Fall Susanna F. Ali B. soll Elfjährige vergewaltigt haben

Neuer Verdacht gegen Ali B.: Er war an Bord einer Lufthansa-Maschine aus dem nordirakischen Erbil von der Bundespolizei nach Frankfurt gebracht worden.

(Foto: dpa)
  • Neue Erkenntnisse im Fall Susanna F.: Die Polizei hat ermittelt, dass Ali B. in einer Flüchtlingsunterkunft zuvor zweimal eine Elfjährige vergewaltigt haben soll.
  • Der Verdacht war bereits bekannt, ließ sich aber zunächst nicht erhärten. Nun soll das Opfer erneut ausgesagt haben.
  • Zudem wird gegen einen 14-Jährigen ermittelt. Auch er soll die Elfjährige zweimal vergewaltigt haben. Der Junge war im Mordfall Susanna F. zunächst ein wichtiger Zeuge: Erst durch seinen Hinweis war die Polizei auf die Spur von Ali B. gekommen.
Von Oliver Klasen

Sechs Wochen ist es nun her, dass Susanna F., 14, aus Mainz getötet wurde, mutmaßlich von Ali B., einem aus dem Nordirak stammenden Flüchtling, der in Wiesbaden in einer Unterkunft lebte. Vor vier Wochen wurde das Verbrechen entdeckt und die Leiche gefunden. Ali B. war nach der Tat zunächst mit seiner Familie in sein Heimatdorf geflohen, wurde jedoch nach wenigen Tagen vor kurdischen Sicherheitskräften festgenommen und in Begleitung von Bundespolizisten im Flugzeug nach Deutschland zurückgebracht, wo er seitdem in Untersuchungshaft sitzt.

Schon im Zuge der Ermittlungen im Fall Susanna F. gab es Hinweise auf weitere Verbrechen, die Ali B. in den Monaten zuvor begangen haben soll. Nun haben diese sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft konkretisiert. Es geht um die Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens. Zweimal soll sich Ali B. an ihr vergangenen haben, einmal im März und einmal im Mai dieses Jahres. Das Mädchen lebte nicht dort, sie ist deutsche Staatsbürgerin. Sie war bereits vor drei Monaten befragt worden. Damals ließ sich der Verdacht gegen Ali B. mit ihren Aussagen nicht erhärten. Die Ermittlungen wurden erschwert, weil zum betreffenden Zeitpunkt vier Männer mit Vornamen Ali in der Unterkunft lebten. Warum die Ermittler inzwischen davon ausgehen, dass Ali B. der Täter in diesem Fall ist, wollen sie nicht genau sagen. Offenbar hat es neue Befragungen gegeben.

Die Elfjährige soll außerdem von einem weiteren Jungen vergewaltigt worden sein. Eine der Taten soll er gemeinsam mit Ali B. begangen haben, eine allein. Es ist eine tragische Wendung in dieser Geschichte, denn es handelt sich um den Jungen, der zunächst dafür gefeiert wurde, dass er die Polizei auf die Spur von Ali B. brachte. Inzwischen wird er nicht mehr als Zeuge, sondern als Verdächtiger geführt. Er sitzt bereits in Untersuchungshaft, denn er ist nicht wie ursprünglich angenommen 13, sondern 14 Jahre alt, also strafmündig.

Wie der Wiesbadener Kurier berichtet, wird nun auch geprüft, ob er im Fall Susanna F. als Tatbeteiligter in Frage kommt. Seine Beschreibung des Tathergangs war offenbar auffallend detailliert, heißt es in dem Zeitungsbericht, zu dessen Inhalt sich die Staatsanwaltschaft allerdings nicht äußert. Auch zum Bruder von Ali B. macht sie derzeit keine Angaben. Er soll ebenfalls an mindestens einer der Vergewaltigungen beteiligt sein.

Anruf aus Erbil

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Als Konsequenz aus dem Fall Ali B. will sich die niedersächsische Landesregierung für schärfene Identitätskontrollen an Flughäfen einsetzen - und dazu einen Gesetzentwurf in den Bundesrat einbringen. Ali B. konnte nach der Tat ungehindert mit seiner Familie vom Düsseldorfer Flughafen aus in die Türkei und von dort weiter in den Irak reisen, obwohl die Namen auf den Flugtickets und auf den Ausreisepapieren nicht übereinstimmten.

Bisher ist nach der Passkontrolle durch die Bundespolizei kein Abgleich von Flugtickets und Ausreisepapieren durch die Airlines vorgeschrieben - das soll sich nun ändern. "Durch diese mangelnden Kontrollen entsteht nach unserer Überzeugung eine gewichtige Informationslücke, die Kriminelle, Terroristen oder andere ausnutzen könnten, um sich unter falscher Identität in Flugzeuge zu schmuggeln", sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius.

(Mit Material der Nachrichtenagenturen)