Von Von Melanie Zerahn

Für einen Haarsalon in Wiesbaden wird gerade bei ebay geboten. Scheren, Sessel, Föhne, Rundbürsten sind zu haben - und die Angestellten. Eben alles steht zum Verkauf - witzig finden die Mitarbeiter das nicht.

Stellen Sie sich vor, Ihr Arbeitsplatz steht im Internet zum Verkauf und keiner hat Ihnen was gesagt: Schockiert, wütend, enttäuscht? Kann man jetzt nicht mehr ändern - die Auktion läuft bereits. Da fängt der Arbeits-Tag doch nochmal so gut an!

Friseur Wiesbaden, dpa

Die Mitarbeiterinnen eines Friseurs in Wiesbaden warten bis der Hammer fällt. (© Foto: dpa)

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Ein Wiesbadener Frisör und Ladeninhaber hatte die "smarte Idee". Sie sei ihm beim Mittagessen gekommen, erzählt der 31-jährige Inhaber Peter Christ. Und ungefähr so lange wie eine Mittagspause dauert, arbeitete er an der Umsetzung.

Christ versteigert nun seinen kompletten Laden im Internet. Bei ebay, wo sonst? Monatelang hatte er nach einem Friseurmeister gesucht, der sein Geschäft übernehmen sollte - alle Zeitungsinserate waren vergebens.

Jetzt freut sich der Unternehmer: Bei 26.000 Euro steht das aktuelle Gebot auf der Auktionsplattform. Man bietet auf einen 140 Quadratmeter großen Friseursalon mit allen Geräten von Schneideplätzen bis zum Föhn, Mietvertrag, Kundenparkplätzen - und fünf Angestellten inklusive.

"Das fühlt sich an wie Menschenhandel"

Allerdings: Die Mitarbeiter wussten nichts von der Auktions-Aktion. "Wir haben von der Versteigerung erst durch einen Radioreporter erfahren", erzählt ein Teammitglied, "da standen wir schon im Netz."

Gut finden die Mitarbeiter das nicht: "Schockierend, das fühlt sich an wie Menschenhandel," ärgert sich ein Teammitglied, "es ist das Allerletzte."

Auch die Geschäftsführerin Dagmar Groh erwischte es eiskalt: "Bei der Frage, wie ich es finde, versteigert zu werden, gehen mir Begriffe wie Menschenrechte und das Grundgesetz durch den Kopf", erzählt sie nach dem ersten Schock. "Ich dachte, wie kann ebay so was überhaupt annehmen."

ebay ist für Waren da

Ja, wie kann ebay nur. Egal, ob Stirn, Toastbrot mit Mutter-Gottes-Motiv oder Hochzeiten - ebay ist für nahezu alles da. Und wenn es, wie in diesem Fall, kurios bis fragwürdig wird, brummt der Laden.

Klar auch, dass sich das Fernsehen eine solche Gelegenheit nicht mehr entgehen lässt: "Die Kamerateams kommen einfach an, eines nach dem anderen, machen Termine mit dem Chef und halten einem das Mikro vor die Nase", sagt ein Teammitglied, "die Kunden regen sich furchtbar auf."

"Äußerst fragwürdig" hält auch Felix Friedl, Geschäftsführer vom Landesinnungsverband in Hessen, das Vorgehen des Wiesbadeners, "es ist sehr unglücklich, wenn man die Mitarbeiter auf ebay einem Millionenpublikum vorführt und sie vorher nicht befragt."

Es sei zu überlegen, ob nicht das "Persönlichkeitsrecht verletzt" werde, sagt Friedl. Die Plattform ebay sei schließlich "dazu da, Waren oder Dienstleistungen zu verkaufen" - und nicht Mitarbeiter.

Bei vorheriger Einwilligung, so Friedl, sehe er kein Problem - schließlich kann ja jeder machen, was er will, "vielleicht halten manche es sogar für eine witzige Idee".

Abgesehen davon: Die Zukunft der Angestellten ist denkbar ungewiss: "Keiner weiß, ob er noch bleiben kann oder überhaupt noch will", sagt ein Mitglied des Teams, "wir wollen uns den neuen Chef mal anschauen und dann entscheiden."

Inhaber Christ ist ungebrochen optimistisch, durch seinen Coup einen qualifizierten Nachfolger zu finden. Auch für die Mitarbeiter sieht er wenig Probleme: Ihre Stammkunden seien doch das Kapital des Ladens. Entlassungen seien deshalb unsinnig.

Vielleicht lernt das Team den neuen Chef ja schon bei der geplanten Versteigerungsfeier am Freitag kennen.

Denn am 4. Februar um 17 Uhr 20 Minuten 27 Sekunden fällt erst der Hammer - und vielleicht dann auch die Schere.

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(sueddeutsche.de/dpa)