Flüchtlinge auf Kos Eine Insel fühlt sich alleingelassen

Gestrandet auf der Ferieninsel

Erschöpfte Flüchtlinge neben sonnenbadenden Touristen. Kinder, die nachts in Schlauchbooten über das Meer fahren: Bilder von der Fluchtroute zwischen Bodrum und Kos. mehr... Bilder
  • Hunderte Flüchtlinge setzen jede Nacht mit Booten aus dem türkischen Bodrum auf die griechische Insel Kos über.
  • Am Wochenende kam es zu Ausschreitungen unter den Flüchtlingen, jetzt hat sich die Lage beruhigt.
  • Die Menschen in Kos-Stadt sind überwiegend hilfsbereit, verteilen Wasser und Essen. Gleichzeitig macht sich Verzweiflung breit.
Von Christoph Cadenbach, Kos

Die aktuelle Situation auf der Insel

Der Großteil der Insel bekommt von den Flüchtlingen kaum etwas mit. Die Menschen kommen in den frühen Morgenstunden mit ihren Booten an den Stränden von Kos-Stadt im Nordosten der Insel an. Dort stehen sie in langen Schlangen vor der Polizeistation, wo sie sich registrieren lassen können. Viele Syrer warten im Hafen vor der Fähre, die nun als Übergangsquartier zur Verfügung gestellt wurde. Im Vergleich zum Wochenende, als sich Tausende Flüchtlinge an der Strandpromenade drängten, ist die Lage jetzt vergleichsweise ruhig. Trotzdem befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand.

Die Lage der Flüchtlinge

Mehrere Hundert Flüchtlinge kommen jeden Tag auf der Insel an, meist zwischen vier und fünf Uhr morgens. Sie nutzen die Dunkelheit, in der sie weniger leicht entdeckt werden, für die Überfahrt. Zwischen dem türkischen Bodrum und der griechischen Insel Kos liegen etwa fünf Kilometer. Fährt man in den Morgenstunden zu den Stränden von Kos-Stadt, kommen einem auf der Straße Dutzende Menschen entgegen. Je näher man der Küste kommt, umso mehr Schwimmwesten liegen am Straßenrand. An den Stränden liegen dann Schwimmwesten in Stapeln übereinander, dazwischen hier und da ein kaputtes Boot.

An der Strandpromenade von Kos-Stadt und am Strand schlafen viele Flüchtlinge in Zelten. Ihre Tage verbringen sie mit Warten - auf die Registrierung und auf die Weiterfahrt ans griechische Festland. Wasser und Nahrung sind nach dem Wochenende wieder ausreichend vorhanden. Manche Flüchtlinge kann man erst beim zweiten Hinsehen von Urlaubern unterscheiden.

Hunderte Flüchtlinge kommen täglich auf der Ägäis-Insel Kos an.

(Foto: AP)

Was die Einheimischen dazu sagen

Die Leute in Kos-Stadt sind überwiegend hilfsbereit, verteilen Wasser und Essen. Gleichzeitig macht sich Verzweiflung breit. Denn wo Flüchtlinge campieren, bleiben die Urlaubsgäste aus. Viele Geschäftsleute kritisieren die Stadtverwaltung, die Regierung, die EU, weil sie sich alleingelassen fühlen. Die kleine Insel ist mit der Situation überfordert.

Wenn Touristen auf Flüchtlinge treffen

Die meisten Touristen auf Kos verbringen ihren Urlaub in großen Hotelkomplexen und bekommen gar nicht besonders viel mit von den Flüchtlingen, die in der Inselhauptstadt ankommen. Viele zieht es aber doch nach Kos-Stadt, einige machen dann Fotos von den campierenden Syrern, Afghanen, Eritreern. Andere, die erst vor Kurzem angereist sind, haben von zu Hause Kleidung für die Flüchtlinge mitgebracht - aber viele wissen nicht, wie sie am besten an die Flüchtlinge herantreten sollen. Und dann prallen natürlich immer wieder Welten aufeinander, wenn Flüchtlinge an Land kommen, wo Urlauber in den Hotels von Kos-Stadt Frühsport machen.

Menschen am Strand

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