Seitdem ein Fuchs zwei Säuglinge attackiert hat, ist ganz London in Aufruhr. Vor allem Boulevardblätter rufen zur Hatz auf - und bekommen unerwartete Unterstützung.
Sie wurden in der Downing Street gesichtet und vor dem Buckingham-Palast. Ein Exemplar schnürte sogar durchs Objektiv einer Überwachungskamera in der National Gallery: Füchse sind aus dem Stadtbild Londons mittlerweile ebenso wenig wegzudenken wie die Tauben am Trafalgar Square. Ungewiss ist nur, wie viele es von ihnen gibt: Schätzungen schwanken stark - zwischen 30.000 und 225.000 Tieren.
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Ein Fuchs hat in London an einem warmen Sommerabend zwei Säuglinge in ihren Betten im ersten Stock eines Reihenhauses angegriffen - seitdem gelten die Tiere nicht mehr nur als lästig, sondern als gefährlich. (© ag.dpa)
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Starke Emotionen haben die Stadtfüchse bislang nicht ausgelöst. Für die einen sind sie eine possierliche Bereicherung der Hauptstadt-Fauna, für andere eine lästige Pest, weil sie sich nachts über Müllsäcke hermachen und deren Inhalt weiträumig in Gärten und Garageneinfahrten verstreuen.
Doch seitdem ein Fuchs zwei Säuglinge in ihrem eigenen Bett attackierte, hat sich das Image der Rotröcke dramatisch verschlechtert. Von überall her werden plötzlich Fuchs-Attacken gemeldet; vor allem die Londoner Boulevard-Presse gebärdet sich, als ob ein Rudel menschenfressender Löwen aus dem Regents-Park-Zoo ausgebrochen sei.
Mit "stählernem Blick" habe der Fuchs sie angestarrt, nachdem er ihre Zwillingsmädchen Isabella und Lola in die Arme und ins Gesicht gebissen habe, zitiert beispielsweise das Massenblatt Sun die Mutter der verletzten Kinder. Er habe keine Angst vor ihr gehabt, beteuerte Pauline Koupparis. Als man ihn schließlich doch verscheucht habe, wollte ein Nachbar gesehen haben, wie er wieder zurück ins Haus wollte: "Er kratzte an der Verandatür, als ob er auf den Geschmack von Blut gekommen wäre."
Fuchs in Panik
Fuchs-Experten freilich bewerten den Vorfall, der sich im Ost-Londoner Stadtteil Hackney ereignete, als einen äußerst raren Einzelfall. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Fuchs bewusst ein Kind angreift, geschweige denn gleich zwei", meinte etwa Martin Hemmington von einer Organisation, deren Existenz bisher wahrscheinlich nur Eingeweihten bekannt war: die Nationale Gesellschaft für die Wohlfahrt von Füchsen.
Hemmington vermutete, dass der Fuchs erschrocken, ja in Panik geraten sein könnte und daher zugebissen habe. "Aber ich verstehe nicht, wieso er gleich zweimal in Panik geraten ist", wunderte er sich. Von einer "tragischen Kombination aus einer warmen Nacht, einer offenen Terrassentür, und einem naiven drei- bis viermonatigen Fuchswelpen" sprach der Fuchsfachmann John Bryant. Immerhin ein neues Detail vertraute er der staunenden Öffentlichkeit an: Das Füchslein sei wohl vom Geruch dreckiger Windeln in den ersten Stock des Reihenhauses gelockt worden.
Schadenfreude auf dem Land
Politiker, angeführt von Londons Bürgermeister Boris Johnson, fordern nun ein härteres Durchgreifen gegen die städtischen Füchse. "Sie mögen zwar knuddelig aussehen, aber sie sind halt doch eine Landplage", meinte Johnson.
Schadenfrohe Töne ertönen indes auf dem Land. Britanniens Bauern und der kleinere Landadel haben es der früheren Labour-Regierung nie vergessen, dass sie die traditionelle Fuchsjagd mit Hund und Reitern verbot. Dass sich die Füchse nun nicht nur die Städte, sondern sogar die Häuser dort als Lebensraum erobern, sehen sie als einen Akt ausgleichender Gerechtigkeit an.
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(SZ vom 10.06.2010/kat)
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die Füchse in London gleichen in Ihrem Erscheinungsbild eher Wölfen...
Ich bin im Bayer Wald aufgewachsen und hab dort in den ersten 20 jahren meines Lebens vielleicht vier oder fünf Füchse gesehen... sie waren mir als sehr scheue tiere bekannt. als ich dann irgendwann nach London zog staunte ich nicht schlecht als ich früh morgens auf dem Weg zur Arbeit oder spät Abends auf dem heimweg Füchsen begegnete. Wirklich erstaunlich war, daß diese, wenn sie mich erblickten, nicht mal davon liefen sondern mich einfach nur anstarrten... (in der Grundschule wurde uns noch gesagt, wenn er ned davon rennt hat er wahrscheinlich Tollwut...)
Somit erstaunt mich der Vorfall nicht weiter...
Was die Hunting lobby anbelangt, so haben die keine große Argumentationsgrundlage, denn ich kann mir beim bessten Willen nicht vorstellen, daß eine Jagdgesellschaft zu Pferd mit einer Hundemeute durch Peckham oder Hammersmith auf Fuchsjagd ginge, selbst wenn es erlaubt wäre...
zerstört nach und nach den lebensraum der tiere. wenn die sich dann gezwungenermaßen an den lebensraum der menschen anpassen gibt's gejammere. die tiere machen nur eins - ihrem instinkt folgen um zu überleben.
und dann wäre es auch nur ein kleiner Schritt zur traditionellen Fuchsjagd mit Hund und Reitern am Piccadilly Circus.
Halali!