Nach der Katastrophe in Madrid suchen Experten in den Trümmern nach Hinweisen für die Ursache. Unterdessen wurde bekannt, dass der Außentemperaturfühler der Unglücksmaschine vor dem ersten Startversuch überhitzt war.

Die auf dem Flughafen Madrid verunglückte Spanair-Maschine hatte nach Unternehmensangaben vor ihrem Absturz Probleme mit dem Außentemperaturfühler. Das Ventil sei beim ersten Startversuch überhitzt gewesen, sagte Firmensprecher Javier Mendoza.

Bild vergrößern

Das ausgebrannte Heck des Spanair-Fliegers: Experten durchsuchen nun die Trümmer nach Hinweisen auf die Absturzursache. (© Foto: dpa)

Anzeige

Laut Spanair trat das Problem unterhalb des Cockpits auf. Techniker schalteten den Messfühler daraufhin aus. Zwar ist der Ausfall eines Triebwerkes ausgerechnet beim Start für Piloten eine außergewöhnliche Situation, doch Experten zufolge kann die MD-82 notfalls auch mit nur einem Motor fliegen.

Doch auch beim zweiten Versuch ging etwas schief - diesmal mit tödlichen Folgen. Die spanische Zeitung El País berichtete, ein Triebwerk der zweistrahligen Maschine sei ausgefallen und könnte beim Start Feuer gefangen haben. Zeugen berichteten zudem, dass das linke Triebwerk explodiert sei und kurz vor dem Absturz gebrannt habe.

Am Mittwoch war das Flugzeug der Gesellschaft Spanair unmittelbar beim Start über die Landebahn hinausgeschossen, zerschellt und ausgebrannt. Nach Medienberichten hatte ein Triebwerk Feuer gefangen. Bislang sind 153 Menschen bei dem Unglück ums Leben gekommen.

Spanair: Werden weiter Maschinen des Typs MD-82 einsetzen

Experten durchsuchen unterdessen weiter die Trümmer nach Ursachen für die Katastrophe. Beide Flugschreiber würden derzeit analysiert, sagte Spaniens Infrastrukturministerin Magdalena Alvarez heute.

Die spanische Fluggesellschaft Spanair kündigte indes an, sie werde weiter mit Maschinen des Typs MD-82 fliegen. "Wir beobachten die Bilanz des Unfalls genau, aber sehen derzeit keinen Grund für einen solchen Schritt", sagte Mats Jansson, der Chef der Spainair-Muttergesellschaft SAS, als er am Donnerstag in Madrid auf einen Rückzug der MD-82-Maschinen angesprochen wurde.

Mehr als die Hälfte der Spainair-Flotte besteht aus Flugzeugen der 80er-Serie von McDonnell Douglas. Zu Auswirkungen des Flugzeugabsturzes für die Zukunft von Spanair äußerte sich Jansson nicht. SAS hatte lange vergeblich versucht, die unter roten Zahlen leidende Spanair zu verkaufen. Im Juli hatte sie drastische Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen bei den Spaniern angekündigt.

Nach einem Bericht der spanischen Zeitung El Mundo bemühten sich die Spanair-Chefs auf der Pressekonferenz, die harsche Kritik der spanischen Pilotenvereinigung Sepla an dem Unternehmenzu entkräften: Für die ganze Firma stehe die Sicherheit der Airline an erster Stelle, sagten die Airline-Chefs.

Javier Navas, Sprecher der Sepla, hatte die Fluglinie zuvor wiederholt scharf für ihre Sparpolitik kritisiert. Es fehle an Besatzung und adäquaten Wartungsmaßnahmen, deshalb wäre es bereits zu vielen Verspätungen gekommen, sagt Navas bereits im April diesen Jahres zu El Mundo. Er führte später aus, dass Piloten teils sogar Funktionen von Technikern übernehmen müssten.

Seine Aufzeichnungen legen demnach nahe, dass die Piloten mit extremen Arbeitsbelastungen zurecht kommen mussten. Dennoch wollte Navas auf Anfrage der Zeitung keinen direkten Zusammenhang zum Unglück herstellen. Nach seiner Ansicht handele es sich bei der McDonnell Douglas MD-82 um einen sicheren Maschinentypus.

Die Piloten der Unglücksmaschinie nahm er ausdrücklich in Schutz: "Das Personal wurde gekürzt, im Catering, aber nie bei der Sicherheit. Das hätten wir nie akzeptiert, ein Pilot stimmt nie zu ein Flugzeug zu fliegen, bei dem nicht alle Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt wurden."

Spanair hat Sicherheitscheck im Vorjahr bestanden

Unterdessen wurde bekannt, dass sich Spanair erst zu Beginn des vergangenen Jahres einer umfangreichen Sicherheitsprüfung unterzogen hat. Bei der nach den Kriterien des Weltluftfahrtverbands IATA durchgeführten Untersuchung wurden alle Verfahren und Prozesse geprüft, die direkt oder indirekt Einfluss auf die Flugsicherheit haben.

Ein erfolgreicher Test ist Voraussetzung für eine Aufnahme in die Star Alliance, das Luftfahrtbündnis der Lufthansa. Spanair ist seit 2003 Mitglied in dem Zusammenschluss.

Bei Sicherheitscheck (IOSA-Zertifizierung) im Jahr 2007 wurden unter anderem die Wartung sämtlicher Systeme, sowie der gesamte Flugbetrieb und der Frachttransport überprüft. Spanair habe dabei über 900 Anforderungen erfüllt, geht aus einer Pressemitteilung der Airline hervor. Die festgelegten Standards werden zudem laufend kontrolliert und alle zwei Jahre von einer unabhängigen Firma überprüft.

Vorgenommen hatte die Prüfung die von der IATA anerkannte deutsche Firma Aviation Quality Services (AQS), eine Tochter der Deutschen Lufthansa. Lufthansa und AQS wollten sich am Donnerstag nicht dazu äußern.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(AFP/AP/Reuters/grc/hai)