Familie Merah erhebt Vorwürfe gegen Frankreich "Warum tötet ihr mich?"

Mohamed Merah soll als Spitzel für die französischen Behörden gearbeitet haben und von eben diesen aus dem Weg geräumt worden sein. Das zumindest behauptet die Anwältin der Familie des französischen Attentäters. Sie will nun gegen die Elitepolizei Raid vorgehen - und Videobeweise für ihre These vorlegen.

Von Stefan Ulrich, Paris

Die algerische Familie des erschossenen Attentäters von Toulouse, Mohamed Merah, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte. "Merah wurde bei seinen Aktionen von den französischen Diensten manipuliert und benutzt und anschließend liquidiert, damit die Wahrheit nicht ans Licht kommt", sagte Zahia Mokhtari, die Anwältin von Merahs Vater, bei einer Pressekonferenz in Algier.

Die Anwältin des mutmaßlichen Attentäters von Toulouse wirft Frankreich vor, Mohamed Merah erschossen zu haben, weil er als Spitzel für "französische Dienste" arbeitete.

(Foto: dpa)

Sie behauptete, sie habe von "Personen aus dem Zentrum der Ereignisse" Videos zugespielt bekommen, die ihre These stützten. Darauf sei festgehalten, wie Merah zu Polizisten sagte: "Warum tötet ihr mich?" Die Sicherheitsdienste hatten dagegen stets bekräftigt, sie hätten den Attentäter lebend fassen wollen. Sie seien wegen dessen Gegenwehr gezwungen gewesen, ihn zu erschießen.

Die algerische Anwältin will nach Paris reisen, um die Elite-Einheit Raid anzuzeigen, die Merah am 22. März nach einer 32 Stunden langen Belagerung in seiner Toulouser Wohnung tötete. Sie kündigte an, der Justiz die Videos auszuhändigen und eine Liste mit den Namen eines französischen Geheimdienstlers und zweier weiterer Personen verschiedener Nationalität einzureichen. Sie hätten mit Merah zusammengearbeitet und müssten vernommen werden.

Merah hatte bei Anschlägen im Raum Toulouse drei Fallschirmjäger, drei jüdische Kinder und einen Lehrer erschossen.

Bernard Squarcini, der Chef des Inlandsgeheimdienstes DCRI, bestritt Behauptungen, der 23 Jahre alte Muslim französischer Nationalität habe als Spitzel gearbeitet.