Franziskus am Gründonnerstag Papst wäscht Strafgefangenen die Füße

Der Papst küsst einem jungen Häftling nach der rituellen Waschung die Füße.

(Foto: AFP)

An die "äußersten Ränder" müsse die Kirche gehen, dorthin, "wo Blut vergossen wird": Papst Franziskus nutzt den Beginn der Osterfeierlichkeiten, um eindringlich zu einer Neuorientierung der Kirche aufzurufen. Bei einer Messe in einem Jugendgefängnis setzt er selbst ein Zeichen und wäscht zwölf Häftlingen die Füße.

Zu Beginn der Osterfeierlichkeiten am Gründonnerstag hat Papst Franziskus erneut zu einer Neuorientierung der Kirche aufgerufen. Priester dürften nicht zu Verwaltern des Glaubens werden, sondern müssten dynamischer werden und an die äußeren Ränder der Gesellschaft gehen, sagte er bei der Chrisam-Messe im Vatikan.

Am Gründonnerstag gibt der Papst in der Messe traditionell den Kurs für die katholische Priesterschaft weltweit vor. Seit seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche hatte Franziskus mehrfach Reformen in der Kirche und neuen Schwung angemahnt. Er kündigte bislang aber keine konkreten Reformschritte an.

Die Priester rief der Papst bei der Messe im Petersdom auf, "an die äußeren Ränder" zu gehen und das Evangelium denen zu verkünden, die "überhaupt nichts haben". "Wo es Leiden gibt, wo Blut vergossen wird, gibt es eine Erblindung, die sehen will, gibt es Gefangene so vieler schlechter Herren", sagte Franziskus unter dem Applaus der Gläubigen.

Franziskus erneuerte damit seine Mahnungen, die er wenige Tage vor seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche geäußert hatte. In einem beispiellosen Schritt hatte der kubanische Kardinal Jaime Ortega das Redemanuskript mit Genehmigung des Papstes am Dienstag veröffentlicht. Darin prangert der jetzige Papst eine "selbstbezogene Kirche" an, in der ein gewisser "theologischer Narzissmus" herrsche. Die Kirche müsse sich nicht nur den "geografischen" Grenzen, sondern auch den "Peripherien der Existenz" zuwenden, wo Schmerz und Ungerechtigkeit herrschten.

Traditionelle Fußwaschung im Gefängnis

Am Donnerstagabend hat Franziskus zudem eine Messe in einem Jugendgefängnis in Rom abgehalten. Zwölf Insassen verschiedener Nationalitäten und Religionen waren dafür ausgewählt worden, von dem argentinischen Papst die Füße gewaschen zu bekommen - nach dem Vorbild des demütigen Dienstes Jesu an seinen Jüngern vor dem letzten Abendmahl. Aus dem Gefängnis gab es keine TV-Übertragung, um die Privatsphäre der jungen Insassen zu schützen. "Einer muss dem anderen helfen, das lehrt uns Jesus und das ist das, was ich tue, es ist meine Pflicht", sagte Franziskus in der Messe, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Es komme bei ihm von Herzen, er liebe es, fügte er an.

Die Fußwaschung sei ein Symbol und ein Zeichen, sie bedeute, "dass ich zu Deinen Diensten bin". Wer höhergestellt sei, der müsse im Dienst der anderen stehen. Die Messe wurde von Jugendlichen mit Gitarrenklängen und Gesängen untermalt. Unter den zwölf jungen Häftlingen, denen Franziskus die Füße wusch, waren eine italienische Katholikin und eine serbische Muslimin. Die etwa 50 jungen Gefangenen hatten für den Papst Geschenke vorbereitet, ein hölzernes Kruzifix und eine Betbank, teilte der Vatikan mit. Franziskus brachte ihnen Ostereier und den traditionellen italienischen Osterkuchen "Colomba" mit.

Schon als Erzbischof von Buenos Aires hatte Jorge Mario Bergoglio regelmäßig zum Gründonnerstag Messen in Gefängnissen, Krankenhäusern und Altenheimen abgehalten. Das traditionelle Füßewaschen basiert auf der Überlieferung, dass Jesus vor dem letzten Abendmahl vor seiner Kreuzigung seinen Aposteln die Füße wusch.

Franziskus ernannte unterdessen auch seinen Nachfolger an der Spitze des Erzbistums Buenos Aires. Neuer Erzbischof wird Mario Aurelio Poli, der früher ein enger Mitarbeiter und Vertrauter Bergoglios war. Papst Johannes Paul II. hatte ihn 2002 zum Weihbischof von Buenos Aires ernannt, 2008 wurde er Bischof von Santa Rosa in der argentinischen Provinz La Pampa. Die Ernennung Polis zum Bischof ist die erste des neuen Papstes Franziskus.