Der Vorsitzende Richter wollte sich vom Verfahren um den in der Türkei inhaftierten deutschen Schüler Marco entbinden lassen - erfolglos.

Offenbar gegen seinen Willen muss der Vorsitzende Richter das Verfahren gegen den in der Türkei inhaftierten deutschen Schüler Marco fortsetzen.

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Seit April in Untersuchungshaft in einem türkischen Gefängnis: Marco W. (© Foto: dpa)

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Der Antrag des Richters Abdullah Yildiz auf seine Entbindung sei von einem übergeordneten Gericht abgelehnt worden, teilten Marcos Verteidiger am Freitag mit. "Wir wollen das nicht kommentieren, bevor nicht die schriftliche Begründung vorliegt", sagte der Anwalt des 17-Jährigen, Matthias Waldraff.

Dies soll am Montag der Fall sein. Der Prozess könnte nun am 20. November mit unveränderter Besetzung der Kammer in Antalya weitergehen.

Allerdings könnte sich bis dahin auch die gesamte Strafkammer für befangen erklärt haben. Einen entsprechenden Antrag hatten Marcos Verteidiger gestellt.

Der 17-Jährige aus Uelzen ist angeklagt, in den Osterferien eine 13-jährige Britin sexuell missbraucht zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe.

Weil er dennoch seit April in Untersuchungshaft sitzt, haben seine Anwälte für die kommende Woche Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg angekündigt. Bisher hatte sich das Gericht in Antalya immer wieder vertagt - auch weil die offizielle Aussage des in England vernommenen Mädchens nicht vorlag. Diese könnte Gegenstand des nächsten Verhandlungstages sein.

Marcos zweiter Anwalt, Michael Nagel, hatte am Freitag noch vor dem Bekanntwerden der Ablehnung des Entbindungsgesuchs von einem "Riesenschritt für einen türkischen Richter" gesprochen und Abdullah Yildiz Respekt für diesen Schritt gezollt. Es sah aus, als sei Bewegung in den festgefahrenen Fall gekommen.

Erklärt sich nun nicht die gesamte Strafkammer für befangen, will die Verteidigung Beschwerde einlegen. Dann müsste wiederum das übergeordnete Gericht über den Befangenheitsantrag entscheiden.

Auf das Reiseverhalten deutscher Urlauber scheint sich der Fall Marco unterdessen noch nicht ausgewirkt zu haben. Öger Tours, Marktführer für Türkeireisen aus Hamburg, kann seit der Inhaftierung des 17-Jährigen im April keinen Buchungsrückgang verzeichnen. "Dem Tourismus hat das noch nicht geschadet, aber das könnte passieren", sagte Firmenchef Vural Öger.

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(dpa/bavo/beu)