Franziskus Der Papst und die "arabische Invasion"

Papst Franziskus, hier bei einer Generalaudienz im Vatikan.

(Foto: dpa)

Bei einem Auftritt in Rom gebraucht Franziskus diese Formulierung. Was nach Rechtspopulismus klingt, soll wohl etwas ganz anderes bedeuten.

Von Tanja Mokosch

Die Formulierung alleine klingt nach Schlagzeilen-Material für Rechtspopulisten - und das wurde sie auch. "Papst Franziskus: Wir können heute von einer 'arabischen Invasion' Europas sprechen" titelt der Blog Jihad Watch. Das ist der Blog, den auch Anders Behring Breivik gerne las und zitierte, bevor er am 22. Juli 2011 mehr als 70 Menschen in Norwegen tötete, um sein Land gegen den Islam zu verteidigen.

Gesagt habe der Papst bei einem Treffen mit Mitgliedern der französischen, linksorientierten Bewegung "Poissons Roses" in seiner Residenz Santa Marta am vergangenen Dienstag dies: "Wir können heute von einer arabischen Invasion sprechen. Das ist eine soziale Tatsache", berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Er habe jedoch hinzugefügt, dass daraus neue Chancen erwüchsen. Europa habe in seiner Geschichte viele Invasionen erlebt, "aber es hat immer über sich selbst hinauswachsen, voranschreiten können, um sich dann, bereichert durch den Austausch der Kulturen, wiederzufinden".

Mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen habe der Papst neuen Schwung auf dem Weg zur Einheit des Kontinents gefordert. Er dürfe nicht in nationale Egoismen zurückfallen. "Es ist nötig, sich wieder an den Verhandlungstisch zu setzen, aber nur in dem Bewusstsein, dass man etwas verlieren muss, damit alle gewinnen können", zitiert die FAZ.

Das Zitat beschäftigte im Nachgang des Treffens auch die französischen Medien. Der Tenor: Das Zitat sei aus dem Kontext gerissen worden. Die Tageszeitung Le Monde etwa titelt: "Die üble Debatte um die Aussage des Papstes."

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