Bei der verheerenden Flutkatastrophe an den Küsten von Sri Lanka, Indien, Indonesien, Thailand, Birma, Bangladesh, Malaysia und den Malediven sind mehr als 27.000 Menschen ums Leben gekommen. Vermutlich waren auch Deutsche unter den Opfern.

Die Vereinten Nationen sprachen von einer "Katastrophe ohne Beispiel" und warnten vor einem möglichen Ausbruch von Seuchen. Weltweit wurde zu Hilfe für die verwüsteten Länder aufgerufen.

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Die Behörden auf Sri Lanka waren zunächst von 6000 Toten ausgegangen, korrigierten ihre Annahme am Montag aber auf 11.000 Opfer. Die Regierung rief den Notstand aus. In Indonesien rechnete die Regierung mit fast 10.000 Toten, Präsident Susilo Bambang Yudhoyono ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

30.000 Vermisste auf Andamanen und Nikobaren

In Indien starben offiziellen Angaben zufolge mindestens 6800 Menschen, deutlich mehr Menschen wurden zunächst noch vermisst. Allein auf der Inselgruppe der Andamanen und Nikobaren mitten im Indischen Ozean fehlte von 30.000 Menschen jede Spur. Fünf Dörfer auf den Inseln seien vollständig von den Fluten weggeschwemmt worden, sagte ein Bezirksbeamter in Port Blair.

In Thailand starben etwa 800 Menschen, unter ihnen ein Enkel von König Bhumibol. Tote und Verletzte gab es auch auf den Malediven und in Malaysia, auf den Seychellen und selbst in Ostafrika. Tausende Menschen wurden noch vermisst, Millionen verloren ihr Obdach.

Nach einem ersten Überblick sind zahlreiche europäische Touristen unter den Opfern. Das Außenministerium Sri Lankas berichtete von vier toten Deutschen. Außenminister Joschka Fischer sagte dazu, es gebe noch keine bestätigten Zahlen. Man werde alles tun, um so schnell wie möglich Klarheit zu bekommen und die Betroffenen nach Deutschland zu bringen.

Bei der Hotline des Auswärtigen Amtes (030-50001000) gingen allein am Sonntag etwa 5000 Anrufe ein. Zur Zeit der Katastrophe hielten sich nach Angaben von Reiseveranstaltern etwa 8000 Deutsche in der betroffenen Region auf. Die Veranstalter flogen mit leeren Maschinen dorthin, um Urlauber aus der Gefahrenzone zu bringen.

UN: Ein solches Ausmaß hat es noch nie gegeben

Das weltweit heftigste Beben seit 40 Jahren, dessen Stärke Wissenschaftler mittlerweile von 8,9 auf neun auf der Richterskala hochstuften, war am Sonntagmorgen mit zehn Meter hohen Flutwellen, Tsunamis genannt, über die Küsten hereingebrochen.

Das Epizentrum lag im Indischen Ozean, 110 Kilometer vor der Westküste Sumatras. Am Montag erschütterten schwere Nachbeben die Region. Wissenschaftlern zufolge könnten neue Tsunamis entstehen. Eine UN-Sprecherin in Genf sagte: "Ein solches Ausmaß hat es zuvor noch nie gegeben."

Die Seuchengefahr sei groß. Augenzeugen berichteten von Leichen an Stränden und Straßenrändern, unter Trümmern und in Baumkronen. Strom- und Kommunikationsverbindungen waren weiter unterbrochen. Das durch Leichen und Unrat verunreinigte Trinkwasser könne schlimmere Folgen haben als die Katastrophe selbst, sagte der UN-Koordinator für Katastrophenhilfe in Genf, Jan Ageland.

THW stellt Trinkwasserlabors zur Verfügung

Das Beben löste eine weltweite Hilfsaktion aus. Hunderte Helfer sowie Geräte und Medikamente wurden mit Flugzeugen auf den Weg gebracht. Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Föderation bat um Spenden in Höhe von fünf Millionen Euro. Die Bundesregierung sagte eine Million Euro und die Europäische Union drei Millionen Euro Soforthilfe zu.

Ein Erkundungsteam des Technischen Hilfswerks (THW) brach im Auftrag von Innenminister Otto Schily nach Sri Lanka auf. Innerhalb kürzester Zeit könne das THW mobile Trinkwasserlabors zur Verfügung stellen, teilte das Ministerium mit. Die Deutsche Welthungerhilfe und die "Aktion Deutschland hilft" verteilten Hilfsgüter. Weitere Organisationen stellten Geld zur Verfügung.

Wissenschaftler kritisierten fehlende Warnsysteme im Indischen Ozean. Im Pazifik überwache bereits seit 1965 das Pacific Tsunami Warning Center in Honolulu/Hawaii die Entstehung von Flutwellen und melde Gefahren an die Behörden, erläuterte Karl-Otto Zentel vom Deutschen Komitee für Katastrophenvorsorge. So seien Warnungen 20 bis 30 Minuten im Voraus möglich. Im Indischen Ozean gebe es ein solches System nicht - "obwohl es im Prinzip möglich wäre".

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(sueddeutsche.de/dpa/AP/AFP)