Fipronil Schmidt erwartet "lückenlose Aufklärung" im Eier-Skandal

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU).

(Foto: dpa)
  • Seine belgischen und niederländischen Amtskollegen hätten ihm "volle Transparenz und schnelle Informationen zugesichert", sagte Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt.
  • Derzeit wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller einem gängigen Reinigungsmittel verbotenerweise Fipronil beimengte.
  • Die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde wehrte sich gegen die Vorwürfe, zu langsam gehandelt zu haben.

Nach dem Skandal um Hühnereier, die mit dem Läusemittel Fipronil verunreinigt wurden, hat Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) eine bessere Weitergabe von Informationen auf europäischer Ebene gefordert. Er erwarte "lückenlose Aufklärung", sagte er. Seine belgischen und niederländischen Kollegen hätten ihm "volle Transparenz und schnelle Informationen zugesichert". Zudem will Schmidt deutsche Verbindungsbeamte in die Behörden der beiden Nachbarländer schicken.

Am Montag habe Schmidt auch mit dem EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis über den Eierskandal gesprochen und die Bundesländer anschließend informiert. Derzeit wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller einem gängigen Reinigungsmittel verbotenerweise Fipronil beimengte und die Mischung an Betriebe in Belgien, den Niederlanden und Deutschland verkaufte.

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Die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde wehrte sich gegen die Vorwürfe, zu langsam gehandelt zu haben. "Wir haben niemals versucht, irgendetwas zu verschleiern", sagte Behördenchef Herman Diricks am Montagabend dem Sender VRT. Nachdem die Behörde am 2. Juni von einem Fipronil-Verdachtsfall erfahren hatte, gab Belgien erst am 20. Juli Informationen an andere EU-Staaten weiter. Am Mittwoch soll es dazu eine Debatte im belgischen Parlament geben. Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte: Wenn ein Land eine Gefährdung der Lebensmittelsicherheit nicht früh genug melde, verstoße es gegen europäisches Recht. Ein Verfahren könne eingeleitet werden. In Belgien sei dies aber derzeit nicht der Fall.

Erst in hohen Dosen kann Fipronil für Menschen gefährlich sein

In Deutschland sind in fast allen Bundesländern Supermärkte von dem Eierskandal betroffen. Bundesweit untersuchen Labore derzeit auch Eier von heimischen Bauernhöfen auf Fipronil. Am Dienstag hieß es aus Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein, dort seien bislang keine belasteten Eier in den Ställen gefunden worden.

In Niedersachsen wurden dagegen belastete Eier in fünf Betrieben gefunden: in vier Hühnerfarmen in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Leer und einer Junghennenaufzucht im Emsland. Alle Betriebe liegen in der Nähe der niederländischen Grenze. Dazu kommt eine Postfachadresse, die letztlich wieder in die Niederlande führt. Die Hintergründe dazu sind noch nicht aufgeklärt.

Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagte am Dienstag dennoch, in seinem Bundesland sei der Eierskandal wohl überwunden. Umfangreiche Untersuchungen von Ei-Proben und Produkten hätten ergeben, dass über die bereits ermittelten Betriebe hinaus keine weiteren Produzenten betroffen seien: "Das ist, glaube ich, ein gutes Zeichen."

Die Bundesregierung will sich nun um Produkte kümmern, in denen Eier verarbeitet sind. Ursache der Belastung mit Fipronil sei "offensichtlich kriminelle Energie", sagte Bundesagrarminister Schmidt. Er begrüße es, dass Staatsanwaltschaften in den Niederlanden, Belgien und Deutschland ermittelten. In den Niederlanden sind bislang 138 Betriebe bekannt geworden, die das mit Fipronil kontaminierte Mittel benutzt haben. Auch hier wurden die Kontrollen ausgeweitet: Die Lebensmittelüberwachung des Landes untersucht nun auch Hühnerfleisch auf eine mögliche Belastung durch Fipronil. Aus Expertensicht sind die Gefahren, die von Eiern und Lebensmitteln ausgehen, die mit Fipronil belastet sind, bisher überschaubar. Erst in hohen Dosen kann Fipronil für Menschen gefährlich sein.

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