Von Roland Schulz, jetzt.de

Eigentlich sollten wir pubertär werden: Die Bravo ist 50.

Total krass! So hot! Das supertolle jüngste Peoplemagazin Deutschlands feiert einen fetten Geburtstag! Wow! So würde die Redaktion des Magazins Bravo diesen Text beginnen. Bravo wird am Samstag 50 Jahre alt, versteht sich aber als so jung wie nie, und deshalb schreibt Bravo in seiner aktuellen Ausgabe:

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Ein Wand voll mit Bravo-Titelseiten in der Redaktion des Blattes in München. (© Foto: dpa)

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"Es ist eine ganz besondere Woche! Wir haben Geburtstag! Bravo wird 50 Jahre! Ja, Wahnsinn! Am 26. August 1956 erschien die allererste Bravo! Damals noch als Zeitschrift für Film und Fernsehen!"

Die Themen der Jubiläumsausgabe sind: "Erwischt: Nacktalarm bei den Killerpilzen!", "Lafee: Mein neues Leben nach der Schule!", "Eminem: Drama um seine Mutter!" sowie "Bills wilde Seiten! One-Night-Stands! Schluss per SMS!", und wer jetzt schon keine Ausrufezeichen mehr sehen kann, ist wahrscheinlich zu alt für die Bravo.

Schade.

So machst Du richtig Schluss!

Im Heft geht es nämlich um Geschichten wie "50 Cent: Locht perfekt ein!", "Fergie: Wow! So heiß rockt sie solo!", "Saad: So lebt der harte Rapper!", "Stars und ihre tierischen Doppelgänger!", "Meine Brüste sind viel zu klein!" und "So machst Du richtig Schluss!", und wer jetzt böse lacht, ist mit Sicherheit zu alt für die Bravo.

Schade.

Es ist leicht, sich über die Bravo lustig zu machen, über die immer gleichen schlechten Witze unter der Überschrift "Voll witzig!", über die immer gleichen "Exklusiv!"-Interviews zur Frage "Wie sind Tokio Hotel wirklich?", die immer gleichen "Wie oft darf ich onanieren?/Was ist Ausfluss?/Wie funktioniert die Pille?"-Fragen bei Dr. Sommer und die immer gleichen Enthüllungsstorys der Art "Ayayay! Lucry als Ladendieb abgeführt! (Dabei hat er nichts gemacht!)".

Superlative und ein Zentner Ausrufezeichen

Bei dieser Thematik und Stilistik fragt man sich unwillkürlich, ob in der Bravo-Redaktion eine übermannsgroße Streudose neben dem Schreibtisch von Chefredakteur Tom Junkersdorf steht, da sind die Superlative drin und ein Zentner Ausrufezeichen, und wenn alle mit ihren Geschichten fertig sind bei Bravo, dann kommt der Chef und salzt das Heft mit der Streudose noch mal richtig ein.

Am Ende klingt dann alles so wie auf Seite 16:

"Wütend! Hilflos! Der Verzweiflung nahe! So fühlte sich Rapper Lucry als er letzte Woche einen Elektrofachhandel in Berlin besuchte! Denn er wurde wie ein Dieb behandelt: Vom Sicherheitspersonal abgeführt und festgehalten! Gemein!"

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