Flugzeugabsturz in Tirol Neuer Todesfall nach Kritik an Red Bull

Die BD-5J ist eines der kleinsten Düsenflugzeuge der Welt. Hier ein Archivbild von 2011.

(Foto: Red Bull)

Welche Mitschuld trägt Red Bull am Tod seiner Stuntleute? Erst am Montag stellte eine ARD-Dokumentation diese Frage. Zwei Tage später stirbt ein Konzern-Pilot in seinem Microjet. Er will noch auf der Inntal-Autobahn notlanden, doch es ist zu spät.

Für acht Euro Eintrittsgeld konnten die Besucher des "Fullgas Tags" im Zillertal am Maifeiertag die wohl "benzinreichste Ausstellung" Österreichs erleben, "eine riesige Boxengasse für Tausende Pferdestärken" und "spektakuläre Shows". Für einen der Piloten war es die letzte Show. Sein Spezialflugzeug für eine Flugvorführung stürzte auf dem Rückweg vom Zillertal ab, der Pilot starb. Guido G., ein Flugverrückter aus Deutschland, Pilot und Stuntman. Unter Vertrag war er bei Lufthansa - und bei Red Bull.

Am Mittwochnachmittag holt der 38-jährige die Bede BD-5, eines der kleinsten Düsenflugzeuge der Welt, aus dem Hangar am Salzburger Flughafen, in dem Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz seine Sammlung spektakulären Fluggeräts ausstellt. Gegen 15:50 Uhr meldet der erfahrene Pilot technische Probleme beim Tower des Flughafens Innsbruck. Er werde eine Notlandung versuchen, womöglich auf der Autobahn A 12. Die Inntal-Autobahn wird daraufhin kurzzeitig komplett gesperrt.

Doch die Landung gelingt nicht. In der Tiroler Gemeinde Baumkirchen kracht das 3,80 Meter kurze Flugzeug zu Boden. "Ich war auf dem Weg nach Hause - mit dem Auto. Das Flugzeug drehte noch eine Runde und steuerte direkt auf mein Haus zu", berichtet eine Augenzeugin der Kronen Zeitung. "Davor stürzte es ab, etwa 20 Meter von der Nachbarsfamilie entfernt, die gerade spazieren ging."

"Das Luftfahrzeug wurde total beschädigt und der Pilot, der sich alleine im Flugzeug befand, kam dabei ums Leben", heißt es in dem Polizeibericht. Die genaue Unfallursache wird noch untersucht. Der Red-Bull-Flieger, vielfacher Meister im Drachenkunstfliegen und mit 17 Jahren einst Deutschlands jüngster Hubschrauberpilot, soll über den Microjet, der einst im Bond-Film "Octopussy" zu sehen war, gesagt haben: "Der Spaß, den man mit diesem Gerät in der Luft haben kann, ist unlimitiert." So zitiert ihn zumindest die Kronen Zeitung.

Red Bull bestätigt den Tod des Piloten: "Guido war über viele Jahre bei den Flying Bulls nicht nur als exzellenter Pilot hoch respektiert, sondern vor allem als großartige Persönlichkeit", heißt es auf der Webseite. "Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten in diesen Stunden seiner Familie und seinen vielen Freunden."

Das Unglück ereignete sich nur zwei Tage, nachdem die ARD eine Dokumentation mit dem Titel "Die dunkle Seite von Red Bull" zeigte. Der Film widmet sich Todesfällen von Red-Bull-gesponsorten Extremsportlern und stellt offensiv die Frage nach der Mitschuld des milliardenschweren Lifestyle-Konzerns.

Seit vielen Jahren sponsert das Mateschitz-Imperium neben etablierten Sportarten wie Formel 1 und Eishockey auch Extremsportler und Stuntleute. Immer wieder sorgen Aktionen wie der Stratosphären-Sprung von Felix Baumgartner weltweit für Aufsehen.