegen. Eine erste Berechnung der sogenannten "Geburtenziffer" deutet den Anstieg bereits an. So bekamen tausend Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren im ersten Halbjahr 2006 noch durchschnittlich 19,2 Kinder; im ersten Halbjahr 2007 stieg dieser Wert auf 19,4. Ein Anstieg der deutschen Geburtenrate erscheint deshalb plausibel.

München: plus acht Prozent

Der kleine Babyboom, der sich bei einer SZ-Umfrage in deutschen Städten zeigte, stellt sich auf Bundesebene freilich nicht ein. Die Steigerungsraten von etwa zehn Prozent, die im ersten Quartal in Düsseldorf, Köln und München festzustellen waren, finden sich in der aktuellen Bundesstatistik nicht.

Zwei Ursachen sind denkbar: Entweder waren die Statistiken der Städte durch Zufälle in der Erfassung der Neugeborenen verzerrt. Oder - die wahrscheinlichere Erklärung - die Entwicklungen in städtischen, wohlhabenden und ländlichen Regionen unterscheiden sich.

Dafür spricht, dass die Zahl der Geburten in München auch nach neuen Berechnungen im ersten Halbjahr 2007 um acht Prozent stieg. Im ländlichen Schleswig-Holstein dagegen lag die Kinderzahl im ersten Halbjahr 2007 um 1,5Prozent niedriger als im Vorjahres-Zeitraum.

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(SZ vom 13.11.2007/dmo)