Femen-Aktivistinnen eröffnen Trainingszentrum In Wahrheit: nur schöne Frauen

Im Vortragssaal zeigt Schewtschenko ein Video von der Sache mit dem Kreuz, Musik von Marilyn Manson läuft darin. Auf Fotos von Aktionen ist eine Frau zu sehen, die 120 Kilo wiegt, 200 Studenten kichern. Die Quotendicke. Schaut her, bedeutet das Bild, eine Femen muss nicht schön sein.

In Wirklichkeit sieht man bei Femen nur schöne Frauen. Nach dem Vortrag rennt ein junger Deutscher Schewtschenko nach, er will wissen, was sie übers Heiraten denkt (warum nicht, wenn es sich ergibt), ob sie einen Freund hat (manchmal), ob sie sich nie schämt, wenn sie nackt ist (am Strand ja, beim Protest nein). Würde Sie sich für den Playboy ausziehen? (Ja, ein wenig Botschaft kommt doch immer an).

Dass Femen mit der Macht der Bilder spielen, kann man ihnen nicht vorwerfen. Schewtschenko hat Journalistik studiert, sie weiß, dass man Emotionen schaffen muss, um sich in die Köpfe der Leute zu schleichen. Dass man ökonomisch arbeiten muss - minimaler Aufwand, maximale Wirkung. Dass Bilder oft besser funktionieren als Worte.

Voll drauf zu auf den Feind

Die Strategie von Femen geht daher so: Kameras bestellen. Ausziehen. Voll drauf zu auf den Feind. Botschaft in sein Gesicht brüllen. Fotos von Polizistenhandschuhen auf nackten Mädchenkörpern. Zack. Die Bilder sind es, die aus Femen eine globale Marke gemacht haben. Sie flirren durchs Netz, provozieren Antworten von Frauen aus Brasilien, Tunesien, den USA. Sie sorgen dafür, dass Menschen Tassen, T-Shirts und Brustabdrücke von Femen kaufen. Und manchmal wollen Menschen von dem Ruhm etwas abhaben.

Der belgische Filmemacher Wayn Traub hat eine Satire über Religion gedreht, Femen kommen auch vor. Er zeigt den Frauen sein Werk an einem weiteren Abend in Paris. Im Kino stellt sich heraus: Traub hat aus Versehen russisches Propaganda-Material in seinen Film geschleust. Comicfiguren mit animierten Brüsten. Sie halten Schilder auf Russisch hoch: "Ich protestiere gegen alles. Miete mich für deine Geburtstagsparty." Femen Frankreich finden das gar nicht lustig. Auch das russische Fernsehen ist an diesem Abend dabei.

Im Lavoir moderne geht an dem Tag im November das Training zu Ende. Die Journalisten haben Bänder und Blöcke gefüllt, und Schewtschenko spricht die Antwort auf die immer gleiche Frage in Mikrofone: "Warum habt ihr euch nicht ausgezogen?" Schewtschenko sagt: "Es war nicht nötig". Sind doch alle auch so gekommen.