G-7-Gipfel Wer steht hier im Mittelpunkt?

Auch andere Nationen haben Bilder vom G-7-Gipfel veröffentlicht - und zeigen die ikonische Szene mit Angela Merkel und Donald Trump aus vollkommen unterschiedlichen Perspektiven.

Von Martin Zips

Nein, leider kein Interview mit dem Fotografen dieses fantastischen Bildes von der Schlussrunde des G-7-Gipfels. Das Bundespresseamt erlaubt es nicht. Seit 2010 ist Jesco Denzel offizieller Fotograf der deutschen Bundesregierung, man muss also dort um Erlaubnis bitten, wenn man mit ihm sprechen möchte. Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert hatte das Bild, das auf den ersten Blick eine große, starke Bundeskanzlerin und einen kleinen renitenten US-Präsidenten zeigt, per Twitter verschickt. Im Netz verbreitete es sich in Sekundenschnelle. Der Facebookinstagramtwitter-Mensch liebt solche Fotos, weil er sich dann Sprechblasen ausdenken kann, wer was gesagt haben könnte. Ein Beispiel aus dem Netz: "Donald, ich frag dich zum letzten Mal: Wo ist der Nachtisch hin, der im Kühlschrank stand?" Und so etwas ist auch die große Stunde der digitalen Bildbearbeiter. Ein User setzte Trump in einen Kinderstuhl, mit einem ausgeleerten Teller Nudeln auf dem Kopf.

Der gebürtige Bremer Denzel ist gerade in New York aufgewacht, als die SZ ihn telefonisch erreicht. Er würde gerne reden, sagt er, nur habe er dafür nicht das Okay des Bundespresseamtes. Wenn Wim Wenders für seinen Papstfilm ihm zur Verfügung gestelltes Material aus dem Vatikanarchiv verwendet oder das öffentlich-rechtliche Fernsehen Vereinsvideos von Bayern München, so ist schnell von Propaganda die Rede. Die Frage ist nun: Ist auch Denzels Bild Propaganda, weil es - wie viele andere auch - im Auftrag der Regierung geschossen und verbreitet wurde? Oder handelt es sich nur um Chronistenpflicht?

Jedenfalls lief wohl kein G-7-Bild besser als das von Jesco Denzel. Ein visueller Erfolg, wie 2013 Merkels Deutschland-Kette im gähnend langweiligen TV-Duell mit Peer Steinbrück. Obwohl, und das ist schon interessant, dieselbe Gipfel-Situation aus anderen Perspektiven fotografiert völlig anders wirkt: Ein bisschen konfuser, mit deutlich weniger Merkel drauf. Je nach Auftraggeber. Aber selbst aus Denzels Perspektive sind nur auf den ersten Blick Merkel und Trump die Protagonisten: In Wirklichkeit spricht gerade Trumps Sicherheitsberater John Bolton mit Emmanuel Macron. Der US-Präsident wartet auf Macrons Antwort, und Merkel blickt ein bisschen konsterniert. Aber um das zu sehen, muss man schon genau hinschauen.

Preisgekrönter Fotograf: Jesco Denzel, der das Gipfel-Bild machte, arbeitet unter anderem für die Regierung.

(Foto: privat)

Anruf bei Roberto Pfeil, der im Juli 1990 mit dabei war, als im Kaukasus Kohl, Genscher und Gorbatschow die deutsche Einheit am Holztisch verhandelten: "Ich war damals der einzige deutsche Bildberichterstatter", erzählt Pfeil. "Und ich war erst 30 Jahre alt." Hat er ebenfalls im Auftrag der Regierung fotografiert? "Nö", sagt Pfeil. "Und der Regierungssprecher hatte mir gar nichts zu sagen. Ich habe einfach selber die Fotos ausgewählt und dann an meine Agentur geschickt."

Klar, den meisten Menschen ist es ziemlich egal, woher ein Foto stammt. Hauptsache, es gefällt. Die Verbreitung des G-7-Fotos aber darf schon als ziemlicher Coup von Regierungssprecher Seibert angesehen werden. Und, was soll man sagen? Das Bild ist wirklich gut.

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