Tiere 2012 Allerbeste Freunde

Ein Riesenschnauzer macht den Führerschein, ein Elefant lernt sprechen, ein Superhengst verpasst Olympia: Die SZ-Redaktion würdigt die Tiere des Jahres.

Eichhörnchen im Gullydeckel: Erwin wurde von der Polizei befreit.

(Foto: dpa)

Eingeklemmt: Erwin

Das Bild zu dieser Geschichte sagte alles, und es rührte selbst Journalistenherzen, von denen es ja gerne heißt, sie seien kalt und hohl. "Achtung, jetzt wird's herzzerreißend", juchzte Spiegel Online am 6. August, während die Hannoversche Allgemeine den "herzerweichenden Blick" des Abgebildeten besang. Zu sehen war ein kleiner, flauschiger Kopf, nicht größer als ein Tischtennisball, der aus dem Loch eines Gullydeckels lugte. Er gehörte einem Eichhörnchen aus Isernhagen, das von der Polizei auf den Namen Erwin getauft wurde, warum auch immer. Die Polizeibeamten zogen und drückten, doch Erwin steckte fest. Erst als eine Anwohnerin Olivenöl organisierte und die Beamten dieses als Schmiermittel auftrugen und dazu noch die Eichhörnchenohren an den Eichhörnchenkopf drückten, kam das Tier frei.

Und weil die Journalisten darüber mindestens so froh waren wie Erwins Helfer, rauschten alsbald Jubelmeldungen über die gelungene Eichhörnchenbefreiung durchs Land, von denen viele mit dem Satz endeten, das Tier habe sich im Garten der aufmerksamen Anwohnerin von seinem "Abenteuer" erholt. Das allerdings war so herzig wie unvollständig. Denn Erwin, das Eichhörnchen, lag ein paar Stunden später nicht gut erholt, sondern tot in eben jenem Garten. Zu viel Stress, hieß es. So kann man das wohl nennen: wenn plötzlich grüne Männchen auftauchen, die einen Erwin nennen und schließlich wie einen Weihnachtsbraten mit Öl einreiben.

Marc Felix Serrao