Flucht von John McAfee "Der ist bekloppt"

"Wir wollen ihm bloß ein paar Fragen stellen", sagt die Polizei. "Die wollen mich töten", sagt John McAfee, Gründer der gleichnamigen Firma für Antiviren-Software. Der 67-Jährige ist in seiner Wahlheimat Belize seit Wochen auf der Flucht. Warum, weiß anscheinend nur er selbst.

Von Bettina Dobe

Seit mehreren Wochen ist John McAfee auf der Flucht. Aber warum eigentlich?

(Foto: REUTERS)

Seine Flucht vor der Polizei in Belize inszeniert John McAfee, Erfinder der gleichnamigen Antivirus-Software, als Medienereignis. Regelmäßig telefoniert der 67-Jährige mit Journalisten und bloggt über sein Leben im Untergrund. Sein Leben sei gerade höchst gefährlich, schreibt er, daher verkleide er sich oft: mal als Essensverkäufer, das Gesicht mit Schuhcreme geschwärzt, mal als betrunkener Tourist. Verifizieren lässt sich - nichts.

Gesichert ist nur: Am 11. November wurde Gregory Faull, 52, in seinem Haus ermordet. McAfee ist Faulls Nachbar, die beiden stritten schon seit Monaten über McAfees Hunde. Als die Polizei den Millionär befragen will, versteckt er sich: Er gräbt sich im Sand ein, einen Karton auf dem Kopf.

Nun ist McAfee seit 17 Tagen mit seiner nur 47 Jahre jüngeren Freundin flüchtig. Niemand weiß, wo er sich aufhält. "Wir wollen ihm bloß ein paar Fragen stellen", sagt Polizeisprecher Rafael Martinez. Es gebe nicht genügend Beweise, McAfee als Verdächtigen zu behandeln. Momentan werde er als "person of interest" behandelt.

Das sieht der Flüchtige anders und behauptet: die Polizei wolle ihm den Mord anhängen. Dabei sei er unschuldig: "Ich biete 25.000 Dollar Belohnung für die Ergreifung von Faulls Mörder", schreibt er auf seiner Webseite whoismcafee.com, die er mit seinem Bekannten Chad Essley betreibt. Der bestätigt die Echtheit des Blogs und erzählt, wie McAfee sein Flucht-Tagebuch bestückt: "In Belize gibt es Internetverbindungen sowieso nur übers Handy."

Freunde macht sich der Virenjäger mit dem Blog nicht unbedingt. Er beschreibt ausführlich, wie korrupt Belize sei. Er behauptet auch: "Die Polizei will mich töten." Premier Dean Barrow reagierte fast schon belustigt auf die Anschuldigungen: "Ich will ja nicht unhöflich erscheinen, aber er scheint extrem paranoid zu sein - ich würde sogar so weit gehen, ihn als bekloppt zu bezeichnen", sagte er der San Pedro Sun.

Gezielte Fehlinformationen für Journalisten

Mit dem Premier liegt McAfee schon seit Mai im Clinch: Nach einer Polizeiaktion in seinem Haus - die damit endete, dass sein illegales Antibiotika-Labor aufflog - forderte er eine Entschuldigung von Barrow. Der aber schwieg. "Er mag mich nicht", beschwerte sich McAfee nun bei dem Journalisten Joshua Davis vom Magazin Wired, den er bis vor Kurzem mehrmals täglich anrief.

Dann veröffentlichte Davis ein nicht autorisiertes E-Book über den Fall. Der beleidigte McAfee brach den Kontakt ab und ergeht sich jetzt auch in Hasstiraden auf ihn und andere Reporter. Er füttere Journalisten ohnehin oft mit Fehlinformationen, verhöhnt er sie. "Ich genieße es, Scherze zu machen und die Presse hereinzulegen."

McAfee fühlt sich verfolgt, seit Monaten nahm sein Verfolgungswahn zu. "Er war schon im Juli ziemlich paranoid", sagt Essley. "Er trug immer eine Waffe bei sich." Zwar sucht ihn die Polizei. "Wir haben aber keine Straßensperren errichtet und keine Großfahndung ausgerufen", sagt Polizeisprecher Martinez. "Wenn ihn ein Polizist sieht, wird er zur Befragung in Gewahrsam genommen." Es gibt keinen Haftbefehl gegen den Flüchtigen - und er muss sich auch nicht stellen, wenn er nicht will. Die Jagd nach John McAfee, sie findet vor allem in seinem Kopf statt.