Zwei Tage nach dem blutigen Familiendrama mit drei Toten in Hornsen bei Hildesheim ringt ein schwerverletztes Opfer mit dem Tod. Die Polizei hat nun Klarheit über das Motiv des Täters.

Der Zustand des 16-Jährigen sei nach wie vor "sehr ernst", sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Die beiden anderen Verletzten seien dagegen "auf dem Wege der Besserung".

Anzeige

Am Mittwoch hatte ein 37-jähriger selbstständiger Forstwirt seine 40-jährige Lebensgefährtin und den gemeinsamen achtjährigen Sohn erschossen. Danach richtete er die Waffen gegen sich selbst.

Die beiden 16 und 14 Jahre alten Kinder der Frau aus einer früheren Beziehung und deren 15-jährigen Freund hatte er durch Schüsse schwer verletzt. Eine gemeinsame sechs Jahre alte Tochter des Paares blieb unverletzt. Das Kind befindet sich nun in der Obhut des Jugendamtes.

80 Anwohner vernommen

Motive des 37-Jährigen seien schon seit längerer Zeit andauernde Beziehungsprobleme und finanzielle Schwierigkeiten gewesen, sagte Polizeisprecher Klaus Kubik. Das ergebe sich aus den Aussagen von Nachbarn, Freunden und Bekannten. Die Polizei hat die meisten der rund 80 Einwohner des Ortes vernommen.

Nach den kriminaltechnischen Untersuchungen stehe fest, dass der Täter 13 Mal aus einer großkalibrigen Pistole vom amerikanischen Fabrikat Ruger geschossen hat, sagte Kubik. Der Mann habe zwischendurch einmal nachgeladen. Woher die Waffe und ein im Wohnhaus des Forstwirts sichergestelltes doppelläufiges Jagdgewehr stammen, werde noch ermittelt. Der 37-Jährige habe die Waffen illegal besessen. Er habe zwar eine Waffenbesitzkarte beantragt, diese aber noch nicht erhalten.

Unterdessen sieht Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) keinen Bedarf für eine bundesweite Waffendatei. Allerdings wollen die Innenminister der Länder darüber bei ihrer nächsten Konferenz beraten, sagte Schünemann. Der Minister betonte, der Täter von Hornsen habe mit illegal erworbenen Waffen geschossen. In so einem Fall hätte auch eine bundesweite Datei nicht weitergeholfen.

In Niedersachsen ist bei den Kommunen registriert, wer legal Pistolen besitzt - die Waffenbehörden sind bei Kreisen, großen Städten und den selbstständigen Gemeinden angesiedelt. Schünemann forderte: "Es ist wichtig, dass die Polizei überall 24 Stunden am Tag auf diese Informationen über Waffen und ihre Besitzer Zugriff hat." Dies sei derzeit nicht immer überall möglich, kritisierte der Minister.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(dpa/grc)