Fall Marco W. Aussage per Video
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Die angekündigte Video-Aussage könnte zu einer Entscheidung im Prozess um Marco W. führen. Dessen Anwälte bezweifeln die Glaubwürdigkeit des Bandes.
Die Anwälte des in der Türkei inhaftierten deutschen Schülers Marco W. bezweifeln die Beweiskraft der angekündigten Video-Aussage der 13-jährigen Engländerin Charlotte, die am Freitag in den Prozess eingebracht werden soll.
Fordert die Höchststrafe: Der Anwalt des britischen Mädchens Ömer Aycan.
(Foto: Foto: dpa)"Das Gericht in Antalya muss alles unternehmen, um die Zeugin direkt zu befragen", sagte Rechtsanwalt Michael Nagel in Hannover. Die Verteidigung müsse durch Fragen an die Zeugin deren Glaubwürdigkeit prüfen können. Der türkische Verteidiger Marcos schließe nicht aus, dass das Urteil am Freitag fällt.
Es ist der sechste Verhandlungstag in dem seit Juli laufenden Prozess in Antalya. Marco W. wisse, dass er möglicherweise weiter in Haft bleiben müsse, sagte der Anwalt seiner Eltern, Matthias Waldraff. "Damit er nicht abstürzt, ist er auch auf weitere Haft vorbereitet", sagte er.
Ob die Aussage der 13-Jährigen dem türkischen Gericht tatsächlich schon vorliege, wisse die Verteidigung nicht, sagte Nagel. Nach der seit zwei Jahren geltenden Strafprozessordnung in der Türkei habe die Verteidigung das Recht, Zeugen zu befragen.
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Höchststrafe von 15 Jahren Haft gefordert
Die Rechtsexperten sprechen vom Unmittelbarkeitsprinzip. Es müsse verhindert werden, "dass Marco ein Opfer der Übergangszeit zwischen dem alten und dem neuen türkischen Strafprozessrecht wird", meinte der Anwalt. Man sei sich bewusst, dass die Forderung nach einer Befragung des Mädchens durch Gericht und Anwälte den Prozess verlängern könnte.
Nach Angaben ihres türkischen Anwalts hat das Mädchen bei ihrer polizeilichen Vernehmung in England Marco Vergewaltigung vorgeworfen. Der Jugendliche hatte stets beteuert, dass es in der Nacht zum 11. April nur zu einvernehmlichen sexuellen Kontakten gekommen sei. Marco wurde am 12. April im türkischen Ferienort Side festgenommen.
Der Anwalt der Engländerin, Ömer Aycan, hatte in der ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger" angekündigt, er werde die Höchststrafe von 15 Jahren Haft fordern.
Die Verteidigung erwäge, wegen der mehr als ein halbes Jahr dauernden Untersuchungshaft den Europäuschen Gerichtshof für Menschenrechte anzurufen, sagte Rechtsanwalt Nagel. Waldraff sagte, in dem Prozess gehe es längst nicht mehr allein um Marcos Verhalten.
Eine große Rolle spielten auch Ängste der türkischen Justiz vor möglicher Reaktionen in England. Für den Jugendlichen und seine Eltern sei es sehr hart.