Festnahme nach tödlichen Schüssen Paralympics-Star Oscar Pistorius unter Mordverdacht

Der sechsmalige Paralympics-Gewinner Oscar Pistorius ist in seinem Haus in Pretoria festgenommen worden. Er soll seine Freundin erschossen haben. Zunächst war von einem Unfall die Rede gewesen. Doch die Polizei ermittelt gegen den Sportler wegen Mordverdachts.

Er war der erste Athlet mit zwei Beinprothesen, der als Läufer an den Olympischen Spielen teilnahm: Die Bilder von Oscar Pistorius' futuristischen Beinprothesen gingen um die Welt. Jetzt ist der Name des südafrikanischen Sportlers zurück in den Schlagzeilen: Er soll seine Lebensgefährtin erschossen haben. Zunächst war von einem Unfall die Rede, vom tragischen Ende einer Valentinstagsüberraschung.

Doch Pistorius steht unter Mordverdacht. Im Laufe des Tages soll er vor einem südafrikanischen Gericht erscheinen. Der britische CNN-Journalist Piers Morgan twitterte über eine Pressekonferenz der südafrikanischen Polizei: Den Behörden zufolge habe es in der Vergangenheit "gewalttätige Vorfälle in Pistorius' Haus gegeben - von der Sorte 'häusliche Gewalt'". Die Polizei, so der Talkshow-Moderator, sei ganz klar überzeugt davon, dass es sich nicht um eine tragische Verwechslung handle. Entsprechende Informationen stammten nicht von den Behörden, hieß es demzufolge auf der Pressekonferenz.

Wie die Polizei auf der Pressekonferenz weiter mitteilte, sei die Frau bei dem Vorfall am frühen Morgen viermal in den Kopf sowie den Arm geschossen worden war. Sie sei noch am Tatort gestorben. Dort wurde nach Polizeiangaben eine Neun-Millimeter-Pistole gefunden. Auf baldige Entlassung kann der Athlet wohl nicht hoffen: Die Staatsanwaltschaft werde sich gegen eine Freilassung auf Kaution aussprechen, weil es bereits in der Vergangenheit Berichte über "Familienstreitigkeiten im Haus des Beschuldigten" gegeben habe, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag dem Fernsehsender eNCA.

Die Nachrichtenagentur Reuters und die britische BBC hatten unter Berufung auf lokale Medien zuvor berichtet, dass eine Frauenleiche in Pistorius' Haus in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria gefunden worden sei, bei der es sich um die Freundin des Paralympics-Stars handeln soll. Der TV-Sender Sky News berichtet, Steenkamp habe ihren Freund am Valentinstag überraschen wollen.

"Natürlich sind wir schockiert", sagte Psitorius' Vater Henke der Nachrichtenagentur AFP. Oscar Pistorius werde vorgeworfen, seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen zu haben. "Ich habe ihn nicht gesehen, er ist bei der Polizei und die Angelegenheit liegt in den Händen der Behörden", fügte er hinzu.

Als "Blade Runner" zu den Olympischen Spielen

Dem Läufer fehlten von Geburt an Wadenbeine und Teile der Füße, noch vor seinem ersten Geburtstag wurden ihm beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Pistorius läuft mit speziell angefertigten Carbon-Schienen und wird deswegen auch "Blade Runner" genannt. Kurz vor den Olympischen Spielen in London 2012 entschied das Olympische Komitee seines Landes, ihn für die Teilnahme zu nominieren. Im 400-Meter-Lauf der Männer erreichte Pistorius das Halbfinale.

Pistorius' Freundin Reeva Steenkamp stammte ebenfalls aus Südafrika und arbeitete als Model. Nachdem im Sommer über das Ende ihrer Beziehung mit dem Sportler spekuliert worden war, gratulierte erst am 2. Januar eine Freundin dem Model auf Facebook zu dem prominenten Liebhaber: "Übrigens: Gut gemacht, Mädchen. Toller Fang!". Vor zwei Wochen postete Steenkamp ein Foto des Athleten in ihrer Twitter-Timeline, versehen mit den Worten: "Er braucht sicherlich nicht noch mehr Follower, aber er ist hübsch anzuschauen und sagt auch kluge Dinge ;)".

Noch vor ein paar Tagen scherzte sie mit Freunden auf Twitter über einen "Großen Tag" - an dem sie "allerdings nicht heiraten werde :/". Inzwischen quillt Steenkamps Facebook-Profil über von Beileidsbekundungen. "Ruhe in Frieden, Reeva", schreibt jemand über einem Bild der beiden. "Du wirst schmerzlich vermisst werden."

Oscar Pistorius (rechts) verlässt die Polizeitstation in Boschkop, östlich von Pretoria, um dem Haftrichter vorgeführt zu werden

(Foto: AP)