Von N. Richter

Frankreich will Kalinkas Vater nicht ausliefern. Doch offenbar ist der mutmaßliche Mörder seiner Tochter bei der Entführung verletzt worden.

Dieter K., der jüngst nach Frankreich verschleppte deutsche Arzt, ist bei der Entführung offenbar schwerer verletzt worden als bisher bekannt. Durch eine Computertomographie sei nachgewiesen worden, dass K. eine Blutung im Gehirn erlitten habe, sagte sein deutscher Anwalt Nicolas Becker der Süddeutschen Zeitung.

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Kalinkas leiblicher Vater André Bamberski bestreitet, Anstifter der Entführung des mutmaßlichen Mörders seiner Tochter zu sein. (© Foto: AFP)

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Die Vorwürfe gegen die Kidnapper müssten daher verschärft werden, womöglich um den Tatbestand des versuchten Totschlags. Die Staatsanwaltschaft Kempten, die gegen die Entführer ermittelt, hatte am Donnerstag noch keine Kenntnis von dem Befund.

Keine Auslieferung des Vaters

Am Vormittag hatte ein Gericht in Toulouse entschieden, dass der mutmaßliche Anstifter der Kidnapper, der Franzose André Bamberski, nicht nach Deutschland ausgeliefert wird. Grund sei, dass bereits in Frankreich gegen ihn ermittelt werde; dieses Verfahren habe Priorität.

Die Staatsanwaltschaft Kempten hatte die Auslieferung verlangt. Bamberski hat K. mutmaßlich verschleppen lassen, um ihn der französischen Justiz zuzuführen, die ihn in Abwesenheit wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt hatte.

Demnach hat der Arzt K. sein Stiefkind, Bamberskis Tochter Kalinka, im Jahr 1982 getötet, indem er ihr ein Eisenpräparat spritzte. Die deutschen Behörden halten K. für unschuldig und haben sich jahrelang geweigert, ihn an die französische Justiz zu überstellen.

Am 15. Dezember wollen K.s Anwälte bei einer gerichtlichen Anhörung in Paris erreichen, dass dieser aus der Untersuchungshaft entlassen wird. Sie verweisen auf den prekären Gesundheitszustand des Deutschen, der im Gefängnis von Fresnes bei Paris einsitzt.

Vater bestreitet Entführungsvorwürfe

Bamberski, der auf freiem Fuß ist, hatte vor Gericht eine direkte Beteiligung an der Entführung K.s bestritten. Einer der mutmaßlichen Kidnapper, ein 38 Jahre alter Mann, hatte vor einem Ermittlungsrichter in Mülhausen ausgesagt, er habe aus "Mitgefühl und Menschlichkeit" für den Vater gehandelt. Geld sei keines geflossen.

Seit Jahren setzen Bamberski und eine französische Initiative sich dafür ein, Dieter K. vor Gericht zu bringen. In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy forderten sie, "Missstände" in der Justiz beider Länder zu beenden, die einer Verurteilung des Täters entgegenstünden.

Vor 14 Jahren hatte ein französisches Gericht Dieter K. zu 15 Jahren Haft. verurteilt. K. hatte die Strafe jedoch nie verbüßt, weil Deutschland ihn nicht nach Frankreich ausgeliefert hatte. Das Verfahren soll demnächst in Paris neu aufgerollt werden. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte gerügt, dass sich K. in dem Verfahren von 1995 nicht von einem Anwalt vertreten lassen durfte.

In Deutschland wurde der Arzt bereits wegen einer Sexualstraftat verurteilt. Im Jahr 1997 erhielt er eine zweijährige Bewährungsstrafe, weil er in seiner Praxis eine 16-Jährige mit Schlafmitteln ruhiggestellt und vergewaltigt hatte.

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(sueddeutsche.de/dpa/kred/ehr)