Das Mittelmeer, ein Massengrab: Vor der Küste Libyens ist ein Boot mit 365 Flüchtlingen an Bord gekentert - die Hoffnung auf Überlebende schwindet.
Nach dem Untergang eines Flüchtlingsbootes haben die Behörden an der libyschen Küste bislang rund 100 Leichen geborgen. Man gehe davon aus, dass sie zu den etwa 365 Flüchtlingen gehörten, deren Boot in der Nacht zum Sonntag gekentert sei, hieß es in Behördenkreisen.
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Zurück an Land: Ein libyscher Polizist verteilt Essen unter den Flüchtlingen. Die Menschen werden nun in Lagern in der Nähe von Tripolis festgehalten. (© Foto: Reuters)
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Nur wenige Menschen hatten das Unglück überlebt. Es wird daher vermutet, dass die tatsächliche Zahl der Toten bei mehr als 300 liegen wird. Das gekenterte Boot hatte eigentlich nur für 75 Personen Platz. Es war eines von vier Schiffen, das auf dem Weg von Libyen nach Italien war. Die Boote starteten von Sidi Belal nahe der Hauptstadt Tripolis aus. Die bislang geborgenen Leichen wurden nach Angaben der Behörden westlich von Tripolis angeschwemmt.
Zunächst war das Schicksal der anderen Boote unbekannt, es hieß, mehrere Flüchtlingsboote seien gekentert. Allerdings ging für die anderen Schiffe die Überfahrt glimpflicher aus. Eines mit 350 Menschen an Bord war in Seenot geraten, die Passagiere wurden aber von der libyschen Küstenwache gerettet. Ein weiteres hat nach Angaben aus libyschen Behördenkreisen Italien erreicht und das vierte sei auf dem Weg nach Malta.
Bei den Flüchtlingen handelt es sich den Angaben zufolge um Somalier, Nigerianer, Eritreer, Algerier, Marokkaner, Kurden, Tunesier und Palästinenser. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf hatte erklärt, die in Libyen gestarteten Flüchtlinge seien zum Zeitpunkt des Unglücks schon zu weit auf See gewesen, um noch an Land schwimmen zu können. An Bord habe es keinerlei Rettungsgeräte gegeben.
UN-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres hatte sich betroffen gezeigt und darauf verwiesen, dass derzeit die "Schmuggel-Saison" am Mittelmeer beginne. UN-Experten seien unterwegs, um die Flüchtlinge zu befragen. Sie wurden nach Libyen zurückgeschickt und werden nun in Lagern in der Nähe von Tripolis festgehalten.
Nach IOM-Angaben waren von Sonntagabend an von Libyen aus eine große Zahl von Flüchtlingen in See gestochen. Einige davon hätten Italien erreicht, einige seien abgefangen und zurück nach Libyen gebracht worden. Für viele wiederum endete die Hoffnung auf ein besseres Leben tödlich, sagte eine IOM-Sprecherin. "Wir werden niemals genau erfahren, wie viele Menschen auf hoher See unterwegs waren, weil nie alle Leichen gefunden werden."
Der Organisation zufolge leben in Libyen bis zu 1,5 Millionen illegale Flüchtlinge vor allem aus Westafrika und den Ländern am Horn von Afrika wie Somalia und Äthiopien. Viele von ihnen wollen nach Europa.
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(Reuters/hai)
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