Ein Pilotenfehler ist wohl für das Flugzeugunglück in Sao Paulo mit fast 200 Toten verantwortlich. Ein Protokoll
Offenbar hat ein Pilotenfehler zu der Katastrophe auf dem Flughafen Congonhas geführt. Das schließen die Ermittler aus der Position des Hebels in der Steuerungseinheit für die Triebwerke, die in den Trümmern gefunden wurde. Der Hebel für das rechte Triebwerk stand auf "Steigen" statt - wie bei Landungen nötig - im Leerlauf.
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Am Mittwoch wurden die Tonaufzeichnungen der letzten Sekunden im Cockpit bekannt, die belegen, dass es auch technische Probleme gab. Die Untersuchungskommission des Parlaments zögert deshalb, den Piloten alleine die Schuld zu geben. So landete das Flugzeug mit nur einer Schubumkehr, Bremsklappen funktionierten offenbar nicht richtig.
Auch ein Fehler des Bordcomputers wird nicht ausgeschlossen. Zudem waren auf der Landebahn von Congonhas die Ablaufrillen für Regenwasser noch nicht hergestellt. Nach den Aufzeichnungen des Stimmrekorders machte die Besatzung bei der Landung auf mögliche Probleme aufmerksam:
Pilot 1: Denken Sie dran, wir haben nur eine Schubumkehr.
Pilot 2: Ja, wir haben sie nur auf der linken Seite.
Tower: Drosseln Sie die Geschwindigkeit, so stark Sie können.
Die Piloten erkundigen sich nach dem Zustand der Landebahn.
Tower: Sie ist nass und noch rutschig.
Man hört lautes Motorengeräusch, das Flugzeug setzt auf.
Pilot 1: Nur Schubumkehr eins. Bremsklappen nichts.
Pilot 2: Sieh dir das an! Brems ab! Brems ab!
Pilot 1: Ich schaff's nicht, ich schaff's nicht. Oh mein Gott, oh mein Gott!
Pilot 2: Geh! Geh! Dreh! Dreh! Dreh!
Rumpeln im Cockpit, Stimmengewirr, Schreie.
Tower: Oh nein!
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
(SZ vom 3.8.2007)
Bundespräsident Gauck in Israel
Ich stimme meinem Vorposter zu.
Ich habe etwa 2 Dutzend Starts und Landungen auf Congonhas hinter mir. Bei jedem Wetter. Dabei waren 2 Landungen ziemlich kritisch. Je nach Lage muß der Pilot vor dem Aufsetzen entscheiden, ob es geht oder nicht. Haben die Räder die Piste erst mal berührt, geht Durchstarten nur noch mit hohem Risiko.
Ich denke, das Desaster war eine Mischng aus Schlamperei, technischen Problemen und -eben airbustypische Computerfehler.
Ich vertraue eher einem brasilianischen Piloten, als einem Computerprogramm! Das heißt für mich in dem Fall, der Pilot ist das Bauernopfer.
Nicht mehr und nicht weniger.
(mein gerade abgeschickter Kommentar ging irgendwoe verloren, also hier nochmal)
Der Artikel liegt m.E. falsch oder ist zumindest oberflächlich und einseitig. Auch der Vorkommentator irrt. Erstens spricht man in Brasilien Portugiesisch und nicht Spanisch, und "rotate" ist Englisch. Was der Pilot sagte, war "Vira!", das wird hier in Brasilien von Experten als Versuch interpretiert, die Maschine in die weiche Grasbahn zu lenken, wo das Fahrwerk abscheren und die Maschine verlangsamt würde.
Zweitens hat die Untersuchung der Blackbox lediglich ergeben, dass das System für den rechten Schubhebel "Vollast" (also durchstarten) MELDETE, für den linken aber "Leerlauf" also bremsen. Es gibt keinen Hinweis dafür, dass der Pilot die Schubhebel WIRKLICH so bedient hatte und auch keinerlei Zeichen für einen vom Piloten versuchten Durchstart, im Gegenteil, er versuchte bis zuletzt irgendwie zu bremsen, was der Bordcomputer aber verhinderte, da er die vermutlich falsche Information "Durchstarten!" als Basis für die dann fatale Blockade der Bremsmanöver nahm. Es erscheint wenig plausibel, dass ein erfahrener Pilot, der 20 Sekunden lang erfolglos eine Maschine zu bremsen versucht, deren eine Turbine auf Vollast läuft, nicht als erstes die Schubhebel zurück reisst. Das sieht viel eher nach einem "Lockout" aus, d.h., der Bordcomputer verhinderte die Bremsung. Eine ähnliche Situation unter umgekehrtem Vorzeichen gab es bereits bei einem Airbus, als der Pilot in letzter Sekunde Durchstarten wollte und der Computer die dazu nötigen Befehle blockierte, da er im Programm "Landung" war (Resultat: Absturz). Dieses Problem hat Airbus später gelöst. Es bleibt aber die unbehagliche Situation, dass normalerweise der Sicherheit dienende Programme u.U. eine Katastrophe auslösen können, wenn etwa ein Fehler in elektronischen Melde- oder Regelelementen auftritt.
Habe zwar nur eine Privatpilotlizenz, erlaube mir aber doch, den Artikel etwas zu kommentieren, auch wenn mein Spanisch zudem schlecht ist:
"Rotate", also "dreh" ist normalerweise das Wort das man spricht, wenn im normalen Start die Geschwindigkeit zum abheben erreicht ist. Man zieht also die Nase hoch. "Go around" sagt man normalerweise in Englisch [was auch immer das in Spanisch sein mag] fuer "durchstarten". In jedem Fall die richtige Strategie, wenn man erkennt, dass die Bahn zu kurz wird. Dann muss man aber - ausser dem Gashebel nach vorn - auch noch die Klappen etwas einziehen etc.
Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Piloten anscheinend die Situation richtig eingeschaetzt haben, das richtige beabsichtigt haben, aber ..in der Eile oder wegen zusaetzlicher technische Probleme [nur eine Schubumkehr] ..dann nicht in der Lage waren, die entsprechende Aktion vollstaendig & richtig auszufuehren. Die Schubumkehr zu aktivieren bzw zu deaktivieren kostet Zeit und Konzentration ..und sie hat vielleicht nichts getan, ausser die Konzentration zu beeintrachtigen.
Bedauerlich, und wahrscheinlich ein Frage von Zehntelsekunden.
Mein Mitgefuehl mit den Piloten, den Passagieren und deren Angehoerigen.
Kann man ausschließen dass sich der Hebel nicht durch den Crash nachträglich anders bewegt hat, als der Pilot es eingestellt hatte? Bei dem Unfall war so einiges nicht mehr da, wo es vorher mal war...
Aber für die Betreiber wär ein Pilotenfehler ja äußerst praktisch. Sie können den Flughafen wieder freigeben und müssen nicht in mehr Sicherheit investieren.