Fipronil-Skandal Reinigungsfirma legte falsche Dokumente zu Fipronil vor

Das Gift Fipronil ist über das Reinigungsmittel Dega-16 in die Eier gelangt.

(Foto: AFP)
  • Offenbar hat die Reinigungsfirma Chickfriend ihre Kunden, Landwirte in den Niederlanden und Deutschland, bewusst getäuscht.
  • Wie Der Spiegel berichtet, soll die Firma mit gefälschten Dokumenten das Reinigungsmittel Dega-16 verharmlost und die Beimischung von Fipronil verschwiegen haben.

Auf der Suche nach der Ursache für die Verunreinigung von Millionen Hühnereiern mit dem Insektizid Fipronil stehen zwei Unternehmen im Mittelpunkt: die niederländische Firma Chickfriend, die Ställe mit dem Antimilbenmittel Dega-16 reinigte, und der Hersteller, die belgische Firma Poultry-Vision, die Fipronil in das Reinigungsmittel mischte. Die Frage lautete bislang: Wer von beiden steht am Anfang des Skandals?

Einem Bericht des Magazins Der Spiegel zufolge hatte die niederländische Firma nicht nur Kenntnis über den Einsatz von Fipronil, sondern täuschte seine Kunden, Landwirte in den Niederlanden und Deutschland, offenbar bewusst mit falschen Dokumenten.

Demnach erhielten die Landwirte ein offiziell aussehendes "Produktsicherheitsblatt", in dem das Desinfektionsmittel Dega-16 als völlig harmloses Mittel ausgegeben wurde. Das vierseitige Papier verschwieg demnach außerdem, dass das Gift Fipronil enthalten sei. Offenbar sei das Mittel auch nie von einer Behörde zugelassen worden, heißt es in dem Bericht weiter. Das Dokument nennt als "Hersteller/Lieferant" ein Unternehmen im belgischen Weelde: Poultry-Vision - Inhaber ist Patrick R., der früher selbst Hühnerzüchter war.

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Unterdessen wurde bekannt, dass die beiden Chefs von Chickfriend das Wochenende über weiter in Untersuchungshaft verbleiben sollen. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass sie weiter vernommen werden. Am Montag werde über eine mögliche Verlängerung der Untersuchungshaft entschieden. Derzeit ist über die Aussagen der beiden Männer noch nichts bekannt.

Bauern aus den Niederlanden und Deutschland hatten ihre Hühnerställe von der Firma Chickfriend reinigen lassen. Diese hatte dafür das Antimilbenmittel Dega-16 benutzt, dem das Insektizid Fipronil beigemischt war, und konnten dadurch den Schädling Rote Vogelmilbe eindämmen. So kam das Gift aus den betroffenen Ställen in die Eier. Als Pflanzenschutzmittel ist Fipronil eingeschränkt zugelassen, in der Lebensmittelbranche aber gänzlich verboten. In hohen Dosen kann die Substanz für Menschen gefährlich sein.

Belastete Eier sind nach Erkenntnissen der EU in 15 Länder geliefert worden. Unter anderem sind in Spanien 20 Tonnen belastete Flüssigeier entdeckt worden. Dem Bundeslandwirtschaftsministerium zufolge wurden nach Deutschland "rund 10,7 Millionen möglicherweise mit Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden (...) geliefert", berichtet die Rheinische Post. In den Niederlanden, Belgien, Frankreich, aber auch in Deutschland wurden Höfe von Geflügelzüchtern gesperrt. Erste politische Gespräche über eine mögliche EU-Reaktion auf den Skandal soll es Anfang September in Estland geben.

Verbraucher sind unterdessen verunsichert. Jeder vierte Erwachsene in Deutschland hat seinen Eierkonsum verändert, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Demnach essen 16 Prozent deshalb weniger Eier als üblich, 10 Prozent verzichten komplett. 15 Prozent gaben an, dass sie jetzt darauf achten, aus welchem Land die Eier kommen.

Im ZDF-"Politikbarometer" haben immerhin zwei Drittel der Befragten angegegeben, sie stünden dem Fipronil-Skandal gelassen gegenüber. Demnach sehen 61 Prozent ihre Gesundheit nicht gefährdet, 36 Prozent dagegen schon. Die Mehrheit der Befragten (73 Prozent) wünscht sich, dass die Gesetze und Kontrollen im Lebensmittelbereich verschärft werden.

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