Nach dem Absturz einer Boeing 737 läuft die Ursachenanalyse auf Hochtouren. Ein deutscher Passagier hatte Glück im Unglück..

Nach dem Absturz einer türkischen Passagiermaschine bei Amsterdam mit neun Toten und 86 Verletzten halten immer mehr Luftfahrtexperten einen Ausfall der Triebwerke für wahrscheinlich. Allerdings blieb am Donnerstag zunächst unklar, was die konkrete Ursache für das Unglück gewesen sein könnte.

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Glück im Unglück: Eine Passagierin neben der zerstörten Boeing 737 an der Absturzstelle bei Amsterdam. Andere Reisende kämpfen mit dem Tod. (© Foto: Reuters)

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Unter den Überlebenden des Absturzes einer türkischen Passagiermaschine bei Amsterdam ist auch ein Deutscher. Der Mann hatte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa Glück im Unglück. Der Bundesbürger wurde nur unwesentlich verletzt und musste nicht stationär in einem Krankenhaus behandelt werden.

Unterdessen waren Fachleute intensiv mit der Auswertung der vom Stimmrekorder aufgezeichneten Cockpit-Gespräche beschäftigt. Auch die Untersuchung der Wrackteile der Boeing 737-800 ging weiter. Die Flugschreiber wurden bereits zur Analyse nach Paris gebracht, wie Fred Sanders erklärte, Sprecher der niederländischen Sicherheitsbehörde. Das werde wohl mehrere Tage dauern. "Ein weiteres Ermittlerteam ist am Absturzort und sammelt Informationen."

Bei dem Absturz über einem Acker nahe des Flughafens Schiphol wurden am Mittwoch auch die beiden Piloten und ein Pilot in der Ausbildung getötet. 125 Menschen überlebten den Absturz, sechs von ihnen allerdings mit lebensbedrohlichen Verletzungen.

Experten der nationalen Einrichtung für Luftfahrtsicherheit gehen bislang davon aus, dass die Maschine beim Landeanflug nicht genügend Leistung brachte. Denkbar sei ein Versagen der Triebwerke, aber auch ein "instabiler Landeanflug", hieß es in einer Mitteilung der staatlichen Einrichtung. Beides könnte nach Angaben der niederländischen Pilotenvereinigung sowohl auf Fehler der Crew als auf technisches Versagen zurückzuführen sein. "Es könnte sein, dass (beim Landeanflug) nicht genügend Schub gegeben wurde", sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung, Hans Tettero.

Kein Funkspruch aus dem Cockpit

"Wahrscheinlich ist etwas mit den Antrieben schiefgegangen", sagte der Experte Michel van Tooren von der Technischen Universität Delft. Experten schlossen nicht aus, dass der Pilot wegen technischer Probleme auf dem Feld notlanden wollte. Einen entsprechenden Funkspruch gab es jedoch nicht.

Die Piloten könnten von dem Absturz beim Landeanflug also völlig überrascht worden sein. Der Kapitän meldete der Flugkontrolle keinerlei Probleme, als er sich kurz vor dem Absturz Landeerlaubnis erteilen ließ. Das geht aus den inzwischen teilweise veröffentlichten Aufzeichnungen des Funkverkehrs vor dem Absturz hervor. Die Erkenntnisse bestärken Experten in der Vermutung, dass die Boeing durch einen plötzlichen Ausfall der Triebwerke abstürzte. Die Untersuchungen sollen noch mehrere Tage andauern.

Ein Sprecher der Turkish Airlines in Istanbul erklärte, der dritte Pilot im Cockpit habe ein Training erhalten. Olgay Özgür, 29, sei aber bereits seit 2004 im Besitz einer Pilotenlizenz gewesen. Zuvor war spekuliert worden, dass er die Maschine geführt haben könnte.

Kampf um schwerverletzte Opfer

Dass so viele Menschen das Unglück überlebten, grenzt nach den Worten des türkischen Verkehrsministers Binali Yildirim an ein "Wunder". Dies könne daran gelegen haben, dass die Maschine aus niedriger Höhe abstürzte, auf einem aufgeweichten Feld aufschlug und nicht in Brand geriet. Zur Ursache des Absturzes gebe es noch keine wesentlichen Erkenntnisse, sagte der Leiter der Untersuchung, Pieter van Vollenhoven. In einem Fernsehinterview äußerte sich auch der Experte "sehr überrascht" darüber, dass es nicht noch mehr Tote gegeben habe.

Es hätte noch viel schlimmer kommen können, dennoch schweben mehrere Passagiere in Lebensgefahr: Die Ärzte kämpfen um die Opfer, die bei dem Absturz am schwersten verletzt wurden. Am Donnerstag galt der Zustand von sechs Menschen noch als lebensbedrohlich.

Die drei Piloten im Cockpit seien durch eine beim Aufprall auf den Boden herausbrechende Instrumententafel erschlagen worden. Die Maschine war auf einen Acker unweit des Flughafens Schiphol und der Autobahn A9 gestürzt. Das Flugzeug brach in drei Teile. Die Triebwerke wurden abgerissen, wobei eines weit von der Maschine weggeschleudert wurde.

Mittlerweile sind Dutzende Verwandte der Unglücksopfer aus der Türkei eingetroffen, die bei der Identifizierung helfen sollen. Ein Sonderflug aus Istanbul landete am späten Mittwochabend mit insgesamt 67 Familienmitgliedern an Bord auf dem Flughafen Schiphol, wie ein Flughafensprecher mitteilte. Diese würden, abgeschirmt von den Medien, von Psychologen und Ärzten betreut.

Die niederländische Königin Beatrix sprach den Angehörigen der Toten ihr tief empfundenes Beileid aus. Auch Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende kondolierte - ebenso wie Tausende Menschen, die auf einer eigens eingerichteten Website Trauer und Bestürzung bekundeten.

Bei einem Besuch der Unglücksstelle lobte Balkenende den "professionellen Einsatz" aller Rettungskräfte. Dadurch seien viele Menschen in sehr kurzer Zeit aus den Trümmern des Flugzeugs geborgen und die Verletzten sehr schnell in Krankenhäuser gebracht worden.

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(dpa/AFP/AP/grc)