Tagelang konnten 150 Immigranten nicht an Land, weil sich Italien und Malta über ihre Aufnahme stritten. Jetzt hat Italien nachgegeben.

Neues Flüchtlingsdrama im Mittelmeer: Etwa 140 von einem Container-Schiff gerettete Immigranten konnten tagelang nicht an Land, weil Italien und Malta über ihre Aufnahme stritten.

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Sudanesische Bootflüchtlinge warten 2004 auf der "Cap Anamur" in Porto Empedocle auf Sizilien. Der Fall der Pinar erinnert an das deutsche Schiff. (© Foto: dpa)

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Am Sonntagabend gab Rom nach, die Bootsflüchtlinge werden in Italien aufgenommen, wie das Außenministerium mitteilte. Das türkische Schiff Pinar hatte die Flüchtlinge am Donnerstag an Bord genommen.

Es wartete seitdem nahe der italienischen Insel Lampedusa darauf, einen Hafen anlaufen zu dürfen. Das Schiff soll jetzt Sizilien ansteuern. Die Flüchtlinge waren Opfer eines diplomatischen Tauziehens zwischen Rom und La Valletta. Malta beharrte darauf, dass das Schiff den nahe gelegenen Hafen von Lampedusa anläuft.

Italien dagegen hielt Malta für zuständig für die Rettungsaktion. Das Außenministerium in Rom hatte Brüssel aufgefordert, auf eine "rasche Lösung" im Streit zwischen den beiden Ländern der Europäischen Union hinzuarbeiten.

"Die Lage an Bord ist schlimm, hier sind barfüßige Menschen, sie haben nichts zu essen und wollen festes Land unter den Füßen haben", berichtete Franco Viviano von der Zeitung La Repubblica von Bord der Pinar.

Die Flüchtlinge, darunter schwangere Frauen, seien jetzt zehn Tage auf dem Meer. "Die beiden Ärzte hier sagen, dass die Lage nicht unter Kontrolle zu bringen ist, diese Menschen nicht auf dem Schiff behandelt werden können", berichtete der Augenzeuge über Funk.

Während die per Hubschrauber zu dem Schiff geflogenen Ärzte sich um die Flüchtlinge kümmerten, verschlechterte sich die Wetterlage bei Lampedusa. Die hygienischen Bedingungen an Bord sind Berichten zufolge prekär, der türkische Kapitän befürchte eine Epidemie.

Der Fall der Pinar erinnert an das deutsche Schiff Cap Anamur, das 2004 im Mittelmeer in internationalen Gewässern 37 Flüchtlinge aufgenommen hatte. Es musste 21 Tage warten, bis es nach einem Streit über die Zuständigkeit Porto Empedocle auf Sizilien ansteuern konnte.

Tausende treten die gefährliche Überfahrt an

Unterdessen sind am Samstag mehr als 350 Flüchtlinge in zwei Booten auf Sizilien gelandet. Begleitet von der italienischen Küstenwache erreichten 302 Menschen den Hafen von Pozzallo im Süden der Insel. 54 kamen am Strand von Licata an. Erst am vergangenen Donnerstag hatten mehr als 340 Immigranten Lampedusa erreicht. Jedes Jahr treten Tausende von Nordafrika aus die gefährliche Überfahrt an.

In Castel Volturno bei Neapel demonstrierten am Samstag mehrere tausend afrikanische Einwanderer gegen Rassismus und Diskriminierung in Italien. Sie forderten "Aufenthaltsgenehmigungen für alle" und wandten sich gegen die ihrer Meinung nach zu harte italienische Einwanderungspolitik. In dem Ort waren vor sieben Monaten sechs Immigranten im Kugelhagel der neapolitanischen Camorra gestorben.

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(dpa/segi)