Nach dem Albtraum von Madrid wird nach Erklärungen für den Flugzeugabsturz gesucht. Zwar ist Fliegen heute sicherer als je zuvor. Trotzdem kann nach wie vor jeder Fehler eine Katastrophe bedeuten.
Wenn der Albtraum wahr wird, sucht der Mensch nach Erklärungen. So schnell wie möglich muss ein Schuldiger her, eine Ursache gefunden werden für die Katastrophe, damit das Entsetzen jenem Aktionismus weichen kann, der das Unfassbare für die Zukunft zu verhindern versucht.
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Derzeit alles unklar: Eine Maschine des Lufthansa-Partners Spanair (© Foto: Reuters)
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Stürzt ein Flugzeug ab, wie jetzt die Maschine des Lufthansa-Partners Spanair in Madrid, haben Beobachter meist schnell eine Erklärung zur Hand: Die Fluggesellschaft muss an Wartung und Sicherheit gespart haben. Bei notorisch klammen Ferienfliegern könne das ja gar nicht anders sein.
Die Sehnsucht nach einfachen Antworten ist verständlich. Doch oft wird sie nicht gestillt. Meistens erweisen sich bei Flugzeugabstürzen die ersten Annahmen als falsch. Die wirklichen Ursachen finden die Unfalluntersucher oft erst nach jahrelanger Detailarbeit heraus - und manchmal müssen die Angehörigen der Opfer damit leben, dass sie den Grund eines Absturzes nie erfahren. Auch im Falle Spanair ist derzeit alles unklar. Eine Reparatur vor dem Start, wie in Madrid geschehen, ist nichts Ungewöhnliches.
Wer jetzt ins Flugzeug steigt, die Bilder der verkohlten Maschine noch im Kopf, sollte sich bewusst machen: Das Flugzeug ist heute neben der Bahn das sicherste Verkehrsmittel überhaupt. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Unfallrate halbiert. Dennoch wird es trotz aller Fortschritte bei Technik und Training immer wieder Abstürze geben, weil Menschen Fehler machen und Technik versagen kann.
Traditionsreiche Fluggesellschaften trifft dies genauso wie Billig-Airlines. Auch die berühmte British Airways und die Air France hatten vor nicht langer Zeit schwere Unfälle, bei denen die Passagiere nur mit viel Glück unverletzt blieben. Zuletzt musste eine Maschine der Vorzeige-Gesellschaft Qantas notlanden.
Die Unternehmen dürfen sich aber auch nicht auf dem Erreichten ausruhen. Es kommt vor allem darauf an, dass die Fluggesellschaften nie in dem Bemühen nachlassen, größtmögliche Sicherheit zu garantieren. Probleme können entstehen, wenn es das Management hier bei Lippenbekenntnissen belässt, Mitarbeiter und Organisation aber unter zu großen Leistungsdruck setzt.
Sparprogramme verunsichern und belasten die Beschäftigten, was tatsächlich auch Auswirkungen auf die Sicherheit haben kann. Allerdings verlieren Fluggesellschaften ihre Existenzberechtigung, wenn sie keinen sicheren Betrieb gewährleisten. Jeder Manager der Branche weiß das.
Immer sichereres Fliegen ist derzeit jedoch noch ein Privileg Europas und Nordamerikas. In Afrika, wo es an Geld, Infrastruktur, Training und Aufsicht fehlt, ist das Risiko im Flugverkehr statistisch sechsmal größer als hierzulande. Indonesien hat ebenfalls eine haarsträubende Reihe von Abstürzen hinter sich, die auf strukturelle Probleme hindeuten. Trotzdem müssen auch die europäischen Airlines mit viel Einsatz und Geld die Sicherheit jeden Tag neu erarbeiten.
- Flugzeugkatastrophe in Madrid Fünftes deutsches Todesopfer identifiziert 22.08.2008
- Flugzeugunglück in Madrid Spanair-Maschine hatte Probleme mit Messfühler 21.08.2008
- Flugzeugunglück in Madrid Spurensuche nach der Katastrophe 21.08.2008
- Korrespondentenbericht zu Madrid "Das Land steht unter Schock" 21.08.2008
- Chronik Schwere Flugzeugunglücke 20.08.2008
(SZ vom 22.08.2008/aho)
Reaktorsicherheit
Kann es sein, dass der Autor ein wenig das Thema verfehlt hat. Jedenfalls sagt mir der Kommentator gar nichts. Es würde eine Reihe Themen zur Flugsicherheit geben, die es wert wären, kommentatorsich unter die Lupe genommen zu werden. Schade, Fehlanzeige.
Na Zensur,
Kritiker mundtot machen?
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iloten protestierten vor Jet-Absturz gegen Sparkurs
Aus Madrid berichtet Andreas Klinger
Überlastung des Personals, permanenter Druck, Missachtung der Vorschriften: Die Pilotengewerkschaft hat unmittelbar vor der Tragödie von Madrid gegen die Arbeitsbedingungen bei Spanair protestiert, wie jetzt bekannt wurde. Erstmalig äußern sich nun auch Überlebende des Unglücks.
Madrid - Die Wut der Piloten entlud sich am Mittwoch um 12.13 Uhr - nur 152 Minuten bevor Spanair-Flug JK 5022 auf einem Feld kurz hinter der Madrider Startbahn zerschellte und in Flammen aufging. Die Gewerkschaft der Flugkapitäne, die Sepla, verbreitete am Mittag eine Protestnote: Bei Spanair herrsche "Organisationschaos", das Management überlaste die Besatzungen massiv. Seitens der Geschäftsführung werde "permanenter Druck" ausgeübt, damit "Crews und Wartungspersonal die Normen missachten, inklusive der vorgeschriebenen Ruhezeiten".
... spiegel.de
......überschlagen sich bei der Berichterstattung eines Flugzeugunglücks weltweit, ist in Ordnung. Was wäre aber, wenn auch von jedem Verkehrsunfall auf den Strassen mit Todesfolge weltweit berichtet würde? Es sind täglich tausende Unfälle, die aber meistens nur in der Lokalberichterstattung erscheinen........
Paging