Paris Frankreichs Parlament stimmt für Gesetz gegen Magermodels

Knochige Schultern, dürre Arme: Vielleicht bald passé auf den Laufstegen von Paris.

(Foto: dpa)
  • Auf französischen Modenschauen oder bei Fotoshootings dürfen keine Models mehr arbeiten, die einen bestimmten Body-Mass-Indes unterschreiten.
  • Die Nationalversammlung in Frankreich hat einem Gesetz zugestimmt, das untergewichtige Models künftig verbietet: Bei Verstößen drohen bis zu sechs Monate Haft und eine Strafe von 75 000 Euro. Das Gesetz muss aber noch durch den Senat.
  • Künftig müssen zudem digital bearbeitete Fotos von Models etwa in Werbeanzeigen von Zeitschriften mit dem Hinweis versehen werden, dass sie verändert wurden.

Besonders mageren Models droht in Frankreich künftig ein Berufsverbot. Die französische Nationalversammlung hat am Dienstag in erster Lesung ein umstrittenes Verbot untergewichtiger Mannequins beschlossen. Es sieht vor, dass auf französischen Modeschauen oder bei Fotoshootings künftig keine Models mehr arbeiten dürfen, die einen bestimmten Body-Mass-Index unterschreiten.

Für den von den regierenden Sozialisten eingebrachten Gesetzentwurf stimmten 311 Abgeordnete, 241 Abgeordnete stimmten dagegen. Der Gesetzestext kommt nun in den französischen Senat, das letzte Wort hat dann wieder die Nationalversammlung.

Konservative Politiker empfinden das Gesetz als Diskriminierung

Den Senat dominieren jedoch die oppositionellen Konservativen - die sehen das Berufsverbot für Mager-Models kritisch und sprechen von Diskriminierung. Die Abgeordneten hatten den Passus vor anderthalb Wochen in den Gesetzentwurf zur Gesundheitsreform aufgenommen.

Sie fürchten, dass extrem dünne Models ein falsches Körperbild vermitteln können. Wer trotz des Verbots extrem magere Models beschäftigt, dem würden bis zu sechs Monate Gefängnis und eine Strafe von 75 000 Euro drohen.

Die französische Gesundheitsbehörde muss noch einen Body-Mass-Index (BMI) - eine Kennzahl für das Körpergewicht - festlegen, der von Models nicht unterschritten werden darf. Modelagenturen in Paris, einer der Hauptstädte der internationalen Modewelt, hatten gegen das anvisierte Verbot mobil gemacht: Es sei falsch, Magersucht als seelisch bedingte Krankheit und Schlankheit von Models zu vermischen. Ähnliche Maßnahmen gibt es allerdings bereits in Spanien, Italien und Israel.

Digital bearbeitete Fotos müssen mit Hinweisen versehen werden

Künftig müssen zudem digital bearbeitete Fotos von Models etwa in Werbeanzeigen von Zeitschriften mit dem Hinweis versehen werden, dass sie verändert wurden. Verstöße werden mit Geldstrafen von 37 500 Euro bestraft.

Ein weiterer Artikel des Gesundheitsgesetzes belegt eine Anstiftung zur Magersucht etwa auf Internetseiten mit einem Jahr Gefängnis und 10 000 Euro Geldstrafe.

"Super-Hedi" und die Magermodels

Wenn Frankreich tatsächlich dürre Models per Gesetz verbietet, wird es ihn besonders treffen: "Size zero"-Erfinder Hedi Slimane. Der Kreativdirektor bei Saint Laurent machte schon Lagerfeld zum Hungerhaken. Von Dennis Braatz mehr ... Porträt