Film-Legende Cheeta ist tot Ich Tarzan, du Affe

Tarzans treue Freundin Cheeta, der Star aus den Dschungelfilmen der Dreißiger, ist angeblich in einem Altersheim für Showaffen gestorben - in greisem Alter. Doch was an der Biographie der Schimpansendame ist Wahrheit, was Fiktion?

Von Titus Arnu

Im Film Tarzans geheimer Schatz von 1941 ist das Drama schon abzusehen. Cheeta schleicht sich an Tarzan an, der in einer Hängematte döst, klaut ihm die Whiskeyflasche - und säuft sie leer. Anschießend torkelt der Affe zur Belustigung des Publikums durch das Dschungelcamp. Cheeta gibt virtuos den betrunkenen Primaten, taumelt, stolpert und verdreht die Augen. Leider ist die Szene auch der Beginn einer Suchtkarriere, die typisch ist für die affenunwürdigen Zustände im Schimpansen-Showbusiness.

Tarzan der Affenmann und Cheeta, der Schimpanse: Die Filme der 1930er Jahre machten die Primaten-Dame berühmt.

(Foto: AP)

Cheeta, ein Weibchen, war der Star vieler Tarzan-Filme in den 30er und 40er Jahren, und mit dem frühen Ruhm kamen die Probleme. Dem begabten Affen erging es nicht anders als manch einem psychisch überforderten Menschen in der Unterhaltungsindustrie: Cheeta rauchte Kette, trank Bier, schien sich privat zur jähzornigen Zynikerin zu entwickeln. 1967 ging Cheeta in Pension.

Zuletzt lebte sie als friedliche Rentnerin im Tierheim Suncoast Primate Sanctuary in Palm Harbor (Florida), trank höchstens Diätcola, summte Country-Songs und malte Bilder der Kunstrichtung "Apestract Art". Sie habe es geliebt, mit Fingerfarben zu malen und Football zu schauen, sagte die Direktorin des Heims, Debbie Cobb, der Zeitung Tampa Tribune. An Heiligabend sei Cheeta nun gestorben, im Rekordalter von 80 Jahren, teilte das Heim mit. Cheeta habe sein Herrchen Johnny Weissmuller, der 1984 starb, lange überlebt und gehe laut Guinness-Buch der Rekorde als ältester Affe der Welt in die Geschichte ein. Soweit die Legende.

Doch die Geschichte vom Methusalem-Filmaffen ist mindestens so seltsam wie die Geschichte des weißen Briten, der im afrikanischen Dschungel ausgesetzt wird, die Sprache der Tiere lernt und zufällig einer halbnackten Blonden begegnet, die er dann heiratet. Cheetas Karriere begann angeblich bereits in Weissmullers erstem Film Ich, Tarzan im Jahr 1932. Der Hollywood-Tiertrainer Tony Gentry habe den damals erst wenige Monate alten Schimpansen unter seiner Jacke bei einem Transatlantik-Flug von Liberia in die USA geschmuggelt, heißt es in Cheetas Autobiographie Ich, Cheeta, die ein Ghostwriter verfasste.

"Lüge des Dschungels"

Doch die Washington Post entlarvte die nette Cheeta-Story vor drei Jahren als "Lüge des Dschungels". 1932 habe es noch keine Transatlantikflüge von Afrika in die USA gegeben. Cheeta sei von mindestens zehn verschiedenen Affen gespielt worden. Der Schimpanse, der als Original-Cheeta aus den 30er Jahren gefeiert werde, sei frühestens in den 60er Jahren geboren. Denn Schimpansen werden meist nur um die 40 Jahre alt.

Auch Cheetas legendärer Auftritt im "Aktuellen Sportstudio" stellte sich als Fake heraus. 1971 war Johnny Weissmuller, der vor seiner Hollywoodkarriere Olympiasieger im Freistilschwimmen gewesen war, zusammen mit seiner sechsten Frau und seinem Lieblingsaffen beim ZDF zu Gast. Cheeta benahm sich ziemlich garstig, biss Weissmuller in den Hals, pinkelte den Tarzan-Darsteller an und riss Maria Weissmuller die Perücke vom Kopf. Später wurde bekannt, dass für den TV-Auftritt ein Zooaffe namens Porgy engagiert worden war, von dem seither niemand mehr etwas gehört hat.